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Medizinethikerin Prof. Christiane Woopen

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    Ethikerin: Mehr Corona-Impfstoff für Entwicklungsländer

    Die Medizinethikerin Christiane Woopen fordert von den G7 Staaten im Kampf gegen Corona mehr Bereitschaft bei der Vergabe von Impfdosen an Entwicklungsländer. Auch wenn Deutschland im Vergleich weitaus freigiebiger sei.

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    Von
    • Johannes von Creytz

    Die ehemalige Vorsitzende des europäischen Ethikrates, Christiane Woopen, lobt die Bundesregierung für ihre Unterstützung ärmerer Regionen dieser Welt mit Corona-Impfstoff. Die Professorin für Ethik und Theorie der Medizin sagte im Gespräch im Bayern 2 Notizbuch, mit 30 Millionen Impfstoffdosen sei Deutschland sehr weit vorne in dieser Hilfe. Gleichzeitig hält sie die von den G7 Staaten zugesagten Mittel von 870 Millionen Impfdosen für Covax insgesamt aber noch für viel zu gering.

    So habe die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bis September einen Bedarf von einer Milliarde Impfdosen in den ärmeren Regionen Afrikas, Asiens, Ozeaniens, Südamerikas und Europas angemeldet. Es seien nur etwa ein Prozent der Menschen dort überhaupt einmal geimpft. Auf die kommenden Jahre gerechnet könnte sich die Zahl benötigter Impfdosen in den Entwicklungsländern noch verdoppeln, so Woopen.

    Christiane Woopen gegen Freigabe von Impfstoffpatenten

    Die Medizinethikerin hält es deshalb für wichtig, Vorschläge, wie den des Bundesentwicklungshilfeministers Gerd Müller, zu unterstützen. Der Minister wirbt dafür, in Entwicklungsländern Produktionskapazitäten für Impfstoffe aufzubauen, aus denen sich die dortigen Gesundheitssysteme versorgen können.

    Die von vielen geforderte Freigabe der Impfstoffpatente hält sie nicht für die richtige Lösung. Lizenzen an ärmere Länder zu vergeben ist ihrer Meinung der bessere Weg. Es sei viel wichtiger, den Staaten beim Aufbau verlässlicher Produktionskapazitäten und -kompetenzen zu helfen und völkerrechtliche Instrumente zu schaffen, die eine gerechte Verteilung von Impfstoff auf unserem Planeten regeln könnten.

    Alle Kulturen und Schichten mitnehmen

    Für die Medizinerin und Philosophin Woopen ist es zwar verständlich, dass nationale Politiker bei der Verteilung von Impfstoff zuerst an ihre Länder denken.

    Global gesehen könne man aber nicht die Augen davor verschließen, dass die soziale Schere durch die Pandemie weltweit noch mal mehr auseinandergehe. Woopen fordert einen interdisziplinären Pandemierat auf internationaler Ebene, der neben den medizinischen auch die wirtschaftlichen und sozialen Aspekte der Pandemie berücksichtigt. Und sie sagt, man müsse sich weltweit über eine klare, transparente und Zielgruppengerechte Kommunikation Gedanken machen, damit das Geschehen in der Pandemie in jeder Sprache, sozialen Schicht und Kultur verstanden wird.

    Corona verstärkt die Armut der sowieso schon Armen

    Christiane Woopen ist überzeugt, wenn sich eine Gruppe von führungsstarken Persönlichkeiten auf internationaler Ebene zusammentun würde, könne man aus den tragischen Folgen der Pandemie viel für zukünftige globale Aufgaben lernen.

    Sie schätzt, dass bis nächstes Jahr bis zu 150 Millionen Menschen durch die Pandemie in schwere Armut kommen werden, zusätzlich zu denen, die ohnehin in Armut leben. Diese Menschen werden mit großen wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Problemen ihre Zukunft gestalten müssen und sich daran erinnern, wer ihnen geholfen hat und wer nicht.

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