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EU-Parlamentarier fordern mehr Lohngerechtigkeit | BR24

© picture alliance/Philipp von Ditfurth/dpa

EU-Parlamentarier fordern mehr Lohngerechtigkeit

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    EU-Parlamentarier fordern mehr Lohngerechtigkeit

    Nach wie vor erhalten Frauen in der EU im Vergleich zu Männern niedrigere Löhne. Das geschlechtsspezifische Lohngefälle liegt insgesamt bei 16 Prozent, wobei zwischen den Mitgliedstaaten große Unterschiede bestehen.

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    Die Probleme sind bekannt, doch die Maßnahmen zu mehr Gerechtigkeit auf europäischer Ebene lassen auf sich warten. Die Europaabgeordneten appellieren daher eindringlich an die neue EU-Kommission. Maria Noichl, Abgeordnete der sozialdemokratischen Fraktion fordert: "Wir müssen jetzt endlich europaweit handeln und fordern daher rechtlich verbindliche Maßnahmen, die Gehälter und Gehaltsstrukturen transparent und somit vergleichbar machen. Wenn Betriebe Frauen schlechter bezahlen als Männer, dann müssen sie endlich auch Strafzahlungen leisten."

    Das geringste Lohngefälle gibt es in Belgien, Italien, Luxemburg, Polen, Rumänien und Slowenien. Hier liegt der Unterschied bei unter zehn Prozent. Größeren Spielraum nach oben gibt es in Tschechien, Deutschland, Estland und Großbritannien mit einer Lücke von rund zwanzig Prozent.

    Beschäftigungsverhältnis ausschlaggebend

    Doch ein niedriges Lohngefälle zwischen Männern und Frauen bedeutet nicht zwangsläufig, dass es mehr Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern gibt. Der Grund liegt im Beschäftigungsverhältnis. Oftmals scheinen Frauen nämlich gar nicht in der Arbeitsmarktstatistik auf, da sie zuhause Betreuungs- und Pflegepflichten ausüben. Oder sie werden für Tätigkeiten im Niedriglohnsektor schlecht und unregelmäßig bezahlt.

    Angelika Niebler, Abgeordnete der EVP-Fraktion fordert: "Ich bin für Wahlfreiheit - jede Familie soll selbst entscheiden, wie sie ihr Familienleben gestaltet, wer arbeiten geht; aber es muss ohne Probleme möglich sein, wieder in den Beruf zurückzukehren."

    Die Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt spiegeln sich auch in den Unternehmenshierarchien wieder: Nur jede zehnte Frau hat einen Vorstandsjob. Henrike Hahn, Abgeordnete Fraktion Bündnis 90/Die Grünen ist der Meinung: "Wir brauchen einen europäischen Mindestlohn und mehr Frauen in Firmenvorständen und Aufsichtsräten. Und schon bei der Ausbildung von Frauen muss verstärkt gegen vermeintliche geschlechtsspezifische Stereotypen gekämpft werden, die eben auch ganz deutlich zu Einkommensunterschieden führen können."

    Kommission wird aktiv

    Die Chancen, dass bald etwas geschieht, stehen nicht schlecht, denn mit Ursula von der Leyen steht erstmals selbst eine Frau an der Spitze der EU-Kommission. Die Gleichstellungsstrategie wurde bereits als Verpflichtung in den politischen Leitlinien für 2019-2024 verankert.

    Und es gibt eine erste Messlatte: Die neue Kommissarin für Gleichstellung, Helena Dalli, kündigte konkrete Maßnahmen zur Einführung rechtsverbindlicher Maßnahmen zur Transparenz des Arbeitsentgelts während der ersten 100 Tage der Amtszeit dieser neuen Kommission an. Eine entsprechende Entschließung soll Ende Januar im Europaparlament zur Abstimmung gestellt werden.