BR24 Logo
BR24 Logo
BR24 - Hier ist Bayern

Weihnachtsdekoration in Nürnberg

Bildrechte: dpa-Bildfunk/Nicolas Armer
54
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

EU-Leitfaden wollte vom Wort "Weihnachten" abraten

Ein - inzwischen zurückgenommener - Sprachleitfaden der EU-Gleichstellungskommissarin Helena Dalli sorgt für große Aufregung. Denn er schlägt zum Beispiel vor, Worte wie "Weihnachten" oder "Maria" nicht zu gebrauchen. Nun wird das Werk überarbeitet.

Von
Matthias ReicheMatthias ReicheBR24  RedaktionBR24 Redaktion
54
Per Mail sharen

Ein Sprachleitfaden der EU-Gleichstellungskommissarin Helena Dalli sorgt für erhitzte Gemüter. Und das nicht nur in Brüssel, denn selbst im Vatikan ist man empört. Grund ist, dass in der inzwischen zurückgenommenen Richtschnur für diskriminierungsfreie Sprache in der Europäischen Kommission davon abgeraten wurde, Wörter wie Weihnachten oder Maria zu gebrauchen.

Nicht mehr "Meine Damen und Herren"?

EU-Vizepräsident Margaritis Schinas nimmt die Angelegenheit offensichtlich nicht besonders ernst. "Ich hoffe, sie hier in der Kommission noch mit Damen und Herren begrüßen zu dürfen", spöttelte er am Nachmittag zu Beginn einer Pressekonferenz.

In dem Sprachleitfaden war darauf hingewiesen worden, dass sich mit Damen und Herren möglicherweise nicht jeder angesprochen fühle. Kolleginnen und Kollegen würde da besser die Vielfalt in der EU-Kommission darstellen. Tatsächlich ging es der Gleichstellungskommissarin vor allem darum, rücksichtsvoller zu kommunizieren. So sollte man nicht von Behinderten sondern körperlich beeinträchtigen Menschen reden.

"Hanebüchene Regulierungswut"

Natürlich ist solch inklusive Sprache, die Vielfalt und Sensibilitäten spiegelt, auch auf europäischer Ebene sehr wichtig, sagt Martin Schirdewan, Fraktionschef der Linken im EU-Parlament. "Hanebüchene Regulierungswut" nennt er es aber, dass das Wort Weihnachten nicht benutzt werden sollte.

Da frage er sich, ob den "überbezahlten Kommissionsbeamten so kurz vor Weihnachten langweilig geworden ist", und es bleibe der Eindruck zurück, dass bei denen "nicht mehr alle Kerzen auf dem Schwibbogen leuchten".

Statt "Maria und Josef" lieber "Malika und Julio"

Tatsächlich ist EU-Kommissarin Dalli in den Augen vieler weit über das Ziel hinausgeschossen. Vor allem mit ihrer Empfehlung aus Rücksicht auf Nicht-Christen das Wort "Weihnachtszeit" zu vermeiden und statt der biblischen Namen Maria und Josef besser von Malika und Julio zu sprechen.

Die kulturpolitische Sprecherin der AfD im EU-Parlament, Christine Anderson, vermutet gar, dass der Leitfaden - unter dem Deckmantel der Kultursensibilität - die eigene Kultur abschaffen wollte. Sie nennt den Leitfaden der EU-Kommission eine "Anleitung zur Selbstverleugnung" und einen "Versuch der Kappung aller Traditions- und Identitätsstränge".

Für die Fraktionen rechts außen im EU-Parlament bestätigt das Papier alle Vorurteile von Brüsseler Bevormundung.

Weihnachten muss Weihnachten bleiben dürfen

Mit dem Leitfaden habe sich die Kommission keinen Gefallen getan, meint nicht nur Daniel Caspary, der Vorsitzende der CDU/CSU-Gruppe im EU-Parlament. Für ihn ist auch eher fraglich, ob es einen solchen Sprachleitfaden wirklich brauche.

Auf jeden Fall sei zu begrüßen, dass Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sofort um die Überarbeitung des Papiers bat. Schließlich herrsche in Europa Religionsfreiheit, und das bedeute nicht nur Toleranz anderen Religionen gegenüber, sondern auch, dass Christen ihr Weihnachtsfest und andere christlichen Traditionen leben und auch benennen dürfen.

Die Gleichstellungskommissarin hat ihre Leitlinien inzwischen zurückgezogen. Es handele sich um ein unausgereiftes Dokument, das eindeutig noch überarbeitet werden müsse.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

Schlagwörter