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Erzbischof Stefan Heße: "Wir müssen Migration sicher machen" | BR24

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Eine Million Flüchtlinge hat Äthiopien aufgenommen. Der Flüchtlingsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Heße, ist aktuell vor Ort. Er plädiert dafür, sich mehr in den Heimatländern der Flüchtlinge zu engagieren.

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Erzbischof Stefan Heße: "Wir müssen Migration sicher machen"

Eine Million Flüchtlinge hat Äthiopien aufgenommen. Der Flüchtlingsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Heße, ist aktuell vor Ort. Er plädiert dafür, sich mehr in den Heimatländern der Flüchtlinge zu engagieren.

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Seit Montag ist der Flüchtlingsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, der Hamburger Erzbischof Stefan Heße, in Äthiopien unterwegs. Mit etwa einer Million Menschen hat Äthiopien in Afrika die zweitmeisten Flüchtlinge aufgenommen. Infolge von Konflikten sind zudem drei Millionen Äthiopier im eigenen Land auf der Flucht.

Priester übernehmen Brücken- und Versöhnungsfunktion

Im Interview mit der radioWelt auf Bayern 2 beschreibt Heße eine prekäre Situation in dem afrikanischen Land: Die Flüchtlingscamps seien oft größer als die nahegelegenen Städte. Die heimische Bevölkerung habe darum teilweise Angst, überrannt zu werden. Außerdem gebe es einen gewissen "Neidfaktor", sagt Heße, denn "die Situation in den Camps, die wahrlich nicht zu beschönigen ist, ist in mancherlei Hinsicht noch etwas besser, als die Situation der ländlichen Bevölkerung." Die Flüchtlinge hätten daher einen schweren Stand.

Trotz dieses Konfliktpotenzials sei die Lage aber weitestgehend ruhig, so der Erzbischof. Eine Brücken- und Versöhnungsfunktion würden dabei Pfarrer übernehmen, die sowohl für die Bevölkerung als auch die Flüchtlinge da sind. Man könne aber für jeden Tag dankbar sein, an dem es ruhig bliebe.

Bessere Lebensbedingungen verhindern Flucht

Die meisten Flüchtlinge in Äthiopien wollen nicht nach Europa, erzählt Heße aus seinen Erfahrungen. Sie würden darauf warten, dass in ihren Ländern - zum Beispiel in Eritrea - Frieden einkehrt und sie dorthin zurück können. Deutschland könne dazu einen Beitrag leisten, indem es die Lebensbedingungen der Menschen vor Ort verbessere - und ihnen somit keinen Grund für eine weitere Flucht nach Europa gebe. "Sie werden dann hier ihr Leben in die Hand nehmen und gestalten", so der Erzbischof, "und nicht den gefährlichen Weg übers Mittelmeer nehmen".

Kirche: Ein Drittel der Gelder für Bekämpfung von Fluchtursachen

Die katholische Kirche versucht hier mit gutem Beispiel voranzugehen: Etwa ein Drittel der finanziellen Mittel für Flüchtlinge, die die Kirche in Deutschland bereitstellt, gehe in die Bekämpfung von Fluchtursachen und somit in die Heimatländer der Flüchtlinge. Meist fehlten ganz grundsätzliche Dinge, wie Lebensmittel oder Strom. Aber auch Investitionen vor allem in Bildung seien fundamental, sagt der Flüchtlingsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz.

Erzbischof: Keine noch so hohe Mauer hilft gegen Flüchtlinge

Vor der kommenden Europawahl spricht sich Heße gegen eine weitere Abschottung der EU aus: "Die Flüchtlingsthematik ist global. Man kann sie nicht durch noch so hohe Mauern in den Griff bekommen." Heße glaubt, dass "die Zahl der Flüchtlinge eher zunehmen wird". Er plädiert daher für eine sichere Migration, dass nicht noch mehr Menschen auf der Flucht sterben müssen. Dies könne nur gelingen, sagt Heße, wenn alle an einem Strang ziehen und sich kein Land verschließe.