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Ethikrats-Vorsitzende fordert Sanktionen für Impf-Verstöße | BR24

© BR/Sabine Winter

Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Alena Buyx, hat sich dafür ausgesprochen, Verstöße gegen die Impfverordnung zu sanktionieren. Es brauche aber auch einen Mechanismus, um übrig gebliebene Dosen zu verimpfen, so Buyx im B5-Interview der Woche.

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Ethikrats-Vorsitzende fordert Sanktionen für Impf-Verstöße

Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Alena Buyx, hat sich dafür ausgesprochen, Verstöße gegen die Impfverordnung zu sanktionieren. Es brauche aber auch einen Mechanismus, um übrig gebliebene Dosen zu verimpfen, so Buyx im B5-Interview der Woche.

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Von
  • Martin Jarde
  • Sabine Winter

Nach der Diskussion über so genannte Impf-Drängler brauche es einen guten Mechanismus, um künftig übrig gebliebene Dosen sinnvoll zu verimpfen – und zwar möglichst innerhalb der gleichen Priorisierungsgruppe. Das sagt die Professorin für Medizinethik und Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Alena Buyx, im B5 Interview der Woche. Sie hält den Einsatz von Telefonlisten für sinnvoll.

"Man ruft zum Beispiel noch in einem Altenheim oder in einem Krankenhaus an und fragt: Habt Ihr noch Leute oder Beschäftigte, die normalerweise erst in zwei Wochen einen Termin haben? Dann schickt sie vorbei, sie bekommen schneller einen Termin." Alena Buyx

Sanktionen bei problematischen Fällen von Impf-Dränglerei

Gelinge es nicht, den übrig gebliebenen Impfstoff innerhalb der gleichen Priorisierungsgruppe zu verimpfen, könne man auf die nächste Gruppe zugehen. Insgesamt dürfe man in der derzeitigen Knappheit keinen Impfstoff wegwerfen, so Buyx. Gleichzeitig sprach sie sich erneut dafür aus, Verletzungen der geltenden Impfverordnung zu sanktionieren.

Manche der bekannt gewordenen Fälle seien weniger problematisch, manche sehr problematisch, sagt Buyx: "Wenn sich nicht bemüht wurde, diese übrig gebliebenen Impfdosen innerhalb der Priorisierungsgruppe oder zumindest in der nächsten Gruppe zu verimpfen, oder wenn gar bewusst mehr bestellt wurde, um herbeizuführen, dass Impfdosen übrig bleiben, dann ist das eine eklatante Verletzung der geltenden Impfverordnung."

Einschränkungen vorerst auch für Geimpfte

Bevor nicht klar sei, ob Geimpfte andere Menschen noch anstecken können, sollten die staatlichen Einschränkungen weiterhin für alle gelten, so die Medizinethikerin. Sollte jedoch klarer werden, dass geimpfte Menschen niemanden mehr anstecken, "müsste man tatsächlich darüber nachdenken, dass für diese geimpften Menschen" stärkere Freiheitseinschränkungen aufgehoben werden.

Um Empfindungen von Ungerechtigkeit zu vermeiden, sollte man denjenigen, die bis dahin noch nicht geimpft werden konnten, Tests zur Verfügung stellen, sagt Buyx. "Insgesamt gehen wir aber davon aus, dass zu dem Zeitpunkt, zu dem wir sicherer wissen, ob Geimpfte noch ansteckend sind, die eingriffstieferen Maßnahmen für uns alle bereits aufgehoben werden können."

Corona-Mutationen bereiten Buyx Sorge

Auf die Ausbreitung der Virus-Mutationen blickt die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats mit Sorgen. "Wir haben die Zahlen alle gemeinsam so gut runtergebracht. Es wäre jetzt wirklich sehr bedauerlich, wenn wir da in eine Seitwärtsbewegung oder gar wieder in einen Aufwärtstrend kämen", sagt Alena Buyx im B5- Interview der Woche. "Aber jetzt sind wir da an einem ganz kritischen Punkt. Und ich hoffe einfach, dass uns diese Mutanten nicht überrollen. Das wäre wirklich fatal."

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