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"Bleibende Verdienste": Wolfgang Clement gestorben | BR24

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Der ehemalige SPD-Politiker, Bundeswirtschaftsminister und NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement ist tot. Im Alter von 80 Jahren ist er nach langer Krankheit gestorben.

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"Bleibende Verdienste": Wolfgang Clement gestorben

Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister und nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement ist im Alter von 80 Jahren gestorben. Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft würdigen die Lebensleistung des langjährigen Sozialdemokraten.

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Wolfgang Clement setzte als Superminister von Gerhard Schröder die Hartz-Reformen um. Damit sicherte er der deutschen Wirtschaft Boomjahre, brachte die SPD aber um einen Teil ihrer Stammwählerschaft. Nun ist er im Alter von 80 Jahren gestorben. Wie der BR aus dem Familienkreis erfuhr, starb der frühere SPD-Politiker nach schwerer Krankheit am frühen Morgen zu Hause in Bonn. Medienberichten zufolge litt er an Lungenkrebs.

Beileidsbekundung von Bundespräsident und Kanzlerin

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) sprach Karin Clement und der ganzen Familie sein Beileid aus. In seinem Schreiben an die Witwe würdigte Steinmeier die Verdienste Clements.

"In allen seinen Ämtern, und insbesondere als Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit und als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen hat sich Ihr Mann über alle Parteigrenzen hinweg bleibende Verdienste erworben. Mit eigenständigen und zuweilen unbequemen Standpunkten vertrat Wolfgang Clement konsequent das Reformziel, Deutschland zukunftsfähig zu machen. Bis zuletzt war Ihr Mann ein Kämpfer für die soziale Marktwirtschaft. Die Prinzipien von Freiheit und Verantwortung, Eigentum und Wettbewerb, Haftung und sozialem Ausgleich hat er immer wieder eingefordert." Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) in seinem Beileidsschreiben an Karin Clement

Als überzeugter und überzeugender Demokrat habe Clement das Zeitgeschehen mitgeprägt, so Steinmeier weiter. Sein hohes politisches Engagement und seine offene und verbindliche Art, auf Menschen zuzugehen, werde in Erinnerung bleiben. Der Bundespräsident schloss sein Schreiben mit den Worten: "Wolfgang Clement hat sich um unser Land verdient gemacht. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren."

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) würdigte Clement als entscheidend für die Agenda 2010.

"Wolfgang Clement hat viel dazu beigetragen, notwendigen wirtschaftlichen Strukturwandel und die Belange der arbeitenden Menschen miteinander in Einklang zu bringen." Bundeskanzlerin Angela Merkel über Regierungssprecher Steffen Seibert per Twitter

Der ehemaliger Superminister habe Deutschland "große und bleibende Dienste erwiesen", er sei entscheidend an einer der wichtigsten und schwierigsten Aufgaben beteiligt gewesen: "den Sozialreformen der Agenda 2010, die uns den Weg aus der hohen Arbeitslosigkeit wies". Merkels Mitgefühl gelte seiner Frau, seinen Töchtern und Enkeln.

Würdigungen zum Tode Wolfgang Clements

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) bezeichnete den Verstorbenen als "großen Patrioten". Clement sei es nicht um Ideologie, sondern um Arbeitsplätze und Menschen gegangen, erklärte Altmaier auf Twitter. Als Wirtschafts- und Arbeitsminister habe er zum Gelingen notwendiger Reformen beigetragen.

Auch CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer würdigte Clement. Der streitbare Sozialdemokrat habe Deutschland entscheidend geprägt. Dafür gebühre im Dank.

Für den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) war sein verstorbener Vorgänger eine einflussreiche Persönlichkeit. Clement sei "eine prägende Figur Nordrhein-Westfalens und Deutschlands und vielseitiger Akteur in der Zeit der Jahrtausendwende" gewesen: "Persönlich verliere ich einen liebenswerten Menschen, der immer für Rat zur Verfügung stand."

Der ehemalige Innenminister Otto Schily (SPD), der zusammen mit Clement Teil der Bundesregierung war, sagte: "Deutschland verliert mit ihm einen der eindrucksvollsten und intelligentesten Politiker, der stets wirtschaftlichen Sachverstand und soziales Engagement zu verbinden wusste."

Über Twitter drückte FDP-Chef Christian Lindner die Trauer seiner Partei aus: "Als Sozialliberaler setzte er sich Zeit seines Lebens für sozialen Aufstieg, Arbeit und Wachstum ein."

Erfolgreiche Medien-Politik

Auch der ARD-Vorsitzende Tom Buhrow würdigte den Verstorbenen:

"Wolfgang Clement war ein Politiker, der sich nicht scheute, für seine Überzeugungen unnachgiebig zu streiten: mit dem politischen Gegner, mit Koalitionspartnern, mit seiner eigenen Partei. Immer entschieden, hart in der Sache, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk gegenüber engagiert, so werden wir ihn in Erinnerung behalten." ARD-Vorsitzende und WDR-Intendant Tom Buhrow

Als Ministerpräsident habe Wolfgang Clement den Strukturwandel in NRW mit großer Energie vorangetrieben, ergänzte Buhrow. Der Politiker habe Nordrhein-Westfalen zum führenden Medien- und Telekommunikationsstandort in Deutschland gemacht.

Nach Jurastudium in den Journalismus

Geboren wurde Clement am 7. Juli 1940 in Bochum als Sohn eines Baumeisters. Weil sein Vater es unbedingt wollte, studierte er Jura, wurde dann aber Journalist. Er kontaktierte alle möglichen Zeitungen, doch nur der Lokalchef der "Westfälischen Rundschau" antwortete. Dort fing er an, Angang der 1990er Jahre war er schließlich vier Jahre lang Chefredakteur der "Hamburger Morgenpost".

Einst Kronprinz des NRW-Landesvaters

Der SPD trat Clement bereits 1970 bei und geriet Anfang der 1980er Jahre als Vorstandssprecher der Sozialdemokraten in die Gunst des damaligen NRW-Ministerpräsidenten Johannes Rau. Dieser holte Clement 1989 als Chef der Staatskanzlei nach Düsseldorf. Bald galt er als Kronprinz des NRW-Landesvaters, bis er 1998 selbst Ministerpräsident wurde. Er hatte große Pläne und wollte NRW zum "Bundesland Nr. 1" machen.

Vier Jahre später kam der Ruf aus Berlin: SPD-Kanzler Gerhard Schröder inthronisierte Clement als Superminister mit zusammengelegtem Wirtschafts- und Arbeitsministerium, um die Arbeitsmarktreformen Hartz I bis Hartz IV umzusetzen. Er habe etwas an den sozialwirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland verändern wollen, sagte Clement später. Die Reformagenda 2010, die er wesentlich mit umsetzte, gilt heute als seine herausragende politische Leistung: Sie bescherte der deutschen Wirtschaft Boomjahre.

SPD-Austritt wegen deren unterstelltem Linkskurs

Zum Zerwürfnis mit seiner Partei kam es, als Clement der SPD eine immer stärkere Angleichung an die "Linken" vorwarf. Das trieb ihn letztlich 2008 auch zu seinem Austritt aus der Partei.

In der Nacht zu Sonntag ist Clement nun friedlich im Kreise seiner Familie in seinem Haus in Bonn verstorben, wie seine Sprecherin mitteilte. Erst im Sommer war bekannt geworden, dass er an Lungenkrebs litt.

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Der ehemalige Bundeswirtschaftsminister und nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement ist im Alter von 80 Jahren gestorben. 2008 hatte sein Austritt aus der SPD für Aufsehen gesorgt, später unterstützte er die FDP.

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