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Corona-Virus: China testet HIV-Medikament gegen Erreger | BR24

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In Deutschland gibt es nach wie vor keinen bekannten Fall einer Infektion mit dem Corona-Virus. Ein Verdachtsfall in Berlin hat sich nicht bestätigt.

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Corona-Virus: China testet HIV-Medikament gegen Erreger

Aus Angst vor Infektionen holt Frankreich seine Staatsbürger aus China zurück. Dort steigt die Zahl an Infizierten weiter an. Experten testen nun ein HIV-Medikament als Gegenmittel. Deutsche Flughäfen wie München oder Berlin sind derweil gewappnet.

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Nach einem ersten Verdacht auf Corona-Infektion in Berlin gab es Entwarnung, doch in China bleibt die Lage weiter angespannt: Die Zahl der infizierten Menschen ist laut staatlichem Fernsehen weiter angestiegen. Bis Sonntagnachmittag gab es demnach 2051 Fälle in der Volksrepublik, 56 Infizierte starben. Nun testen chinesische Experten, ob ein HIV-Medikament zur Behandlung von Symptomen der neuartigen Lungenkrankheit eingesetzt werden kann. Chinesische Gesundheitsbehörden hätten die Arznei mit dem Namen Aluvia (Kaletra) angefordert, teilte eine Sprecherin des US-Pharmakonzerns AbbVie mit.

Aufatmen konnte derweil eine Patientin in Berlin, die mit Verdacht auf Corona-Infektion stationär behandelt wurde. Sie war auf der Isolierstation des DRK-Klinikum Mitte in Berlin-Wedding untersucht worden.

Test fiel negativ aus

Die Frau kam eben von einer Chinareise zurück. Der Verdacht hat sich allerdings nicht bestätigt. "Der Test zu diesem Verdachtsfall fiel heute negativ aus", teilte eine Sprecherin der Gesundheitsverwaltung mit.

Dennoch sollten sich Menschen im Zweifelsfall untersuchen lassen, heißt es: "Wir empfehlen Menschen in Berlin, falls sie in dem Risikogebiet, also der Provinz Hubei, China, gewesen sind oder Kontakt mit Personen aus dem Risikogebiet hatten und Symptome einer Atemwegserkrankung aufweisen, eine Notaufnahme aufzusuchen und sich auf den Coronavirus testen zu lassen", teilte die Berliner Gesundheitsverwaltung weiter mit.

Mehrere Regierungen holen ihre Bürger heim

Hongkong hat inzwischen den Notstand ausgerufen, nachdem ebenfalls mehrere Infektionsfälle gemeldet wurden.

Weiterhin sind bislang Infektionen mit dem Virus bei mehreren Menschen in Frankreich und Australien bestätigt worden. In Thailand, Japan, Südkorea, Taiwan, Vietnam und den USA hat es Einzelfälle gegeben. Auch in Kanada befindet sich ein Infizierter im Krankenhaus. Die Regierung in Tokio bietet Japanern in Wuhan an, sie aus der abgeschotteten Stadt auszufliegen. Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe teilt mit, die Behörden bemühten sich derzeit in China um einen Charterflug für alle japanischen Staatsbürger, die Wuhan verlassen wollten.

Das US-Außenministerium in Washington teilte ebenfalls mit, es werde US-Bürger und Mitarbeiter des US-Konsulats in Wuhan in die USA ausfliegen. Ebenso teilte die französische Gesundheitsministerin Agnes Buzyn mit, dass französische Staatsbürger aus Wuhan zurück hach Frankreich geflogen würden. Die Rückholung geschehe im Einverständnis mit den chinesischen Behörden, der Schritt sei für Mitte der Woche geplant. Zuvor hatte der Autobauer Peugeot bereits angekündigt, seine Mitarbeiter und deren Familien, die sich in der Millionenstadt Wuhan aufhalten, nach Frankreich zurückzuholen. Demnach handele sich um 38 Personen. Die Rückführung sei eine proaktive Maßnahme. Sie sei mit den örtlichen Behörden abgestimmt. Die Angestellten kommen den Plänen zufolge zunächst in Quarantäne, bevor sie ihre Heimreise antreten können.

Notfallpläne an deutschen Flughäfen

Das Auswärtige Amt in Deutschland sieht bislang keinen Handlungsbedarf. In der betroffenen Provinz Hubei leben etwa 100 deutsche Staatsangehörige.

Die deutschen Flughäfen halten für den Ernstfall derweil ihre Notfallpläne vor: Gemäß den Internationalen Gesundheitsvorschriften der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es in Deutschland fünf Flughäfen, an denen so genannte Kernkapazitäten zum Schutz der öffentlichen Gesundheit vorgehalten werden müssen. In Bayern zählt dazu der Flughafen München, darüber hinaus die Flughäfen Hamburg, Düsseldorf, Frankfurt und Berlin. An einen dieser fünf Flughäfen wird jede Maschine mit einem deutschen Zielflughafen umgeleitet, wenn sich an Bord ein Verdachtsfall befindet.

Am Münchner Flughafen bereitet sich derweil die "Task-Force Infektiologie" auf Maßnahmen für den Ernstfall vor. Denn pro Woche gibt es laut Deutscher Nachrichten-Agentur um die 40 Flüge zwischen München und China. Auch wenn die Region Wuhan dabei nicht direkt angeflogen wird, lässt sich eine Einschleppung des Virus – vielleicht auch über Drittstaaten – nicht ausschließen.

Der Präsident des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), Andreas Zapf, gab sich aber vorsichtig gelassen: "Für den normalen Bürger ist die anrollende Influenza-Welle gefährlicher als das, was sich in China bisher nach unserer Perspektive darstellt."

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