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Plastikmüll an Mittelmeerstrand
© dpa-Bildfunk/Marwan Naamani

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Stephan Ueberbach
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Plastikmüll an Mittelmeerstrand

Vor allem für die Meere ist der Plastikmüll eine lebensbedrohliche Gefahr. Fische, Vögel, Schildkröten - viele Tiere verenden daran qualvoll, denn 30 Millionen Tonnen Plastikabfälle landen jedes Jahr im Meer. Auf den Ozeanen treiben 140 Millionen Tonnen, ein ganzer Kontinent aus Müll. Und ein ganz großes Problem, auch aus Sicht der europäischen Politik. Die irische Abgeordnete Lynn Boylan von der Sinn-Féin-Partei sagte nun im EU-Parlament in Straßburg:

"Wir sind alle entsetzt über die Bilder von all dem Plastik in den Meeren, und wir werden uns bewusst darüber, welche Konsequenzen die Wegwerf-Gesellschaft hat, in der wir leben. Als Gesetzgeber können wir jetzt ambitionierte Regeln beschließen, um diese Plastikkrise zu beenden. Und was wirklich großartig ist: Die Bürger stehen in dieser Sache hinter uns." Lynn Boylan, Europa-Abgeordnete, Sinn Féin

Mikroplastik in der Nahrungskette - bis zum Menschen

Kein Wunder: Schließlich geht es schon längst auch um die Gesundheit. Denn viele Kunststoffe verrotten nicht, auch nicht nach Jahrzehnten, sondern zerfallen in immer kleinere Teilchen, die dann als Mikroplastik in der Nahrungskette landen. Forscher in Österreich haben in dieser Woche zum ersten Mal Plastik in menschlichen Körpern nachgewiesen.

"Die Fische fressen das Plastik, die Menschen essen die Fische - dieser Kreislauf ist sehr unheilsam und muss durchbrochen werden." Jo Leinen, Europa-Abgeordneter, SPD

Feste Recyclingquoten für Plastik kommen

Es gibt aber auch ein wirtschaftliches Argument: Einwegverpackungen aus Plastik werden zum Großteil nämlich nicht recycelt. Eine Verschwendung von Geld und von Rohstoffen, finden Parlamentarier wie der deutsche CDU-Mann Karl-Heinz Florenz.

"Wenn die Industrie nicht endlich versteht, dass sie Kontakt mit den Recyclern aufnehmen muss, wie man ein Produkt entwickelt, das man nachher auch wieder auseinander nehmen kann - wenn dieses Bewusstsein nicht langsam aber sicher Platz greift, werden wir die Recycling-Ziele nicht erreichen." Karl-Heinz Florenz, Europa-Abgeordneter, CDU

Und diese Ziele will das Europaparlament deutlich nach oben schrauben. Feste Recyclingquoten sollen kommen, zum Beispiel für Lebensmittelverpackungen aus Kunststoff. Oder für Zigarettenfilter, in denen Plastik steckt. Denn ein einziger Stummel kann tausend Liter Wasser verschmutzen.

Plastik-Hersteller müssen Säuberungen mitbezahlen

Außerdem sollen bis 2025 in ganz Europa 90 Prozent der Plastikgetränkeflaschen zur Wiederverwertung eingesammelt werden. Die Hersteller von Plastikprodukten müssen sich an den Kosten für das Säubern der Umwelt beteiligen. Das gilt auch für die Produzenten von Fischernetzen. Das "Aufregerthema" Luftballons ist dagegen weitgehend entschärft:

"Wir wollen nicht die Ballons verbieten, sondern nur die Haltestäbchen, die besonders oft als Müll an den Stränden landen." EU-Umweltkommissar Karmenu Vella

Umweltschützer fordern schärfere Regelungen

Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace gehen die Pläne nicht weit genug. Sie kritisieren vor allem, dass die Definition von Einwegplastik viel zu eng gefasst wird. Das findet auch die irische Abgeordnete Lynn Boylan.

"Wir machen das Ganze damit selbst zu einem Fehlschlag, der Begriff 'Einweg' muss in dem Gesetz glasklar beschrieben sein, ohne Schlupflöcher, die dann von der Industrie ausgebeutet werden." Lynn Boylan

Die Plastikproduzenten dagegen halten die Regeln für viel zu scharf. Sie befürchten erhebliche Verluste.

Als nächstes werden sich jetzt die europäischen Umweltminister mit den Plastikverboten befassen. Wenn sie sich dann mit der EU-Kommission und dem Europaparlament verständigen, können die Verbote wie geplant 2021 in Kraft treten.

#fragBR24💡Das Ende des Plastik-Trinkhalms?

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