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Erstes Schweizer AKW geht vom Netz | BR24

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Erstmals geht heute in der Schweiz mit dem KKW Mühleberg ein Atomkraftwerk vom Netz. Der Schritt steht auch – aber nicht nur – im Zusammenhang mit der Energiewende im Alpenland.

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Erstes Schweizer AKW geht vom Netz

Erstmals geht heute in der Schweiz mit dem KKW Mühleberg ein Atomkraftwerk vom Netz. Der Schritt steht auch – aber nicht nur – im Zusammenhang mit der Energiewende im Alpenland.

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1972 - also vor 47 Jahren - ging das Kernkraftwerk Mühleberg ans Netz. Es ist damit das zweitälteste AKW der Schweiz. Mühleberg produzierte etwa fünf Prozent des Schweizer Strombedarfs.

Fukushima hat Haltung zu Kernkraftwerken in der Schweiz geändert

Wegen seines hohen Alters, Rissen im Kernmantel und seiner Nähe zur Stadt Bern war das Kraftwerk schon seit Jahren umstritten. Deshalb plante der Betreiber, die BKW Energie AG, einen Ersatz des Meilers. Doch seit Fukushima steht in der Schweiz ein Neubau eines Kernkraftwerks nicht mehr auf der Tagesordnung. Am Abbruch der alten Anlage hält der Stromversorger dennoch fest. Aus unternehmerischen Gründen, sagt BKW-Sprecher René Lenzin: "Als wir den Entscheid getroffen haben, haben wir ausgerechnet, dass angesichts der tiefen und volatilen Strompreise es sich nicht mehr lohnen würde, Investitionen für den Weiterbetrieb zu tätigen."

Abschaltung für die Schweiz ein großer Schritt

Mit der auch in der Schweiz beschlossenen Energiewende hin zu regenerativen Energiequellen hat diese Entscheidung also primär nichts zu tun. Und dennoch habe man sich bei der BKW Energie AG für eine Neuausrichtung entschieden, erläutert René Lenzin. Der Entscheid habe Kräfte freigesetzt für die Transformation des Unternehmens: "Die BKW hat sich seit dem Entscheid im Jahr 2013 stark gewandelt vom Energieunternehmen zum Energie- und Dienstleistungsunternehmen."

Die Abschaltung des Meilers ist für die Schweiz ein großer Schritt. Erstmals überhaupt geht ein AKW dauerhaft vom Netz. So ist auf dem Kraftwerksgelände ein Festakt geplant - mit Gästen aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. Das Fernsehen will live übertragen, wenn um 12.30 Uhr Techniker im Kommandoraum des Kraftwerks zwei Knöpfe drücken und damit die Anlage abschalten. Am Abend sind Bürger aus den benachbarten Gemeinden geladen.

Bisher kein festes Ausstiegsdatum

Die atomkraftkritische "Schweizerische Energiestiftung" freut sich über die Abschaltung. Jedoch schränkt Simon Banholzer, Atomenergie-Experte der Stiftung, ein: "Die Stilllegung von Mühleberg, das ist ein erster Schritt in dieser Energiewende, aber längst nicht der entscheidende Schritt."

Banholzer sagt, dass bisher unklar ist, wann die anderen Atomkraftwerke vom Netz gehen werden: "Und so lange das nicht klar ist, kann man die Energiewende so noch gar nicht wirklich abzeichnen."

Der Atmomenergie-Experte deutet damit an, dass die Schweiz zwar eine Abkehr von der Atomkraft beschlossen hat. Es gibt jedoch anders als in Deutschland, wo 2022 das letzte AKW abgeschaltet werden soll, in der Eidgenossenschaft kein festes Ausstiegsdatum. Die vier verbleibenden Schweizer Reaktorblöcke - darunter die zwei Uraltmeiler Beznau I und II aus den Jahren 1969 und 1971 ganz in der Nähe der deutschen Grenze - dürfen so lange am Netz bleiben, wie sie als sicher gelten.

Heute nun wird das Kraftwerk Mühleberg abgeschaltet. Im Januar dann soll mit dem Abriss des Kraftwerks begonnen werden. Die Brennelemente sollen eingelagert werden - ins Zwischenlager Würenlingen unweit der Grenze zu Baden-Württemberg. In 15 Jahren soll die Fläche für eine neue Nutzung zur Verfügung stehen.