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EU-Leitfaden über den Antisemitismus in Europa | BR24

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Demo gegen Angtisemitismus

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    EU-Leitfaden über den Antisemitismus in Europa

    Um die vielen Dimensionen des Antisemitismus besser erkennen zu können, hat die EU-Kommission ein Handbuch veröffentlicht. Darin wird anhand praktischer Beispiele verdeutlicht, welche verschiedenen Facetten der jetzige Antisemitismus haben kann.

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    Von
    • Julia Smilga

    Benjamin Steinitz, Geschäftsführer des Bundesverbands Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus, RIAS e.V. ist Mitautor des soeben erschienenen Handbuchs der EU-Kommission zur praktischen Anwendung der Antisemitismus-Definition. Der Wortlaut dieser Definition wurde bereits 2005 von der "Internationalen Allianz zum Holocaust Gedenken" festgelegt. Steinitz fasst es so zusammen:  

    "Das Problem des Antisemitismus ist ein gesamteuropäisches Problem. Es gibt in jedem Land unterschiedliche Ausprägungen davon." Benjamin Steinitz, Autor

    Was ist Kritik, was Antisemitismus gegenüber Israel?

    Auch damit beschäftigt sich das neue Handbuch der europäischen Kommission. Anhand von 22 Vorfällen in verschiedenen europäischen Ländern wird genau das erklärt. Ein paar Beispiele: Im Mai 2016 bezeichnete ein Politiker im katalanischen Parlament den Präsidenten der jüdischen Gemeinde Barcelonas als fremden Agenten einer "zionistischen Lobby", welche die Agenda des Parlaments bestimmen würde.

    2017, nachdem die US-Botschaft in Israel von Tel Aviv nach Jerusalem verlegt wurde, griffen mehrere Personen mit Brandbomben eine Synagoge im schwedischen Göteborg an. Und im November 2020 bezeichnete der Direktor eines staatlichen Museums in Ungarn den Schoa-Überlebenden George Soros als "liberalen Führer", der Europa in eine "Gaskammer" verwandle und Menschen kontrolliere, als wären sie Bauern auf einem "weltweiten Schachbrett".

    Wichtige Handreichung

    Neben der Beschreibung solcher Beispiele präsentiert das EU- Handbuch auch 35 "Good-Practice-Bespiele" zur Erkennung und Bekämpfung von Antisemitismus in den Bereichen polizeiliche Arbeit, Bildung oder Sport. Für Michael Movchin ist es eine wichtige Handreichung. Er ist Vorsitzender des Verbands jüdischer Studenten in Bayern. Der 23 -Jährige sieht sich, vor allem in der letzten Zeit, oft mit blankem Judenhass konfrontiert.

    "Im Sommer hatte die Stadt München das Tragen von gelben Judenstern bei den Corona-Demos verboten, und das habe ich dann ausdrücklich begrüßt. Aber Judensterne mit der Beschriftung 'Ich bin nicht geimpft', sind vor einigen Tagen bei Facebook aufgetaucht. Zum Glück hat Facebook nach unserer Intervention in den letzten Tagen diesen angebotenen Sticker gelöscht." Michael Movchin

    Neue Form des Antisemitismus

    Dieser Missbrauch und die Relativierung der Shoah-Symbole sei eine neue Form des Antisemitismus, der laut widersprochen werden müsste, fordert der Geschäftsführer von RIAS Berlin, Benjamin Steinitz.

    "Man mag in der aktuellen Situation sagen - ja, das sind ja ewig Gestrige, die haben es nicht verstanden. Aber jedes dieser Zeichen, was unwidersprochen sichtbar wird und durch die Medien aufgegriffen wird, trägt eventuell dazu bei, dass sich eine Gesellschaft an solche Formen gewöhnt." Benjamin Steinitz, Autor   

    Praktische Hilfe

    Dass das neue Handbuch der EU-Kommission und der RIAS Berlin den jahrhundertealten Judenhass nicht aus der Welt schaffen kann, das ist Benjamin Steinitz klar. Eine praktische Hilfe und ein wesentlicher Schritt bei Bekämpfung des Antisemitismus in Europa sei es dennoch.

    "Die gesamtgesellschaftliche Entwicklung wird immer wieder solche Wellen zeigen. Und dieses Handbuch wird diese Wellen nicht stoppen. Aber dieses Handbuch wird Menschen sensibilisieren, wie sie damit umgehen können." Benjamin Steinitz

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