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Entwicklungsminister Müller warnt vor Neokolonialismus in Afrika

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hat vor einem neuen Kolonialismus auf dem afrikanischen Kontinent gewarnt. Im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk (Bayern 2, radioWelt am Morgen) sagte er:

"Neokolonialismus findet in dieser Weise statt, dass große internationale Multis afrikanische Ressourcen ausbeuten, ohne Rücksicht auf Mensch und Natur. Es werden keine Steuern vor Ort bezahlt, es wird nicht in Entwicklung investiert, nicht in Arbeitsplätze für die heimische Jugend und das muss gestoppt werden."

Klare Haltung gegen Ausbeutung

Müller fordert internationale Standards und Regeln, denen sich China aber auch amerikanische und andere internationale Konzerne unterwerfen müssen. "Afrikas Reichtum und Ressourcen auszubeuten und die Menschen in Armut und Not zurückzulassen, das kann nicht der internationale Handelsstandard sein", so Müller.

Afrikanischer Bauboom in den nächsten Jahren erwartet

Deutschland verfolge einen anderen Ansatz, indem man Armut, Not und Elend bekämpfe. Dies sei eine humanitäre Verpflichtung. Es gehe bei deutschen Investitionen in Afrika aber auch darum, Chancen zu nutzen. Die große wirtschaftliche Entwicklung wird nach Ansicht von Müller in den nächsten fünf oder zehn Jahren auf dem afrikanischen Kontinent stattfinden:

"Alleine die Infrastruktur, das heißt Straßen, Brücken, Schulen, Krankenhäuser – da wird in den nächsten zehn Jahren in Afrika in etwa so viel gebaut werden, wie in ganz Europa in den letzten 100 Jahren."

Ein willkommener Nebeneffekt sei die Bekämpfung von Fluchtursachen: "Natürlich ist das auch ein Gedanke, dass die Menschen vor Ort Arbeit brauchen. Dann müssen sie sich nicht in die Hände von Schleppern begeben und Richtung Europa aufmachen", so Müller.

Autoren

Frank Steininger

Sendung

radioWelt vom 05.09.2018 - 06:52 Uhr