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Ex-BKA-Chef und RAF-Fahnder Horst Herold ist tot | BR24

© pa / dpa / Heinz Wieseler

Horst Herold im Jahr 1974

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    Ex-BKA-Chef und RAF-Fahnder Horst Herold ist tot

    Er war eine Schlüsselfigur im Kampf gegen den RAF-Terror in den 1970er-Jahren: Horst Herold, der damalige Präsident des Bundeskriminalamtes. Jetzt ist er nach kurzer Krankheit im Alter von 95 Jahren gestorben.

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    Der aus Thüringen stammende Herold stand von 1971 bis 1981 an der Spitze des Bundeskriminalamts (BKA). In dieser Funktion wurde er zu einer Symbolfigur der Terrorismusbekämpfung in der Bundesrepublik der 1970er Jahre, er war als oberster Fahnder Gegenspieler der "Rote Armee Fraktion" (RAF), deren Anschläge und Entführungen damals Westdeutschland erschütterten. Unter Herolds Leitung wurde im Zuge der RAF-Ermittlungen das Konzept der Rasterfahndung entwickelt.

    Ende der 60er-Jahre Polizeichef in Nürnberg

    Herolds Familie war 1930 von Thüringen nach Nürnberg gezogen, nach dem Krieg studierte Herold bis 1951 an der Universität Erlangen Rechtswissenschaften. Herold war ursprünglich links orientiert und während seines Studiums Mitglied im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS). 1952 wurde er Gerichtsassessor bei der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth. 1953 erfolgte die Berufung zum Staatsanwalt. Sein Vorgesetzter war dort der Fernseh-Ratefuchs Hans Sachs. 1964 wurde Herold Chef der Nürnberger Kriminalpolizei, drei Jahre später Nürnberger Polizeipräsident.

    Der Vater der Rasterfahndung

    Von 1969 bis 1971 war Herold Mitglied einer Reformkommission zur Arbeit des Bundeskriminalamtes, am 1. September 1971 wurde er zum Präsidenten des BKA ernannt. Bis 1981 führte er im BKA zahlreiche Reformen durch, im Zuge des innenpolitischen Kampfes gegen den Terror der RAF wurde die Rasterfahndung eingeführt, die nach der Entführung Hanns Martin Schleyers durch die RAF im "Deutschen Herbst" 1977 fast zur Befreiung des Arbeitgeberpräsidenten geführt hätte. Der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt erinnerte sich später, Herold habe es verstanden, sich mit geradezu unheimlicher Präzision in das Denken der RAF-Terroristen hinein zu versetzen.

    "Der letzte Gefangene der RAF"

    Nach Meinungsverschiedenheiten mit dem damaligen Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) wurde Horst Herold 1981 in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. Weil sich die Polizei nicht in der Lage sah, Herold zu schützen, musste er danach seinen Wohnsitz von Nürnberg auf das Gelände einer damaligen BGS-Kaserne in Rosenheim verlegen. Dort lebte er auch als Pensionär. Ihm wird das Zitat "Ich bin der letzte Gefangene der RAF" zugeschrieben. Nach dem Tod seiner Frau kehrte er 2017 nach Nürnberg zurück.

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    • Der "Deutsche Herbst" des Terrors 1977
    Autor
    • Rüdiger Hennl
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