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Erlanger Forscher: Mit Maniok den Welthunger bekämpfen | BR24

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Der Biochemiker Uwe Sonnewald uns sein Team an der Uni Erlangen erhalten 15 Millionen Euro von der Bill-Gates-Forschung. Die Wissenschaftler forschen an der sogenannten Maniok-Pflanze.

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Erlanger Forscher: Mit Maniok den Welthunger bekämpfen

Bei uns ist sie eher unbekannt, doch weltweit könnte die Kartoffelpflanze Maniok helfen, den Hunger zu bekämpfen. Erlanger Forscher sollen sie so verbessern, dass sie mehr Ertrag liefert und erhalten dafür 15 Mio. Euro von der Bill-Gates-Stiftung.

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Eine unglaubliche Anfrage, die fast in seinem Spam-Ordner gelandet wäre, erzählt der Biochemiker Uwe Sonnewald, war der Ausgangspunkt für ein internationales Forschungsprojekt. Vor fünf Jahren wandte sich die Bill-Gates-Stiftung an den Erlanger Forscher: Er sollte helfen, den Anbau von Maniok zu verbessern, um damit den Welthunger zu bekämpfen. Bis dahin hatte der Professor an der Universität Erlangen hauptsächlich zum Kartoffelanbau geforscht.

Maniok im Erlanger Gewächshaus

Seitdem ist in dem Gewächshaus des biochemischen Lehrstuhls der Uni Erlangen nichts mehr wie es war: Jetzt stehen hier fast mannshohe Stauden, eine Maniok-Plantage wächst bei tropischen Temperaturen. In vielen Entwicklungsländern ist Maniok ein wichtiges, kohlenhydratreiches Grundnahrungsmittel, doch bis dato war die Pflanze kaum erforscht. Das Gewächs, von dem ähnlich wie bei Kartoffeln die Wurzeln gegessen werden, wird hier genetisch verändert. Das Ziel: die essbare Wurzel der Pflanze vergrößern und so ihren Ertrag steigern, um den Hunger in der Welt zu lindern

Forschungen in Taiwan und Afrika

Quasi aus dem Stand hat Uwe Sonnewald ein internationales Konsortium auf die Beine gestellt. In der Schweiz wird Maniok gentechnisch verändert, im Gewebelabor der Erlanger Biochemie werden die veränderten Pflänzchen vermehrt und dann zu Feldversuchen nach Afrika oder Taiwan geflogen. Man dürfe nicht erwarten, dass die ersten veränderten Pflanzen gleich die Superpflanzen seien, sagt Sonnewald. Die Forscher lernen an ihnen, wie sie Fehler vermeiden und die Pflanzen noch besser machen können. Im vergangenen Jahr wurden auf einem Testfeld in Taiwan zwanzig verschiedene Maniok-Genkombinationen ausgebracht. Entsprechend unterschiedlich waren die Wurzelerträge bei der Ernte im November.

Genveränderung bringt auch unerwünschte Effekte

Im afrikanischen Nigeria dagegen konnten die Maniok-Versuchspflanzen noch nicht auf das freie Feld. Denn durch die Genveränderung hatten sie ihre Resistenz gegen die weiße Fliege, einen Schädling, verloren. Sie mussten deshalb in – mit Gazestoff bespannten – Gewächshäusern großgezogen werden. Am biochemischen Institut in Erlangen werden unterdessen täglich neue, genveränderte Maniok-Pflänzchen gezogen. 3000 davon sind schon unterwegs nach Taiwan, für einen neuen Feldversuch.

Weitere 15 Millionen Dollar von der Gates-Stiftung

Projektleiter Uwe Sonnewald und sein Team haben von der Bill-und-Melinda-Gates-Foundation für die kommenden fünf Jahre weitere 15 Millionen Dollar erhalten. In einem ersten Schritt wurde nun auch ein Forschungsinstitut in Nigeria in das internationale Maniok-Netzwerk einbezogen. Bis 2025, so Projektleiter Sonnewald, soll der Durchbruch gelingen und eine ebenso ertragreiche wie resistente Maniok-Linie gezüchtet sein. Diese könnte dann ein wichtiger Baustein werden im Kampf gegen den Welthunger.

© Universität Erlangen/Lehrstuhl für Biochemie

Maniok-Wurzel aus der Forschung in Taiwan

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