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Ex-Papst Benedikt distanziert sich von Integrierter Gemeinde | BR24

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Goldenes Kreuz in einer Kirche

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    Ex-Papst Benedikt distanziert sich von Integrierter Gemeinde

    Das emeritierte Kirchenoberhaupt Benedikt XVI. hat sich von einer umstrittenen Gruppe distanziert, die er als Papst noch unterstützte: Der "Integrierten Gemeinde" werden sektenähnliche Strukturen und geistlicher Missbrauch vorgeworfen.

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    In den 60er Jahren galt die Integrierte Gemeinde als Paradebeispiel für den Aufbruch in der katholischen Kirche: Menschen, die nach dem Vorbild der Urchristen in Hausgemeinschaften, sogenannten Integrationshäusern zusammenlebten. Renommierte katholische Theologen schlossen sich der Gemeinschaft an.

    Bereits in den 70er Jahren Beschwerden

    Doch bereits in den 70er Jahren mehrten sich Beschwerden gegen die Münchner "Integrierte Gemeinde". Am 3. April 1973 schreibt der Generalvikar des Erzbistums München-Freising von "Beeinträchtigung der Freiheit der Mitglieder, Trennung von Familien, beruflicher und finanzieller Abhängigkeit" sowie der "unchristlichen Behandlung Ausgetretener".

    Kinder wuchsen nicht bei ihren leiblichen Eltern auf, wurden immer wieder ihren Bezugspersonen entrissen, Scheidungen und Eheschließungen wurden von der Gemeinde angeraten. Ehemalige Mitglieder berichten über schwierige finanzielle Verhältnisse, da ihr Vermögen und Einkommen größtenteils an die Organisation ging. Dazu kamen Beschwerden über die missbräuchliche Anwendung der Sakramente, etwa der Buße.

    Lange Zeit war Benedikt XVI. prominenter Fürsprecher

    Im vergangenen Herbst hatte der BR über eine Untersuchung des Erzbistums München-Freising berichtet, in der schwere Vorwürfe gegen die Organisation erhoben wurden, die lange die Fürsprache von Kardinal Joseph Ratzinger genoss. Er unterstützte die Gruppe nicht nur als Erzbischof von München und Freising Ende der 70er Jahre, taufte ihre Kinder, weihte Mitglieder der Gruppe zu Priestern und verhalf ihnen per Dekret vom 24. November 1978 zur kirchlichen Anerkennung. Er stellte sich auch als Präfekt der Glaubenskongregation von Rom aus hinter die Organisation und hegte auch als Papst keine Zweifel an deren Vertrauenswürdigkeit.

    Ex-Papst bedauert sein Nicht-Wissen

    Jetzt schreibt das emeritierte Kirchenoberhaupt in der theologischen Fachzeitschrift Herder-Korrespondenz, ihm sei nicht bewusst gewesen, "dass bei dem Versuch, die Dinge des täglichen Lebens integral vom Glauben her zu gestalten, dabei auch schreckliche Entstellungen des Glaubens möglich waren." Offensichtlich sei er "über manches im Innenleben der Integrierten Gemeinde nicht informiert oder gar getäuscht worden, was ich bedaure," so Benedikt weiter. "Dass so der Eindruck entstehen konnte, alle Aktivitäten der Gemeinde seien vom Erzbischof gebilligt", bedaure er zutiefst.

    Seit die Gründerin Traudl Wallbrecher 2016 starb, scheint die Organisation einen Großteil ihrer Lebenskraft eingebüßt zu haben, heißt es in dem Bericht der Herder-Korrespondenz. Betroffene fordern indes eine Aufarbeitung und eine öffentliche Stellungnahme des Münchner Erzbischofs Kardinal Reinhard Marx.

    Von den durch die Herder-Korrespondez angefragten Verantwortlichen der Gemeinde habe nur der Theologe Achim Buckenmaier geantwortet: Da die Gemeinde ihre Aktivitäten eingestellt habe, könne er sich "zu diesen Vorwürfen nicht mehr äußern".

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