BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Ernährungsreport 2020: Vorrat mit Regionalem zum Selbstkochen | BR24

© pa/dpa

Julia Klöckner (CDU), Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft bei der Pressekonferenz zur Vorstellung des Ernährungsreports 2020.

1
Per Mail sharen

    Ernährungsreport 2020: Vorrat mit Regionalem zum Selbstkochen

    Ernährungsministerin Julia Klöckner hat in Berlin den Ernährungsreport vorgestellt. Ein Trend: Die Deutschen essen weniger Fleisch. Aber auch die Corona-Krise hat Auswirkungen auf unser Essverhalten.

    1
    Per Mail sharen

    Während der Pandemie kochen die Deutschen mehr selbst. Das geht aus dem Ernährungsreport 2020 hervor, den Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) in Berlin vorstellte. 30 Prozent der Bundesbürger gaben an, sich häufiger als bisher selbst an den Herd zu stellen. Die große Mehrheit der Befragten (82 Prozent) legt außerdem Wert darauf, dass ein Produkt aus ihrer Region kommt. 39 Prozent gaben an, dass ihnen die Landwirtschaft in der Corona-Krise wichtiger geworden sei. Es gebe ein "Momentum der gewachsenen Wertschätzung für die heimische Landwirtschaft", sagte die Ministerin. Für 17 Prozent der Bürger hat zudem die Vorratshaltung von Lebensmittel in der Corona-Krise an Bedeutung gewonnen.

    Weniger Fleisch

    Während vor fünf Jahren noch 34 Prozent der Befragten angaben, täglich Fleisch zu essen, sind es im aktuellen Bericht nur noch 26 Prozent. 55 Prozent der Bundesbürger bezeichnen sich dem Report zufolge als sogenannte Flexitarier, verzichten also zumindest zeitweise bewusst auf Fleisch. Vegetarisch und vegan ernähren sich demnach jeweils fünf und ein Prozent.

    Den Verbrauchern ist es offenbar auch wichtig, wie die Tiere gehalten werden, die sie konsumieren. 81 Prozent der Befragten sprachen sich für ein staatliches Tierwohlkennzeichen aus. Für mehr Tierwohl wären Verbraucher laut Studie sogar bereit, mehr zu zahlen. Klöckner sagte: "Die verbale Bereitschaft ist erfreulich, mehr für tierwohlgerechtere Produkte zu zahlen. Leider sieht es an der Ladentheke oftmals noch anders aus." Auch sie weiß, dass die tatsächliche Zahlungsbereitschaft deutlich geringer ist.

    Mehr Tierwohl?

    Sie sei der Überzeugung, dass die Mehrkosten für das Tierwohl nicht an der Kasse erzielt werden können. Man müsse darauf achten, dass Fleisch nicht zum Luxusprodukt werde, gab die CDU-Politikerin zu bedenken.

    Die Bundesregierung plant derzeit ein staatliches Tierwohllabel auf freiwilliger Basis. Tierschützer kritisierten die bisherigen Ideen zur Tierwohlkennzeichnung auf Lebensmitteln als "vollkommen wirkungslos". WWF-Ernährungsexpertin Tanja Dräger de Teran fordert, aus der freiwilligen Auskunft müsse schleunigst eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung werden. Ein solches verpflichtendes Siegel ist Klöckner zufolge aber auf nationaler Ebene rechtlich gar nicht möglich.

    Staatliches Tierwohllabel auf freiwilliger Basis

    Kritik kam auch von der Opposition. Linken-Fraktionschefin Amira Mohamed Ali fordert im Gespräch mit dem ARD-Hauptstadtstudio ein verpflichtendes Tierwohl-Kennzeichen, Deutschland müsse sich auf EU-Ebene dafür einsetzen. Ebenso drängt sie auf eine Verpflichtung für die Reduktion von Zucker, Salz und Fett. Striktere Vorgaben von der Ministerin statt freiwilligen Handelns wollen auch die Grünen.

    Seit 2015 veröffentlicht die Bundesregierung den sogenannten Ernährungsreport. Dazu werden jeweils 1000 Personen zu ihrem Essverhalten befragt. In diesem Jahr war die Studie um eine Zusatzbefragung während der Pandemie im April erweitert worden.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!