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Bildrechte: picture alliance/AP Photo/Richard Drew

Am 11. April 1961 begann der Prozess gegen den NS-Kriegsverbrecher Adolf Eichmann in Jerusalem. Knapp ein Jahr zuvor hatten israelische Agenten ihn in Buenos Aires entführt. Mehr als 110 Zeugen wurden befragt.

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Eichmann-Entführung: Eine "unwahrscheinliche Sensation"

Er war der Organisator des Holocausts: Vor 60 Jahren begann in Jerusalem der Prozess gegen Adolf Eichmann. Um ihn vor Gericht zu stellen, musste der israelische Geheimdienst Eichmann aus Südamerika entführen. Eine Zeitreise.

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Von
  • Benjamin Hammer

Am 11. Mai 1960, um kurz nach 20 Uhr, hatte Rafi Eitan sein Ziel erreicht. In seinem Auto befand sich der Mann, der den Holocaust mitorganisiert hatte. Die Ermordung von sechs Millionen Juden. Rafi Eitan war Israeli, ein Agent des Geheimdienstes Mossad und der Anführer einer extrem heiklen Mission.

Und nun saß er mit Adolf Eichmann in einem Auto, mehr als 12.000 Kilometer von Israel entfernt, in einem Vorort von Buenos Aires in Argentinien. "Ich hatte das Gefühl, dass mein Herz vor lauter Aufregung explodieren würde. So etwas hatte ich noch nie empfunden. Dieses Gefühl: Dieser Mann befindet sich in meiner Gewalt", sagte Eitan Jahre nach der Mission im israelischen Fernsehen.

Eichmann arbeitete nach dem Krieg für Mercedes-Benz

Adolf Eichmann war ehemaliger Obersturmbannführer der SS. Im Reichssicherheitshauptamt plante er die Deportation und Ermordung der Juden. Nach dem Krieg konnte er aber nach Südamerika fliehen, 15 Jahre lang zog ihn niemand zur Rechenschaft. Eichmann nannte sich in Argentinien Ricardo Klement und führte dort ein kleinbürgerliches Leben.

Der NS-Mann arbeitete bei Mercedes-Benz und er verkehrte mit alten Kameraden. Anderen Nationalsozialisten, die sich ebenfalls nach Argentinien abgesetzt hatten. 15 Jahre vermeintliche Sicherheit für einen der Architekten des Holocaust. Dann kamen die israelischen Agenten.

Die BRD wusste von Eichmanns Versteck

"Später sagte er dann, dass er sich sein Leben lang davor gefürchtet habe. Dass er es erwartet habe, dass Israelis ihn gefangen nehmen", sagte Eitan über die Entführung. Vertreter der damals jungen Bundesrepublik wussten wohl bereits Jahre vor der Entführung, wo sich Eichmann befand. Doch sie blieben untätig. In der Bundesrepublik hatten es NS-Täter in wichtige Positionen des Staates geschafft. Die Regierung in Bonn fürchtete, dass Eichmann über sie auspacken könnte, falls er verhaftet wird.

Und so wandte sich der deutsche, jüdische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer nicht an deutsche Ermittler, sondern an Israel, als er Informationen über Eichmanns Aufenthaltsort erhielt. Israel zögerte zunächst. Aber Bauer machte Druck: Fluchtgefahr. Schließlich die geheime Mission in Argentinien. Eichmann wurde nach Israel geschmuggelt.

Eichmanns Entführung: Ein Schock, eine Sensation

Zwölf Tage nach dem Zugriff in Buenos Aires wandte sich Israels Premierminister David Ben Gurion an das Parlament. Und verkündete, dass sich einer der größten Nazi-Verbrecher nun in Israel befinde. Der israelische Historiker Tom Segev war damals 15 Jahre alt: "Ich kann mich noch gut daran erinnern. Das war wirklich eine unwahrscheinliche Sensation. Ein unwahrscheinlicher Schock. Der Mann ist jetzt hier."

"Wir, die Opfer haben endlich, nach so vielen Jahren die Möglichkeit bekommen, uns um unser eigenes Recht zu kümmern." Tom Segev, israelischer Historiker

Eichmann in Israel war auch deshalb ein Schock, sagt Segev, weil in dieser Zeit im jüdischen Staat nur wenig über den Holocaust gesprochen wurde. "Das war die Zeit des großen Schweigens. Es war so, dass Eltern es ihren Kindern nicht erzählt haben, die Kinder haben nicht gewagt, zu fragen."

Israels Premier wollte einen Prozess, keinen Mord

Die Mossad-Agenten hätten Eichmann in Argentinien auch töten können. Israels Premier Ben Gurion aber wollte ein Zeichen setzen. Er wollte einen Prozess, sagt der Historiker Segev. Am 15. Dezember 1961, anderthalb Jahre nach der Entführung, wurde Adolf Eichmann von einem Gericht in Jerusalem zum Tode verurteilt.

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