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Erinnerung an Putschnacht im Istanbuler Café Tolga | BR24

© ARD/Buttkereit

Am 15. Juli 2016 versuchten Putschisten, die Macht in der Türkei an sich zu reißen. Tolga Ecebalin, Vater von zwei KIndern, kam damals ums Leben. Im Istanbuler Café Tolga wird an ihn und an die Putschnacht erinnert.

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Erinnerung an Putschnacht im Istanbuler Café Tolga

Am 15. Juli 2016 versuchten Putschisten die Macht in der Türkei an sich zu reißen. Tolga Ecebalin, Vater von zwei KIndern, kam damals ums Leben. Im Istanbuler Café Tolga wird an ihn und an die Putschnacht erinnert.

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Auf den ersten Blick scheint es ein ganz normales Café zu sein am Ufer des Goldenen Horns, mitten in der türkischen Metropole Istanbul. Ein verglaster Pavillon, Stühle und Tische drumherum mit Blick auf einen Park und das nahe Wasser. Tee gibt es hier, Softdrinks, Wasserpfeifen und kleine Speisen. Drinnen wird schnell klar, was das Besondere am Cafe Tolga ist. Dort gibt es eine Gedenknische für Tolga Ecebalin. Ein Sehit, wie es in der Türkei heißt – ein Märtyrer des Putsches vom 15. Juli 2016.

Überall Panzer und Soldaten

Es war eine Nacht, die sich in das kollektive Gedächtnis der Türken eingebrannt hat. Und es war die Nacht, in der Tarkan Ecebalin seinen Sohn verlor.

Schon Stunden davor war klar, dass etwas nicht stimmte auf den Straßen Istanbuls. Es wurde geschossen. Präsident Erdogan rief in einer dramatischen Fernsehansprache seine Bürger dazu auf, den Aufständischen die Stirn zu bieten. Vater Tarkan war deshalb mit seinem Bruder zum Gebäude der Stadtverwaltung gegangen. Überall Panzer und Soldaten.

"Mein Telefon vibrierte, es war mein Sohn, der anrief. Er sagte: Ich komme. Weil ich besorgt war, habe ich ihm gesagt, er solle sich besser fernhalten. Er widersprach, sagte, er komme jetzt, und legte auf." Tarkan, Vater von Tolga Ecebalin

"Oh, mein Gott, das ist ja Tolga"

Tolga war damals 25 Jahre alt, Vater von zwei Kindern, geschieden und neu verlobt. Bilder der Kinder und von der Verlobung hängen in der Gedenknische im Cafe Tolga neben einer großen türkischen Flagge. Die Soldaten, so der Vater Tarkan, hätten heftigst auf sie geschossen. Sein Bruder und er hätten sich auf den Boden geworfen und unter einem Auto verschanzt. Als die Schüsse etwas nachließen, seien sie wieder aufgestanden. Da hätten sie schmerzvolle Schreie gehört. Er habe sich umgesehen und gesagt: "Oh mein Gott, das ist ja Tolga."

Ein Projektil hatte Tolga am Kopf, unterhalb des rechten Auges , getroffen. Kurze Zeit später war Tolga tot. Gerichtsmediziner fanden heraus, dass es sich um einen gezielten Schuss handelte. Der Putschist, der ihn abgab, wurde in der Nacht selbst erschossen. Während Tolgas Vater das erzählt, rollen dem 50-Jährigen Tränen über die Wangen. Tolga sei "Märtyrer" geworden.

Besuch von Präsident Erdoğan

Vater Tarkan findet gut, dass die Erdogan-Regierung scharf gegen die Putschisten vorgeht. Auch wenn es letzte Gerechtigkeit erst vor Gott geben könne. Bis zu seinem Tod arbeitete Tolga als Kellner im Istanbuler Hilton. Er habe oft von einem eigenen Lokal geträumt, berichtet sein Vater. Präsident Erdoğan sei nach Tolgas Tod zu Besuch gekommen, habe ein Grundstück zur Verfügung gestellt, auf dem die Familie das Cafe gebaut habe.

In der Gedenknische hängen auch Fotos, die Tarkan mit Staatspräsident Erdogan auf dem Märtyerfriedhof zeigen. Und der höchste Verdienstorden der Türkei, der Tolga posthum verliehen wurde. So werden auch die Gäste an die Ereignisse vom 15. Juli 2016 erinnert.