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Ethikrat diskutiert das Recht auf assistierte Selbsttötung | BR24

© Picture alliance/zoonar

Assistierter Suizid ist erlaubt in Deutschland

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    Ethikrat diskutiert das Recht auf assistierte Selbsttötung

    Das Bundesverfassungsgericht hat im Februar entschieden: Wer nicht mehr leben will, hat in Deutschland das Recht auf assistierten Suizid. Der Deutsche Ethikrat berät über das Thema und welche Regelungen es in Zukunft bräuchte.

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    Irma Pohl konnte ihrem Freund nicht mitteilen, was los ist - er rief den Rettungswagen. 13 Jahre ist ihr Schlaganfall jetzt her, erzählt sie: "Ich bin vom Schlafzimmer hierhergekommen, etwas wacklig, ich konnte nicht mehr sprechen und habe versucht zu schreiben, aber es ging auch nicht mehr." Die Folgen: Sie musste das Sprechen wieder neu erlernen – noch heute klingt ihre Aussprache ein bisschen nach einem ausländischen Akzent. Ihre Fremdsprachenkenntnisse, Englisch und ein bisschen Französisch, hat sie hingegen komplett verloren.

    Irma Pohl sagt: "Wenn man sowas erlebt hat, weiß man, wie abhängig und unselbstständig man wird." Wenn ihr wieder einmal etwas passieren sollte, will die 70-jährige Münchnerin selbst entscheiden, ob sie in dieser Situation weiterlebt oder ihrem Leben ein Ende setzt.

    Aktive Sterbehilfe ist in Deutschland verboten

    Und das ist ihr gutes Recht, so das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom vergangenen Februar. Irma Pohl dürfte sich sogar von Angehörigen, Ärzten oder einem Sterbehilfeverein bei einer Selbsttötung helfen lassen – Stichwort: assistierter Suizid. Den Akt vollziehen müsste sie allerdings selbst – denn die "aktive Sterbehilfe", wie es sie in den Beneluxstaaten gibt, ist in Deutschland weiterhin verboten.

    Außerdem müsste sichergestellt sein, dass sie die Entscheidung eigenverantwortlich trifft und nicht etwa von psychischen Erkrankungen wie einer Depression beeinflusst ist. Nach der Aufhebung des Verbots der sogenannten "geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung" haben Sterbehilfeorganisationen ihre Arbeit wiederaufgenommen und auch Ärzte haben jetzt mehr Rechtssicherheit, so die Professorin Johanna Anneser, Palliativmedizinerin am Klinikum Rechts der Isar in München. Sie sagt: "Es ist jetzt klar: Beihilfe zum Suizid ist straffrei. Das war tatsächlich vorher unklar."

    Ein bis zwei Anfragen von Patienten in der Woche

    Fragen, die sich heute nicht mehr stellen. Seit das Thema kein Tabu mehr ist, kommen wöchentlich ein bis zwei Anfragen von Patienten im Klinikum - in der Regel allerdings ohne akuten Todeswunsch. Doch Johanna Anneser merkt, "dass Patienten häufiger dieses Thema ansprechen, mit einer größeren Offenheit. Früher hat man gemerkt, dass Gedanken da waren: Bringe ich meinen Arzt in Schwierigkeiten, wenn ich nach der Möglichkeit eines unterstützten Suizids frage?"

    Es stellen sich noch viele Fragen

    Die Durchführung eines assistierten Suizids ist hierzulande trotzdem schwierig. Die Medikamente, die den Tod herbeiführen und zum Beispiel im US-Bundesstaat Oregon beim assistieren Suizid erprobt sind, sind in Deutschland nicht zugelassen. Da fehlen gesetzliche Regelungen. Ungeklärt ist auch die Frage, wie ein Arzt oder ein Verein mit Personen umgeht, die nach einem assistierten Suizid fragen, so Professor Helmut Frister, Mitglied im Deutschen Ethikrat: "Es muss auch geklärt werden, wer Beihilfe zur Selbsttötung überhaupt leisten kann. Es gibt Vorschläge, das im Wesentlichen auch auf Ärzte zu beschränken."

    Daneben soll bei den Ethikratssitzungen heute und insbesondere beim zweiten Termin im Dezember auch auf die Gründe geblickt werden, warum sich Menschen das Leben nehmen möchten.

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