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"Estonia"-Prozess: Keine weitere Entschädigung für Betroffene | BR24

© BR/Kai Schlüter

Die Ostsee-Fähre "Estonia" war im September 1994 gesunken, seitdem hofften mehr als 1.000 Überlebende und Hinterbliebene auf Schadensersatz. Ein französisches Gericht wies nun Entschädigungsansprüche zurück.

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"Estonia"-Prozess: Keine weitere Entschädigung für Betroffene

Die Ostsee-Fähre "Estonia" war im September 1994 gesunken, seitdem hofften mehr als 1.000 Überlebende und Hinterbliebene auf Schadensersatz. Ein französisches Gericht wies nun Entschädigungsansprüche zurück.

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Knapp 25 Jahre nach dem Untergang der Ostseefähre "Estonia" hat ein französisches Gericht Entschädigungsansprüche von mehr als 1.000 Überlebenden und Opferangehörigen zurückgewiesen. Die Kläger hatten gut 40 Millionen Euro Schadenersatz gefordert. Sie hätten kein grobes oder vorsätzliches Fehlverhalten der Papenburger Meyer Werft und der französischen Prüfungsstelle Bureau Veritas nachweisen können, begründete das Gericht in Nanterre seine Entscheidung.

Der Untergang der "Estonia" ist das größte Schiffsunglück der europäischen Nachkriegsgeschichte. 852 Menschen kamen dabei ums Leben. Die Ostseefähre mit 989 Menschen an Bord war in der Nacht zum 28. September 1994 bei der Überfahrt von Tallinn nach Stockholm gesunken.

Das Schiff war Anfang der 1980er-Jahre bei der Meyer Werft in Papenburg vom Stapel gelaufen, der Schiffs-TÜV Bureau Veritas hatte es als seetüchtig eingestuft.

Jahrelange Suche nach Ursache

Nach der Ursache der Katastrophe wurde jahrelang gesucht. Eine Untersuchung im Jahr 1997 hatte ergeben, dass die Schließvorrichtungen der Bugklappe zu schwach waren. Deshalb riss die Klappe während der Fahrt der "Estonia" bei hohem Wellengang ab, wodurch Wasser über die Fahrzeug-Bugrampe rasch ins Innere dringen konnte. Das Schiff sank innerhalb einer halben Stunde. Die Meyer Werft und die Schiffsprüfer bestritten jedoch eine Mitverantwortung.

Die Überlebenden machten unter anderem Todesangst und andere psychische Probleme geltend. "Dieses Schiff war nicht fahrtüchtig", sagte einer der Anwälte der Kläger bei der zweitägigen Gerichtsverhandlung im April. "Aber niemand hat seine Arbeit gemacht."

Reederei zahlte 130 Millionen Euro

Die damalige schwedisch-estnische Reederei EstLine zahlte nach dem Unglück 130 Millionen Euro Entschädigung. Die Überlebenden und Angehörigen der Opfer pochten aber auf weitere Aufklärung und Wiedergutmachung für psychische Schäden.

Schon in den Jahren nach dem Untergang strengten sie Zivilklagen gegen die Meyer Werft an. Dabei ging es auch um eine Mitschuld von Bureau Veritas. Der Gang durch die französischen Instanzen dauerte mehr als 20 Jahre. Das Verfahren fand nun im Pariser Vorort Nanterre statt, da das Bureau Veritas dort seinen Sitz hat.

Die "Estonia" liegt rund hundert Kilometer vor der finnischen Küste in 85 Meter Tiefe auf Grund. Die skandinavischen Behörden verweigerten eine Bergung der Fähre, die eine genauere Untersuchung ermöglicht hätte. Tauchgänge zur Fähre sind bis heute verboten.

Mit der heutigen Entscheidung bleibt die Schuldfrage auch fast 25 Jahre nach dem Unglück ungeklärt.