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Entsetzen in Schweden: Frau soll Sohn 28 Jahre eingesperrt haben | BR24

© ARD

Polizei entdeckt Mann, der offenbar fast drei Jahrzehnte festgehalten worden war

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Entsetzen in Schweden: Frau soll Sohn 28 Jahre eingesperrt haben

Der Fall erschüttert Schweden: Eine Frau soll ihren Sohn unter schrecklichen Bedingungen fast 30 Jahre lang gefangen gehalten haben. Der heute 41-Jährige wurde nun unterernährt in einer verdreckten Wohnung gefunden. Die Frau wurde festgenommen.

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Von
  • Carsten Schmiester
  • Florian Haas

Der Fall erschüttert Schweden und wirft Fragen auf: Warum hat so lange niemand irgendetwas Verdächtiges bemerkt? Warum hat niemand den Mann vermisst? Haben Sozialbehörden und insbesondere die Schulaufsicht versagt?

Der Sohn: stark unterernährt, aber nicht in Lebensgefahr

Noch gibt es keine Antworten, aber es gibt Fakten: Medienberichten zufolge hat eine Verwandte den 41 Jahre alten Mann am Sonntag in einem Vorort von Stockholm in der Wohnung seiner Mutter gefunden, nachdem diese in ein Krankenhaus eingeliefert worden war. Der Mann sei stark unterernährt gewesen, mit offenen Wunden an den Beinen; und er habe kaum sprechen können. Inzwischen sei er operiert worden, es gehe ihm besser.

Als er zwölf Jahre alt war, habe ihn seine Mutter von der Schule genommen und aus noch unbekanntem Grund zu Hause eingesperrt. Die Polizei nimmt an, dass er "eine sehr lange Zeit", angeblich zwischen 25 und 30 Jahren, gegen seinen Willen in der offenbar stark verwahrlosten Wohnung im Süd-Stockholmer Vorort Haninge festgehalten worden ist.

Die Mutter: festgenommen, womöglich länger in Gewahrsam

Die 70 Jahre alte Mutter bestreitet alle Vorwürfe, ist aber festgenommen worden. Gegen sie wird wegen des Verdachts der Freiheitsberaubung und Körperverletzung ermittelt, so Staatsanwältin Emma Olsson: "Wir müssen jetzt die Lebensverhältnisse dieses Mannes untersuchen und versuchen, herauszufinden, wie es möglich war, dass er einfach aus der Gesellschaft verschwinden konnte."

Der Fall wirft die Frage auf, ob Behörden oder Nachbarn den Sohn nicht vor diesem Schicksal hätten bewahren können und müssen. Laut der Zeitung "Aftonbladet" sagten die meisten Nachbarn, sie hätten den Sohn nie gesehen. Eine Frau sagte demnach aber, sie sei ihm vor ein paar Monaten in einem Lebensmittelgeschäft begegnet. Eine andere Nachbarin sagte der Zeitung, sie wundere sich, dass der Fall selbst bei der Renovierung des Wohnhauses nicht ans Licht gekommen sei. Und wieder eine andere Nachbarin sagte demnach, die Frau habe auf Nachfrage immer nur gesagt, ihrem Sohn gehe es gut, sonst habe sie nie wirklich über ihn gesprochen.

Morgen will die Staatsanwaltschaft entscheiden, ob die Mutter weiter in Gewahrsam bleibt.

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