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Evangelische Kirche sieht Ankerzentren kritisch | BR24

© BR / Achim Winkelmann

Ankerzentrum Schweinfurt (Symbolbild)

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    Evangelische Kirche sieht Ankerzentren kritisch

    Der Oberkirchenrat der evangelischen Kirche in Bayern, Michael Martin, rät zu einer dezentralen Unterbringung von Flüchtlingen. In Ankerzentren dagegen seien die geflüchteten Menschen isoliert und Konflikte vorprogrammiert, kritisiert er.

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    Oberkirchenrat Michael Martin ist in der bayerischen Landeskirche für den Bereich Flucht und Asyl zuständig. Seiner Meinung nach sind Ankerzentren "sehr kritisch" zu sehen, wie er in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst sagt.

    Er rät zu einer dezentralen Unterbringung von Geflüchteten in kleineren Orten und mit viel Kontakt zu Menschen in ihrer Umgebung. So entstünden schnell zwischenmenschliche Beziehungen, die eine Integration vereinfachten.

    Konflikte seien unvermeidbar

    In Ankerzentren hingegen lebten die geflüchteten Menschen auf engem Raum zusammen. Manchmal auch mit Menschen, die in den Heimatländern befeindet gewesen seien. Konflikte seien in so einer Situation unvermeidbar, so Martin.

    Martin sieht vor allem bei Schulen und Handwerksbetrieben das Potenziell für Austausch zwischen den Menschen verschiedener Herkunft. Denn im Handwerk sei es schnell völlig egal, ob der tüchtige Lehrling ein Einheimischer sei oder aus Afghanistan stamme, sagt der Oberkirchenrat.

    💡 Was ist ein "Ankerzentrum"?

    Das Wort "Anker" steht für für An(kunft), k(ommunale Verteilung), E(ntscheidung) und R(ückführung). Um diese Aufgaben zu bewältigen, sollen mehrere Institutionen in den sogenannten Ankerzentren eng vernetzt miteinander arbeiten: Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf), die Bundesagentur für Arbeit, Jugendämter sowie Ausländerbehörden und Verwaltungsgerichte. Kurze Wege sollen Verfahren beschleunigen. Die Aufgaben werden gebündelt erfüllt.

    Zunächst wird die Identität der Flüchtlinge festgestellt. Nach der Altersbestimmung werden unbegleitete Minderjährige durch Jugendbehörden in Obhut genommen. Erwachsene bleiben in den „Anker-Einrichtungen“.

    Der Aufenthalt in den "Ankerzentren" soll in der Regel maximal 18 Monate dauern, bei Familien mit minderjährigen Kindern sechs Monate. Laut Koaltionsvertrag sollen nur noch diejenigen auf die Kommunen verteilt werden, für die eine positive Bleibeprognose bestehe. Alle anderen sollen aus den "Ankerzentren" in ihre Heimatländer zurückgeführt werden.

    Von
    • Judith Hilebrand
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