BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© REUTERS/Mussa Qawasma
Bildrechte: REUTERS/Mussa Qawasma

Erstmals ohne Pilger: Adventszeit in Bethlehem

1
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Erstmals ohne Pilger: Adventszeit in Bethlehem

Jedes Jahr strömen Tausende im Advent nach Bethlehem, um hier an der Geburtsstätte Jesu ihrem Glauben noch näher zu sein. Dieses Jahr fällt dieser Tourismus aus - mit gravierenden Folgen für Holzschnitzer oder Hoteliers.

1
Per Mail sharen
Von
  • Susanne Glass

Goldene und rote Kugeln funkeln an dem großen Weihnachtsbaum im Stadtzentrum von Bethlehem. Er steht wie jedes Jahr vor der Geburtskirche Jesu. Der Versuch, ein wenig Normalität in diesen Corona-Advent zu bringen. Denn die meisten Geschäfte auf dem arabischen Bazar sind verrammelt, ihre Besitzer seit Monaten ohne jede Einnahmequelle. In der Gasse der Holzschnitzer hat nur ein Laden geöffnet.

Keine Kunden für die Holzschnitzer

Konzentriert und fingerfertig produzieren sie in Handarbeit Krippenfiguren aus Olivenholz. Es ist ein kleines Weihnachtswunder, dass sie überhaupt Arbeit haben. Möglich geworden dank ihres ideenreichen Chefs: Jack Issa Giacaman. Arabischer Christ. 

Dieses Jahr sei das schlimmste seines Lebens, sagt er. Und das obwohl er die erste und zweite Intifada und auch Kriege erlebt hat. Trotzdem seien die Straßen immer voller Menschen gewesen. Sogar Touristen seien damals gekommen. Jetzt dagegen ist alles leer. Sogar die Kirche.

Holzschnitzer stellt auf Onlineverkauf um

Die weltberühmte Geburtskirche steht bei Jack direkt ums Eck. Vor Corona sind sich die Pilger hier gegenseitig auf die Füße getreten. Noch im letzten Jahr sind drei Millionen Besucher nach Bethlehem gekommen. Sie mussten stundenlang warten, bis sie zur Geburtsgrotte unter der Kirche durchkamen. Auch Jacks Shop war immer voll.

Als er jetzt plötzlich nichts zu tun hatte, entwickelte er eine Webseite und verkauft jetzt via Internet. Das Problem ist nur, dass Handwerksarbeit lange dauert, sagt er. Und die meisten Bestellungen seien zu kurzfristig vor Weihnachten gekommen.

Lockdown in Bethlehem seit März

Draußen vor dem Laden zieht ein Trauerzug durch die engen Gassen. 52 Corona-Tote und tausende Infizierte hatten sie bisher. Bethlehem war die erste Stadt in den palästinensischen Gebieten, in der die Pandemie ausgebrochen ist – eingeschleppt durch Pilger. Deshalb wurde hier seit März ein rigoroser Lockdown verhängt.

Mittlerweile sind mehr als 60 Prozent der Einwohner arbeitslos. Weil die palästinensische Regierung vor dem finanziellen Kollaps steht, bekommen sie keinerlei finanzielle Unterstützung.

Erstes Hotel in Bethlehem im Dornröschenschlaf

Das Orient Palace in Bethlehem ist das größte Hotel in den palästinensischen Gebieten. Über die Weihnachtstage war es seit Langem ausgebucht. Nun ist die Lobby dunkel und verwaist, in der Bar stehen noch die angebrochenen Flaschen, der Billard-Tisch wurde offenbar mitten im Spiel verlassen. Es wirkt, als liege alles seit März im Dornröschenschlaf.

Inmitten steht der Besitzer Leith Abu Rumaneh, beschäftigt die nervösen Finger mit seiner Corona-Maske, und sagt tapfer, er gebe nicht auf. Denn als Christ wisse er, welche große Bedeutung seine Stadt habe und ewig haben werde. So oft hat er die glücklichen Gesichter der Touristen gesehen, weil sie in Bethlehem die Erfüllung ihres Glaubens finden.

Bei Holzschnitzers steht keine Krippe unterm Baum

Das empfinden Holzschnitzer Jack, seine Frau Tamara und ihre beiden Teenager-Töchter genauso. Zum Abschluss verraten sie noch ein Geheimnis: Bei ihnen zu Hause steht keine Weihnachtskrippe. Jacks Frau sagt, sie brauche mal Pause vom Holz. Schon ihr Vater habe im Holzgewerbe gearbeitet. Von frühester Kindheit an, habe sich in ihrer Familie alles immer nur ums Olivenholz gedreht. Jetzt hat sie genug davon.

Das fröhliche Lachen von Jack zeigt, dass hier eine glückliche Familie auch in schweren Zeiten zusammenhält.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

© BR
Bildrechte: BR

Der Stern von Bethlehem führte die drei Weisen aus dem Morgenland nach Jerusalem und zu Jesus. Ist das alles nur eine Erfindung? Oder ist etwas astronomisch Interessantes an der Geschichte? Können wir das heute nachrechnen?