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Eng verwoben: Politik, PiS-Partei und Kirche in Polen | BR24

© Jan Pallokat

Familie, Nation, Staat und Kirche: Das sind laut PiS-Parteichef Jaroslaw Kaczynski die Grundpfeiler Polens. Die rechtskonservative Partei hat viel Inhalte mit der katholischen Kirche gemeinsam. Doch das schreckt auch manche ab.

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Eng verwoben: Politik, PiS-Partei und Kirche in Polen

Familie, Nation, Staat und Kirche: Das sind laut PiS-Parteichef Jaroslaw Kaczynski die Grundpfeiler Polens. Die rechtskonservative Partei hat viel Inhalte mit der katholischen Kirche gemeinsam. Doch das schreckt auch manche ab.

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Die Kirche als einer der Grundpfeiler Polens, das blieb nicht unwidersprochen. Schließlich schloss Kaczynski einmal mehr den relativ kleinen, aber doch stetig wachsenden Teil der Gesellschaft aus, der sich abwendet von der Kirche. Vor allem junge Menschen, die – wie die Kirche selbst einräumt - sich zusehends nicht mehr angesprochen fühlen und etwa dem Religionsunterricht fernbleiben. Primas Wojciech Polak distanzierte sich Tage später während einer Diskussion im jüdischen Polin-Museum in Warschau von Kaczynski. Die Kirche tut sich schwer mit ihrer Haltung zu einer Regierungspartei, die sich gern als die einzig wahre katholische Kraft im Lande präsentiert.

Inhaltliche und finanzielle Bande

Einerseits hilft die Regierung bestimmte Grundsätze durchzusetzen, etwa in der Frage der künstlichen Befruchtung. Andererseits stößt es liberale Katholiken ab, wenn manche Kirchenführer wie PiS-Wahlkämpfer reden, etwa der Krakauer Bischof Jedraszewski, der nahtlos anschloss an den Kreuzzug, den PiS im Wahlkampf gegen die Homosexuellen-Bewegung führt. Diese verderbe die Jugend und bedrohe die klassische Familie.

Doch es geht nicht nur um inhaltliche, sondern auch um finanzielle Bande. Obwohl der Staat laut Verfassung in weltanschaulichen Fragen neutral ist, finanziert er den Religionsunterricht, ohne inhaltlich mitreden zu können, und über einen Sozialfonds auch die Altersversorgung der Priester. Die sich gerade neu formierende Linksallianz, die als einzige politische Kraft für eine klare Trennung von Staat und Kirche eintritt, ist wohl auch deswegen in Umfragen im Aufwind.

PiS aber übt den Schulterschluss gerade mit dem konservativsten Teil der Kirche; zu den Geburtstagsfeiern des ultrakatholischen Senders Radio Maryja tritt regelmäßig die halbe Regierungsmannschaft an.

Die Stiftungen und Beteiligungen des Medienpfarrers Pater Tadeusz Rydzyk erhielten laut Enthüllungsplattform Okopress seit Beginn der PiS-Regierung öffentlicher Mittel von über 200 Millionen Euro; zuletzt wurde bekannt, dass Mittel für die Krebsbekämpfung in sein Medienimperium umgeleitet wurden, offiziell in ein Programm der Gesundheitsaufklärung.

Die Kirche ringt um ihr Verhältnis zu PiS

Liberale Katholiken protestieren auch immer wieder gegen Priester, die Wahlempfehlungen abgeben. Manchmal greift die Kirchenführung ein. In Lublin maßregelte der Bischof einen Geistlichen, der zur Wahl der PiS-Partei aufgerufen hatte. Aber letztlich ist die polnische katholische Kirche selbst gespalten in der Frage, ob die Vereinnahmung durch die Regierungspartei für sie nun Fluch ist oder Segen.