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ESC 2019: Tel Aviv zwischen Feier- und Krisenstimmung | BR24

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Israel bereitet sich auf den ESC vor - doch die Rahmenbedingungen sind schwierig: Der Streit in der israelischen Politik. Der Konflikt mit der Hamas im Gazastreifen. Boykottaufrufe der BDS-Bewegung.

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ESC 2019: Tel Aviv zwischen Feier- und Krisenstimmung

Der Eurovision Song Contest findet dieses Jahr in Israel statt. Für das kleine Land geht es um viel Prestige. Doch einiges bedroht die Harmonie: Proteste, dass am Schabbatt gearbeitet wird, Boykottaufrufe und die jüngste Eskalation am Gazastreifen.

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Die Vorbereitungen zum Eurovision Song Contest im Messezentrum von Tel Aviv wirken beinahe idyllisch: Fans genießen in Liegestühlen die Sonne, aus den Lautsprechern tönt Abba - die ESC-Gewinner von 1974.

Dabei erlebte die Region am Wochenende die schwerste Eskalation zwischen der Hamas im Gazastreifen und Israel seit fünf Jahren. Über 600 Raketen hatten militante Palästinenser abgefeuert; allerdings nicht auf den Großraum Tel Aviv. Die Bewohner der Stadt hoffen, dass die Waffenruhe mit der Hamas hält.

Der ESC ist Zeichen der Normalität für die Einwohner

"Ich bin froh, dass der ESC zu uns kommt", sagt ein Israeli, Anfang 40. "Das wird Spaß machen. Der ESC in Tel Aviv bedeutet, dass wir so sind, wie jeder andere Ort auch. Zumindest wollen wir das glauben. Dass wir den Wettbewerb wie andere Länder ausrichten können. Das viele Leute kommen und eine gute Zeit haben."

Als die Israelin Netta Barzilai im vergangenen Jahr den ESC gewann, waren viele Israelis begeistert. Israel: Ein kleines Land, dass im Nahen Osten auch 71 Jahre nach der Staatsgründung weitgehend isoliert ist. Der Blick vieler Israelis ist in Richtung Europa gerichtet. Und nun kommt Europa nach Israel; mit der vielleicht wichtigsten Samstagabendshow der Welt.

Viele Fans freuen sich auf Tel Aviv

Tausende Fans werden in Tel Aviv erwartet. Benjamin Hertlein ist schon da. Der Deutsche ist Fan und Blogger. Er hat seit zehn Jahren kaum einen ESC verpasst. In Israel fühlt er sich wohl. Aber auch für ihn ist das kein Song Contest wie jeder andere.

"Wenn man weiß, das liegt irgendwie in einer Krisenregion oder einem Land, das mit einem anderen im Krieg ist, so wie das zum Beispiel auch vor zwei Jahren in Kiew war: Dann ist das natürlich nicht "business as usual"." Benjamin Hertlein, Blogger

Dennoch freue er sich, in Tel Aviv zu sein, sagt der deutsche Blogger. Bei vielen ESC-Fans komme die Stadt gut an: "Es gibt da schon eine große Überschneidung mit der Gay-Community mit Tel Aviv als eine der Gay-Hauptstädte der Welt. Da haben sich schon viele gefreut, dass wir hier hinfahren."

Proteste gegen Arbeiten am Schabbat

Und nicht nach Jerusalem. Die Stadt war der Wunschkandidat der israelischen Regierung, sie ist religiöser und konservativer als Tel Aviv. Im liberalen Tel Aviv wird für den ESC auch am jüdischen Feiertag Schabbat gearbeitet. Das geht nicht anders, weil das Finale an einem Samstagabend stattfindet. Bei vielen ultra-orthodoxen Juden sorgt das jedoch für Entrüstung. Und so unterbrach eine ultra-orthodoxe Partei sogar die aktuellen Koalitionsverhandlungen mit dem Likud von Premierminister Benjamin Netanjahu.

Boykottaufrufe und politische Konflikte begleiten den Song Contest

Der Streit in der israelischen Politik. Der Konflikt mit der Hamas im Gazastreifen. Boykottaufrufe der BDS-Bewegung. All das könnte die gewollte Harmonie während des Eurovision Song Contest stören. Die Veranstalter hoffen daher, dass diese Themen so schnell wie möglich in den Hintergrund rücken. Auf dem Twitter-Account des Wettbewerbes werden sie schlicht nicht erwähnt.