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England verschärft die Corona-Maßnahmen | BR24

© dpa-Bildfunk/Aaron Chown

Boris Johnson verlässt die 10 Downing Street auf dem Weg ins Parlament, um dort die nächsten Schritte zur Bekämpfung der Pandemie vorzulegen.

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    England verschärft die Corona-Maßnahmen

    Sperrstunde, Maskenpflicht, Homeoffice - das sind die neuen alten Maßnahmen, mit denen England auf die zuletzt stark gestiegenen Infektionszahlen reagiert. Zur Kontrolle der Vorgaben will Premier Johnson möglicherweise auch das Militär einsetzen.

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    Die Corona-Krise in England verschärft sich: In den vergangenen Tagen wurden täglich 3.500 bis 4.400 neue Infektionen nachgewiesen. Aktuell verdopple sich diese Zahl ungefähr alle sieben Tage. Wenn es in dem Tempo weitergeht, könnte Großbritannien Mitte Oktober fast 50.000 Fälle pro Tag zählen, warnen führende Gesundheitsexperten.

    Boris Johnson spricht von einem "gefährlichen Wendepunkt"

    Premierminister Boris Johnson spricht am Dienstag im Londoner Parlament von einem "gefährlichen Wendepunkt" und verschärft die Maßnahmen gegen die Pandemie. Pubs und Restaurants müssen von Donnerstag an um 22.00 Uhr schließen und dürfen nur noch Tischservice anbieten. Wer sich nicht am Platz befindet, muss einen Mund-Nase-Schutz tragen, gleiches gilt auch für das Servicepersonal. "Es tut mir leid, denn das trifft viele Unternehmen, die gerade erst wieder auf die Beine gekommen sind", so Johnson. "Aber wir müssen handeln."

    Auch in Geschäften und Taxis wird die Schutzmaske verpflichtend. Hochzeiten dürfen nur noch mit maximal 15 Teilnehmern gefeiert werden. Zudem fordert der Premier die Arbeitnehmer auf, wieder möglichst im Homeoffice zu arbeiten. Eine Kehrtwende: Zur Ankurbelung der Wirtschaft hatte sich Johnson wochenlang für die Rückkehr an den Arbeitsplatz eingesetzt.

    Fußballspiele doch vor leeren Rängen

    Auch beim Sport ruderte der Premierminister zurück: Fußballspiele müssen weiterhin vor leeren Rängen stattfinden. "Wir müssen anerkennen, dass die Ausbreitung des Virus unsere Möglichkeiten beschränkt, Konferenzen, Messen oder große Sportveranstaltungen wieder zu öffnen", so Johnson. "Ich weiß um die Auswirkungen für unsere Sportklubs, die Herz und Seele unserer Gemeinschaften sind." Ursprünglich sollten ab 1. Oktober wieder Fans an Sportveranstaltungen teilnehmen dürfen.

    Der Premier betonte, dass es nicht um einen zweiten Lockdown gehe. Schulen und Universitäten blieben geöffnet, die Wirtschaft solle am Laufen bleiben. Er kündigte an, die Polizeipräsenz auf den Straßen zu erhöhen und möglicherweise auch das Militär einzusetzen. Die neuen Schutzvorkehrungen würden streng kontrolliert. Bei Verstößen würden Geldstrafen verhängt. Die Vorgaben sollen voraussichtlich sechs Monate lang gelten. Sollten die Infektionszahlen weiter ansteigen, kündigte der konservative Politiker an, die Maßnahmen weiter zu verschärfen.

    In Nordirland, Schottland und Wales entscheiden regionale Regierungen

    Die neuen Maßnahmen gelten nur für England. In den anderen Teilen Großbritanniens entscheiden die regionalen Regierungen über das weitere Vorgehen. Das werde aber ähnlich sein, stellte Johnson nach einem Treffen mit den Ministern der anderen Landesteile in Aussicht. Im Verlauf des Dienstags verkündete auch die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon verschärfte Maßnahmen.

    Sie wolle, ähnlich wie bereits Nordirland, landesweit Beschränkungen für private Feiern einführen. In Nordirland dürfen sich Bürger in geschlossenen Räumen nur noch mit Personen aus einem weiteren Haushalt treffen. Im Freien sind zwei Haushalte mit maximal sechs Personen erlaubt.

    Johnson: Briten sind zu "freiheitsliebend" für Corona-Regeln

    Als Erklärung für die Unterschiede im Infektionsgeschehen zwischen den europäischen Ländern hat Boris Johnson eine ungewöhnliche Erklärung gefunden: Es gebe "einen wichtigen Unterschied zwischen unserem Land und vielen anderen Ländern der Welt, nämlich dass unser Land ein freiheitsliebendes Land ist", erklärte er, nachdem ihm die Opposition vorgeworfen hatte, dass in Großbritannien die Kontaktverfolgung und das Testprogramm nicht richtig funktionierten.

    In den vergangenen 300 Jahren sei "praktisch jeder Fortschritt, von der Meinungsfreiheit bis hin zur Demokratie", von Großbritannien ausgegangen, fügte der Premier hinzu. "Es ist sehr schwierig, von der britischen Bevölkerung zu verlangen, dass sie einheitlich die Regeln so befolgt, wie es notwendig ist."

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