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Erste Fahrradprofessur Deutschlands gestartet

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Erste Fahrradprofessur Deutschlands gestartet

Das Fahrrad boomt. Das schlägt sich auch in der Wissenschaft nieder. An deutschen Hochschulen werden derzeit sieben Professuren zum Thema aufgebaut. Die erste Professorin hat ihre Arbeit gerade in Niedersachsen aufgenommen.

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Von
  • Sven Kästner

Das Fahrrad ist weiter im Kommen. Das zeigt sich an allen Ecken und Enden: Nationaler Radverkehrsplan 3.0, fast eine Milliarde Euro für den Bau neuer Infrastruktur oder Pop-up-Radwege in der Corona-Krise. In München waren zum Beispiel zwischen März und Mai dieses Jahres 20 Prozent mehr Radler unterwegs als im gleichen Zeitraum der Vorjahre, so eine BR-Datenanalyse).

Sieben Fahrradprofessuren geplant

Damit das Fahrrad als Verkehrsmittel auch richtig beforscht werden kann, entstehen in Deutschland gerade sieben Professuren zum Thema - etwa an der Bergischen Universität Wuppertal, der Hochschule Karlsruhe oder der Uni Kassel. Eine bayerische Hochschule ist nicht dabei.

Die Lehrstühle sollen sich unterschiedlichen Fragestellungen widmen: Wie plant man Verkehrsanlagen? Wie vernetzt man verschiedene Verkehrsmittel? Oder wie sieht nachhaltige Mobilität aus? Das Bundesverkehrsministerium fördert die sieben Lehrstühle mit 8,3 Millionen Euro.

Radreparatur-Säule als Willkommensgruß

Die erste Fahrradprofessorin hat ihre Arbeit schon aufgenommen - im niedersächsischen Salzgitter. Als Willkommensgruß für Jana Kühl hat der Studierendenausschuss auf dem Gelände der Ostfalia-Hochschule kürzlich eine Fahrrad-Selbsthilfestation eingeweiht - für kleine Reparaturen: Eine grüne Säule mit Luftpumpe, Werkzeug und der Möglichkeit, das Rad bequem in Reparaturhöhe aufzuhängen.

Radfahren in den Köpfen mehr verankern

Jana Kühls offizieller Titel lautet: Professorin für Radverkehrsmanagement. Sie will erforschen, wie bessere Möglichkeiten zum Radfahren einerseits die Mobilität verändern und andererseits auch das Denken und Diskussionen über Radverkehr. Sie hofft, so das Fahrradfahren auch in den Köpfen mehr verankern zu können.

Ausbildung der Fachleute von morgen

Kühl lehrt in Salzgitter an der Fakultät Verkehr-Sport-Tourismus-Medien – ein breiter Querschnitt. Dort werden unter anderem Verwaltungs- und Tourismusfachleute ausgebildet, die später in Städten und Gemeinden arbeiten werden. Für all diese Fachrichtungen will die Radverkehrs-Professorin Seminare anbieten.

Jana Kühl hofft so, dass das Radfahren so noch mehr in die Breite getragen wird und die Entscheider offener für Radprojekte werden. Sie will das Verständnis dafür schärfen, welche Potenziale Radverkehr bietet.

Viele Studiengänge sollen von der Radprofessur profitieren

Coronabedingt läuft die Lehre zurzeit auch in Salzgitter weitgehend online. Cato Bohlens, der sich für die oben erwähnte Reparatursäule eingesetzt hat, studiert Tourismus-Management. Er will einige Radverkehrskurse belegen und wünscht sich dies auch für viele Studierende aus anderen Fachrichtungen.

Er ist dafür, dass in jedem Studiengang durch gewisse Wahlpflichtmodule die Möglichkeit besteht, sich das Wissen zur Verkehrswende auch von dieser neuen Fahrrad-Professur abzuholen und dann in seinem eigenen Bereich anzuwenden. Er denkt da etwa an die Bereiche Medien, Sport, Tourismus und natürlich Verkehr.

Abschluss in Radverkehrsmanagement fehlt noch

Fehlt eigentlich nur noch ein eigener Abschluss in Radverkehrsmanagement. So weit ist es noch nicht. Aber die Hochschule plant einen neuen Masterstudiengang mit dem Arbeitstitel Mobilitätsmanagement, bei dem der Radverkehr "eine ganz wesentliche Säule" sein wird, verspricht Dekan Heinz-Dieter Quack.

Weitere Masterstudiengänge in Planung

Auch die anderen Hochschulen mit Radverkehrs-Stiftungsprofessuren planen neue Masterstudiengänge. In der Wissenschaft scheint die Verkehrswende zu beginnen.

Jana Kühl, die neuen Professorin in Salzgitter, hat sie schon vollzogen und nutzt ausschließlich Rad und öffentlichen Nahverkehr. Den Rat ihrer Freunde und Bekannten, sich ein Auto anzuschaffen, ignoriert sie: "Ich möchte, dass es so funktioniert. Ich werde mich weiter drum bemühen. Ich hoffe, es klappt."

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