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Was ist Gerechtigkeit? Oft eine abstrakte Frage. Das bayernweite Bildungs-Projekt #eurezeit will Jugendlichen das Thema deshalb greifbarer machen. Sie sollen dabei auch eine Stimme bekommen - gerade Jetzt, wo sie nicht wählen gehen können.

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#eurezeit: Was heißt "Gerechtigkeit" für Jugendliche?

Was ist Gerechtigkeit? Oft eine abstrakte Frage. Das bayernweite Bildungs-Projekt #eurezeit will Jugendlichen das Thema deshalb greifbarer machen. Sie sollen dabei auch eine Stimme bekommen - gerade Jetzt, wo sie nicht wählen gehen können.

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Von
  • Sebastian Kirschner
  • BR24 Redaktion

Was ist gerecht? Schaut man sich etwa Fridays for Future oder die Videos von Rezo an, dann fragen sich das derzeit vermutlich viele Jugendliche – gerade seit der Corona-Krise. War es zum Beispiel gerecht, dass Tausende im Fußballstadion jubelten, während für Schüler der Präsenzunterricht ausfiel? Oder ist die Klima-Krise gerecht? Das bayernweite Bildungs-Projekt #eurezeit will Jugendliche für Gerechtigkeit sensibilisieren.

Corona wirft die Frage der Gerechtigkeit auf

Praxisbeispiel in der Klasse 10d an der Oberland-Realschule Holzkirchen. Die Schülerinnen und Schüler haben jeder einen Gegenstand bekommen: etwa Schokolade, Stifte oder einen Olivenzweig. Doch nicht jeder ist zufrieden. Schnell wird ihnen klar, dass es Gerechtigkeit nicht immer und für jeden geben kann. Das Thema Gerechtigkeit interessiert sie aber auf jeden Fall.

Martina denkt dabei sofort an Corona, weil Kinder und Jugendliche nur dann ihre Freiheiten bekommen, wenn sie sich impfen lassen oder genesen sind. Viele empfinden das als eine indirekte Impfpflicht. Ungerecht? Oder: Wenn eine Frau ebenso gute Noten hat wie ein Mann, fragt sich Severine, ob es gerecht ist, wenn am Ende vielleicht doch der Mann den Job bekommt.

Gerechtigkeitsempfinden will gelernt sein

Im Rahmen des bayerischen Bildungsprojektes #eurezeit vom geht es darum, dass Jugendliche verstehen, was Gerechtigkeit überhaupt ist, sagt Birgit Boeser vom Projektträger Europäische Akademie Bayern. Weitere Fragen: Welche Ungleichheit bin ich bereit zu akzeptieren? Wie gerecht ist unsere Gesellschaft? Wie gerecht ist unsere Schule? Und dann sollen die Jugendlichen auch lernen, was sie tun können, wenn sie sich ungerecht behandelt fühlen.

Die Referentin in der Klasse 10d, Caroline Hosmann, will den Schülern und Schülerinnen die Möglichkeit geben, einerseits ihre Meinung zu sagen, andererseits sich aber auch eine Meinung zu bilden, indem sie anderen zuhören, aufmerksam sind, Dinge hinterfragen. Sie sollen lernen, gegebenenfalls auch einen Perspektivwechsel machen und ihre Meinung zu ändern.

Das gelingt hier in der Klasse sehr gut: Viele reagieren nachdenklich, als zum Beispiel eine Schülerin erzählt, dass sie ihren Berufswunsch aufgeben musste, weil es keine Ausbildungsplätze gibt.

Fähigkeit zur Gerechtigkeit ist Basis für faires Miteinander

Ziel von #eurezeit ist es letztlich auch, Grundlagen zu schaffen für ein faires Miteinander in der Gesellschaft. Dabei soll das Projekt auch die erreichen, die sonst bei politischer Bildungsarbeit eher durchs Raster fallen. Deswegen richtet sich #eurezeit auch gezielt an 13- bis 17-Jährige in Real- und vor allem Mittelschulen.

Klassenleiterin Carmen Dietz überzeugt das Konzept. Nach ihrer Erfahrung fühlen sich Schüler schnell mal ungerecht behandelt. Da neue Blickwinkel zu erleben, sei wichtig und eröffne ganz andere Impulse. Sie findet, einen solchen Reflexionsprozess sollte jede Klasse einmal machen, damit sie davon etwas in ihr privates Umfeld mitnehmen können.

Termin beim Kultusminister

Dabei ist die Unterrichtsstunde hier nur ein Vorgeschmack auf das eigentliche Projekt. In solchen Workshops, über die sozialen Medien und die website www.eurezeit.org wollen die Macher im Laufe des Herbstes erst einmal herausfinden, was die Schüler beim Thema Gerechtigkeit bewegt.

Ein erstes Zwischenergebnis werden sie am kommenden Mittwoch dem bayerischen Kultusminister vorstellen – und damit auf die Meinung der Jugendlichen aufmerksam machen. Im kommenden Jahr soll #eurezeit dann bayernweit an Schulen starten.

Und in der Praxis?

Doch auch heute schon hat die Klasse einiges dazugelernt: Martina etwa hat festgestellt, dass es eigentlich viel ungerechter zugeht, als sie gedacht hat: "Ich hab das nie so krass wahrgenommen, wie ich es ab heute wahrnehmen werde." Und Severine hat verstanden, dass es halt viele Nachteile gibt für Menschen, die man vorher gar nicht wahrgenommen hat. Jetzt weiß sie, dass sie diesen Menschen auch helfen könnte.

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