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Ergebnisse von Kattowitz: Eine Chance, kein Wendepunkt | BR24

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Der UN-Klimagipfel in Katowice ist nach einem Tag Verlängerung zu Ende gegangen. Vertreter von knapp 200 Ländern verständigten sich auf ein Regelbuch mit einheitlichen Kriterien. Die Fortschritte im Klimaschutz sollen messbar und vergleichbar werden.

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Ergebnisse von Kattowitz: Eine Chance, kein Wendepunkt

Das Pariser Klimaabkommen war quasi das Vorwort, drei Jahre später ist nun das ganze Buch dazu geschrieben worden. Die zähen Verhandlungen der UN-Klimakonferenz zeigen: Der Kampf gegen die Erderwärmung bleibt mühsam. Ein Kommentar von Miriam Stumpfe.

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Klassische Dramenschreiber hätten wieder ihre Freude am Klimagipfel von Kattowitz gehabt. Die Dramaturgie funktionierte zuverlässig: Optimistischer Start - zwei Wochen zähe Verhandlungen, inklusive Quertreibern und Stillstand zur Halbzeit - Kassandrarufe, die vorm Scheitern der Konferenz warten - am Ende ein Tag Verlängerung mit quälendem Showdown – und schließlich doch: eine Abschlusserklärung. Applaus, Erleichterung. Auch Tippelschritte zum Klimaschutz verkaufen sich so als historische Wegmarke.

Herkulesaufgabe für 200 Staaten

Nichts für ungut. Das Ergebnis von Kattowitz ist eines, auf das Diplomaten wirklich stolz sein können. Sie haben es geschafft, das Kleingedruckte fürs Pariser Klimaabkommen zu regeln, Regeln festzulegen, wie knapp 200 Staaten ihre Klimaziele dokumentieren, ihren CO2-Ausstoß messen – und wie sie sich gegenseitig kontrollieren. Eine Herkulesaufgabe. Sollte es der Weltgemeinschaft tatsächlich gelingen, die Erwärmung auf 2 Grad zu begrenzen, dann werden die Geschichtsschreiber des 21. Jahrhunderts dieses Kattowitz-Paket tatsächlich als historische Wegmarke einstufen.

Es fehlt der Wille zum Handeln

Nur: So weit sind wir längst noch nicht. Denn das Entscheidende fehlt, der Wille, wirklich etwas zu tun!

Mit den derzeitigen Klimaschutz-Zusagen steuern wir auf mehr als 3 Grad Erwärmung zu. Wenn sich daran nicht sofort etwas ändert, läuft uns die Zeit davon, dann ist es zu spät fürs Umsteuern, das hat der Weltklimarat im Oktober erst vorgerechnet. Inselstaaten wie die Malediven haben in Kattowitz vergeblich auf klare Signale gehofft. Keiner hat sich mit neuen Klimaschutzversprechen vorgewagt. Und als sich die deutsche Umweltministerin Schulze einer Koalition der Ehrgeizigen anschloss, wurde sie von Kabinettskollege Altmaier brüskiert, sie handle nicht im Auftrag der Bundesregierung.

Ohne Druck bewegt sich nichts

Doch ohne das Signal „Wir tun was!“ bleibt das Regelwerk eine leere Hülle. Dafür sind wir alle gefragt, und zwar ernsthaft. Die meisten Staaten, die verhandeln, sind Demokratien. Deren Vertreter tun mehr oder weniger das, was die Bevölkerung von ihnen erwartet. Das heißt auch: Ohne Druck bewegt sich nichts. Eine 15-jährige Schülerin aus Schweden hat vorgemacht, wie man Mitstreiter gewinnt, selbst wenn man denkt, man sei allein. Sie und andere Klimaaktivisten sind mehr als bunte Folklore bei Klimagipfeln. Es sind die, die es braucht, wenn aus den Regeln von Kattowitz ein Werkzeug für die Rettung des Weltklimas werden soll. Das Zeug dazu hat es – aber wir müssen es in die Hand nehmen.