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Lange herrschte Stillstand in der Wirtschaft - jetzt geht es wieder aufwärts, doch mehrere Verbände warnen vor zu viel Wirtschaftseuphorie

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Erholt sich jetzt die Wirtschaft nach der Corona-Krise?

Erstmals in der Corona-Krise kommen wieder positive Signale aus der Industrie: Die Auftragsbücher füllen sich schneller als gedacht. Doch während Ökonomen die Wirtschaft langfristig wieder im Aufwind sehen, warnen Verbände vor zu viel Euphorie.

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Von
  • Moritz Pompl

Seit der Wiedervereinigung ging es für die deutschen Industrieunternehmen nicht mehr so steil bergauf wie zwischen Mai und Juni 2020: Das Statistische Bundesamt verzeichnet fast ein Drittel mehr Aufträge und für die Autoindustrie sogar zwei Drittel. Der Einzelhandel hat den Corona-Einbruch laut EU-Statistiken so gut wie vollständig überwunden.

Dass sich die Wirtschaft erholt, damit hatten viele Ökonomen gerechnet – aber nicht, dass es so schnell gehen würde. Das Bundeswirtschaftsministerium äußerte sich entsprechend optimistisch.

"Die jüngsten Daten zu den Auftragseingängen sprechen dafür, dass die Industrierezession ihren Tiefpunkt durchschritten hat" Bundeswirtschaftsministerium via Twitter

Außenhandel hinkt hinterher

Die Statistik zeigt aber auch: Zum Vorkrisenniveau im Februar fehlen immer noch mehr als elf Prozentpunkte. Das liegt vor allem daran, dass viele Länder Corona-bedingt schwer gebeutelt sind, und weniger deutsche Güter haben wollen.

Die wirtschaftliche Erholung in Deutschland liegt vor allem an der großen Nachfrage aus Deutschland selbst: Hier zog die Nachfrage im Juni im Vergleich zum Monat Mai um 35,3 Prozent an. Die Aufträge aus dem Ausland stiegen im selben Zeitraum nur um 22 Prozent.

Verbände befürchten viele Unternehmenspleiten

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) glaubt deshalb: Wie es mit der deutschen Wirtschaft weitergeht, hängt maßgeblich davon ab, wie gut sich andere Länder wirtschaftlich erholen und mit der Pandemie umgehen. Für Deutschland rechnet der Industrieverband BDI ab Herbst mit vielen Insolvenzen, wenn keine zusätzlichen Finanzhilfen kommen. Und der Handelsverband HDE glaubt, dass rund 50.000 mittelständische Einzelhändler pleitegehen werden.

Kurzarbeit noch in vielen Branchen

Ein gespaltenes Bild zeigt sich auch bei den Kurzarbeiterzahlen in Deutschland. Das ifo-Institut rechnet vor, dass im Juli nur noch 5,6 Millionen Menschen in Kurzarbeit waren – im Vergleich zu 6,7 Millionen im Juni bzw. 7,3 Millionen im Mai.

"Der Rückgang hat sich zwar insgesamt beschleunigt, aber in einigen Branchen nimmt die Kurzarbeit sogar noch zu." Sebastian Link, Arbeitsmarkt-Experte am Münchner ifo Institut

Dazu zählen laut ifo-Institut insbesondere der Maschinenbau und die Elektrobranche: Im Maschinenbau stieg die Zahl an Kurzarbeitern seit Juni von 354.000 auf jetzt 378.000. In der Elektrobranche sind nun 271.000 Beschäftigte in Kurzarbeit, nach 260.000 Menschen im Juni. In der Industrie insgesamt sei die Zahl der Kurzarbeiter aber von 2,3 Millionen auf 2,1 Millionen Menschen leicht gesunken - darunter in der Autobranche und der Metallindustrie.

Insgesamt ist die Sorge groß, dass die Wirtschaft noch einmal einbrechen könnte – wenn die Corona-Infektionszahlen wieder stark steigen.

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Die deutsche Wirtschaft scheint sich langsam wieder zu erholen. Nach dem Corona-Schock vom Frühjahr ziehen vor allem die Exporte kräftig an.

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