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Berlin: Bischof Heiner Koch kommt zum letzten Gottesdienst in der St. Hedwigs-Kathedrale
© dpa/pa/Lisa Ducret
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Berlin: Bischof Heiner Koch kommt zum letzten Gottesdienst in der St. Hedwigs-Kathedrale

"Ich empfinde Scham, dass Taten verschleiert und Täter nicht angemessen zur Rechenschaft gezogen wurden, dass das Ansehen der Kirche über den Schutz der Opfer gestellt wurde", so Erzbischof Heiner Koch in einem Gastbeitrag für die Boulevardzeitung "B.Z.". Er appellierte an Betroffene und alle, denen Vorwürfen von sexuellem Missbrauch zu Ohren kämen, sich zu melden. Es gehe darum, "eine Kultur der Achtsamkeit und des Hinsehens zu erreichen".

Auch Mainzer Bischof fordert, den Zölibat zu überdenken

Zuvor hatte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf dafür plädiert, die Pflicht zur Ehelosigkeit für katholische Priester zu überdenken. Für ihn sei der Zölibat kein Tabuthema, sagte der Bischof im SWR. Der Passauer Stefan Oster erklärte demgegenüber, er sehe keine Notwendigkeit, grundsätzlich über den Zölibat zu diskutieren.

Passauer Bischof Oster: Zölibat "nicht das eigentliche Problem"

Die Ergebnisse der Missbrauchsstudie hätten deutlich gemacht, dass der Zölibat "nicht das eigentliche Problem" sei, sagte er im ZDF. Das Problem liege vielmehr darin, dass die Lebensform und das System der katholischen Kirche immer wieder Menschen angezogen habe, die "womöglich sexuell unreif sind und ein Problem haben und hoffen, es in der Kirche in einer solchen Struktur verdrängen zu können, sich dem nicht stellen zu müssen", sagte Oster. Diese "unreife Disposition" in Kombination mit dem Zölibat habe womöglich Übergriffe begünstigt.

Diözesanrat regt Priesterweihe "bewährter Frauen und Männer" an

Der Diözesanrat der Katholiken im Bistum Würzburg fordert deutliche Konsequenzen aus der am Dienstag von der katholischen Deutschen Bischofskonferenz (DBK) vorgestellten Missbrauchsstudie. Damit "solche Gräueltaten nie wieder vorkommen", seien tiefgreifende Veränderungen nötig: "Die kirchlichen hierarchischen Strukturen sind kein zukunftsfähiges und mehrheitsfähiges System und auf lange Sicht nicht mehr tragbar." Der Rat regte an, über Alternativen in Pastoral und Seelsorge nachzudenken - etwa in Form von "homines probati", also der Priesterweihe von bewährten Frauen und Männern. Diese seien bei den Gläubigen anerkannt.

Der Diözesanrat ist das höchste Laiengremium in einem katholischen Bistum. Der Diözesanrat entsendet auch Delegierte ins Landeskomitee der Katholiken in Bayern sowie in das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK).

Kardinal Marx stellt heute Ergebnisse vor

Die katholischen Bischöfe wollen heute nach der Vorstellung der großen Missbrauchsstudie erste Konsequenzen darlegen. Zum Abschluss der Herbstvollversammlung in Fulda wird der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Marx, am späten Mittag Ergebnisse vorstellen. Im Mittelpunkt der Beratungen stand das Thema sexueller Missbrauch durch Geistliche.