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Christiane Woopen, Ethikrat (Archivbild)

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    EU-Ethikrat: Woopen kritisiert Erleichterungen für Geimpfte

    Die Vorsitzende des Europäischen Ethikrates, Christiane Woopen, hat die seit Sonntag geltenden Erleichterungen für Genesene und Geimpfte in der Corona-Pandemie kritisiert. Der Schritt bedinge eine Ungerechtigkeit, sagte Woopen der ARD.

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    • BR24 Redaktion

    Die Medizinethikerin Christiane Woopen sieht Versäumnisse der Politik bei der Rückgewinnung von Freiheiten für Genesene, voll Geimpfte und Getestete. "Wenn es jetzt wirklich auf den Grundrechteschutz des einzelnen in dieser Schärfe ankommt, wie es derzeit angesprochen wird, dann hätten wir schon seit über einem Jahr ganz andere Debatten führen müssen", sagte sie im "ARD-Morgenmagazin".

    Hier gebe es "schwierige Abwägungen", sagte Woopen. Die Öffnung von Freiheiten für bestimmte Gruppen bedinge eine "Ungerechtigkeit", gab Vorsitzende des Europäischen Ethikrates zu bedenken. "Wenn jetzt diese Debatte unter dem Stichwort Neid geführt wird, dann ist das irreführend."

    Woopen: Politik muss Strategien entwickeln

    E liege in der Verantwortung der Politik, allen Menschen zu ermöglichen, ihre Grundrechte wieder auszuüben. So müsse schon jetzt in den Blick genommen werden, dass die inzwischen Geimpften irgendwann neuen Impfschutz brauchten. Das könne sich überlappen mit jenen, die noch nicht vollständig geimpft sind. "Dafür würde ich der Politik anraten, dringend eine Strategie zu entwickeln", sagte Woopen.

    Nicht alle können sich impfen lassen

    Auch Menschen, die einen negativen PCR-Test vorlegen könnten, müssten für die Zeit seiner Geltung die gleichen Freiheiten erhalten wie Geimpfte oder Genesene. Dabei verwies sie auf Probleme mancher Covid-19-Genesener, die nach mehr als sechs Monaten noch so hohe Antikörper aufweisen, dass ihnen Ärzte von einer Impfung abraten: "Die fallen in ein Loch", so Woopen. "Die gelten nicht mehr als die Bevorteilten, haben aber auch keinen Zugang zu einer Impfung, weil sie durch ihre eigenen Antikörper dafür nicht in Frage kommen. Da gibt es noch sehr viel Bedarf an Nachjustierung", sagte die Wissenschaftlerin.

    Derzeit bestehe noch "eine epidemische Lage nationaler Tragweite", bei der der Staat in bestimmte Rechte eingreifen könne. Um aus dieser Situation herauszukommen, gebe es ihrer Ansicht nach nur eine Möglichkeit: "Wir müssten die Inzidenzen jetzt wirklich runterkriegen, um dann für alle eine stabile Situation herzustellen", forderte Woopen.

    Ethikrat: Aufpassen, damit Spannung nicht zur Spaltung wird

    Auch der Deutsche Ethikrat warnt angesichts der Aufhebung von Corona-Auflagen für Geimpfte und Genesene vor einer sozialen Spaltung. Kinder, Jugendliche, Auszubildende und Studenten hätten "einen doppelten Nachteil", denn sie seien nicht geschützt und dürften weniger, sagte die Ethikratsvorsitzende Alena Buyx den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Man müsse deshalb aufpassen, dass "die Spannung nicht zur Spaltung wird".

    Geimpfte dagegen haben den doppelten Vorteil: Sie sind geschützt und dürfen mehr. "Wir haben also ein echtes Solidaritäts- und Gerechtigkeitsproblem in unserer Gesellschaft und wir erleben eine soziale Spannung."

    Mit Material von KNA

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