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Europawahl: Die Grünen auf Rekordhoch, SPD und CDU im Tief | BR24

© picture alliance/Kay Nietfeld/dpa

Grünen-Chefin Annalena Baerbock und die Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckard jubeln

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Europawahl: Die Grünen auf Rekordhoch, SPD und CDU im Tief

Zum ersten Mal bei einer bundesweiten Wahl lösen die Grünen die Sozialdemokraten als zweite Kraft ab. Vorn ist trotz deutlicher Verluste die Union. Spitzenpolitiker der GroKo-Parteien mahnen Konsequenzen an.

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Bei der Europawahl sind SPD und Union jeweils auf ihr schlechtestes EU-Ergebnis überhaupt abgestürzt. Die SPD landete erstmals bei einer bundesweiten Wahl deutlich unter der 20-Prozent-Marke und wurde von den Grünen klar überholt.

SPD-Chefin Andrea Nahles reagierte mit Bestürzung auf die historische Niederlage ihrer Partei: "Leider ist es uns nicht gelungen, das Ruder herumzureißen." Laut Hochrechnungen kommen die Sozialdemokraten auf nur etwas mehr als 15 Prozent. SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil mahnte in einer ersten Reaktion, das Ergebnis könne nicht ohne Folgen bleiben.

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SPD-Chefin Nahles reagierte mit Bestürzung auf die historische Niederlage ihrer Partei. Die Ergebnisse seien "extrem enttäuschend".

CDU verliert, CSU konstant

Die Union verliert mehr als sechs Prozentpunkte auf knapp 29 Prozent. Dabei zeigt sich aber ein zweigeteiltes Bild: Denn die Verluste gehen allein auf das Konto der CDU. Die CSU dagegen erreichte in Bayern ein ähnliches Ergebnis wie vor fünf Jahren von mehr als 40 Prozent, konnte auf Bundesebene aber sogar etwa einen Punkt zulegen, da die Wahlbeteiligung im Freistaat dieses Mal nicht so deutlich unter dem Bundesniveau lag wie 2014. Somit wird sich die Zahl der CSU-Europaabgeordneten wohl auch erhöhen (siehe Grafik unten).

Söder fordert Auseinandersetzung mit den Grünen

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer mahnte nach dem schlechten Abschneiden ihrer Partei eine bessere Arbeit der GroKo an. Diese habe "bei weitem nicht die Dynamik entwickelt und die überzeugenden Antworten gegeben", die die Bürger erwartet hätten, sagte sie in Berlin.

Auch der CSU-Vorsitzende Markus Söder sagte, die Ergebnisse seien "kein gutes Zeugnis" für die GroKo. Zudem forderte er ein strategisches Umdenken der Union: "Die große Herausforderung der Zukunft ist die intensive Auseinandersetzung mit den Grünen", sagte Söder im Bayerischen Fernsehen.

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Laut CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer hat die Union ihr Wahlziel bei der Europawahl erreicht. Man sei klar stärkste Partei in Deutschland geworden.

Grüne jubeln über Rekordergebnis bei der Europawahl

Die Grünen jubelten erstmals bei einer bundesweiten Wahl über einen Wert oberhalb der 20-Prozent-Marke - und den Aufstieg zur Nummer zwei hinter der Union. Parteichef Robert Habeck führte die deutlichen Zugewinne auf die Positionierung der Grünen in der Klimapolitik zurück. In der ARD sagte er: "Sicherlich hat die Klimafrage zum ersten Mal in einem bundesweiten Fall so eine dominante Rolle gespielt, dass die Zögerlichkeit der großen Koalition da negativ gewirkt hat."

AfD zweistellig

Die AfD verbesserte sich zwar auf einen zweistelligen Wert, blieb aber hinter ihren eigenen Erwartungen zurück. AfD-Chef Alexander Gauland sprach von einem "schwierigen Wahlkampf" für seine Partei. Die FDP legte gegenüber 2014 zwar zu, blieb mit mehr als fünf Prozent aber unter ihrem Bundestagsergebnis, die Linke verschlechtert sich auf ebenfalls auf gut fünf Prozent.

Freie Wähler hoffen auf mehrere Europaabgeordnete

Im Gegensatz zu Landtags- und Bundestagswahlen haben auch Kleinstparteien Chancen auf ein Mandat: Denn bei der Europawahl gibt es in Deutschland keine Sperrklausel. Die Freien Wähler verbesserten sich auf mehr als zwei Prozent und können hoffen, künftig mehrere statt bisher einer Abgeordneten zu stellen. Hochrechnungen zufolge können auch Piraten, Tierschutzpartei, Familienpartei, ÖDP, Die Partei, Volt auf ein oder mehrere Mandate hoffen.

Die Wahlbeteiligung hat auf etwa 60 Prozent (2014: 48,1 Prozent) stark zugelegt.

© BR/Infratest dimap

Hochrechnung zur Sitzverteilung

Europaweit bleibt die konsvervative Europäische Volkspartei, für die CSU-Vize Manfred Weber als Spitzenkandidat antrat, trotz Verlusten voraussichtlich stärkste Kraft: Laut einer Prognose des EU-Parlaments, die auf verfügbaren Wahlergebnissen, Nachwahlbefragungen, Schätzungen oder Wahlabsichtsbefragungen aus einzelnen Mitgliedstaaten beruht, kommt die EVP auf 23,04 (2014: 29,4) Prozent.

Zweitstärkste Fraktion wurden der Prognose zufolge die Sozialdemokraten mit 19,6 (25,4) Prozent, vor den Liberalen mit 13,6 (8,9) Prozent. Zulegen konnten wohl auch Grüne und die Rechtspopulisten.