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Das Ende einer Dienstfahrt: Letzter G7-Gipfel für Merkel

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Ende einer Dienstfahrt: Letzter G7-Gipfel für Merkel

Wohl zum letzten Mal wird Angela Merkel von Freitag bis Sonntag im britischen Cornwall im Kreise der sieben wichtigsten Industrienationen über Klimaschutz, die Pandemie und ihre Folgen sowie aktuelle politische Fragen beraten. Auch mit Joe Biden.

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Von
  • Georg Schwarte

"We can do it. Wir schaffen das", zitierte Boris Johnson auf deutsch die Kanzlerin. 2019 war das. Da war der schrille Brite erstmals als Premier Gast in Berlin und Angela Merkel die Gastgeberin.

Heute ist die Sache umgekehrt. Merkel ist ein letztes Mal im Kreise ihrer lieben G7. Und er, der Brite Boris Johnson, in Carbis Bay in Cornwall der Gastgeber einer selbstbewussten Langzeitkanzlerin: "Ich gehöre schon zu denjenigen, die sehr klar aussprechen können, was sie möchten", sagte Merkel einst auf einem G-7-Treffen. Das haben seither alle längst begriffen oder mühsam begreifen müssen.

Länger bei G7 als die Iron Lady

Merkel ist mittlerweile länger dabei im G7- (früher G8-) Zirkus, als die eiserne Lady Margret Thatcher. Die Kanzlerin hat viel erlebt und viele politisch überlebt. Die Berlusconis dieser Welt, den zappeligen Franzosen Sarkozy und am Ende auch noch Donald Trump. Alle kamen. Alle gingen. Sie blieb.

"Die Bundeskanzlerin ist eine wandelnde vertrauensbildende Maßnahme", sagt Wolfgang Ischinger, Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz. Er meint es ausdrücklich als Kompliment. Berechenbar. Ohne Allüren. Verlässlich sei sie. Das galt und gilt nicht für jeden der Teilnehmer.

Seit Trump war alles anders

Es ist Merkels 15. Gipfel im Kreise der wichtigsten Industrienationen dieser Welt. Aber auch eine vertrauensbildende Maßnahme auf zwei Beinen hatte über die Jahre eine steile Lernkurve. "Ich hab noch nie einen Regierungschef erlebt, der die Zusagen seines Vorgängers wieder in Frage gestellt hat", sagte Merkel einst auf dem G8-Gipfel in Japan. 2008 war das.

Seit Trump aber war alles anders. Seit ihm gilt nicht mehr, was sieben Jahrzehnte Bestand hatte: Wolfgang Ischinger spricht von einer Zeitenwende im deutsch-amerikanischen Verhältnis, denn bis Trump war es für Deutschland unwichtig, ob ein Republikaner oder Demokrat im Weißen Haus sitzt: "Es war im Grunde egal, wer da gewinnt. Waren alles unsere Freunde. Das aber ist nicht mehr so", sagt Ischinger.

Das Verhältnis zu den USA kitten

Europa, Deutschland müsse jetzt Joe Biden helfen, damit Amerika der Welt wieder helfen könne. Ischinger sagt es dramatischer. Joe Biden werde die nächste Wahl verlieren, wenn er den Amerikanern nicht erklären könne, warum seine Außenpolitik der Kooperation gut für sie war.

Hohe Zeit für die Partner, Biden eine helfende Hand zu reichen. Und heute nun kommt dieser Joe Biden. Und mit ihm, sagt der deutsche Außenminister Heiko Maas, beginne der Wiederaufbau von einst internationalen Selbstverständlichkeiten. "Es gehört auch zur Ehrlichkeit dazu, dass wir darauf lange gewartet haben. In den letzten Jahren der Trump-Administration gab es doch Vorgänge, die befürchten ließen, dass die internationale Ordnung nachhaltigen Schaden erleiden wird."

Neue Hoffnung in das Format "G7"

Jetzt also gibt es wieder Ordnung in der internationalen Ordnung. Johann Wadepfuhl, Unionsvizefraktionschef und Außenpolitiker setzt auf dieses Signal heute beim G7-Gipfel im Küstenbadeort Carbis Bay: "Wenn die Bezeichnung 'hirntot' irgendwo stimmte, dann war mindestens eine große Gefahr da, dass das für G7 gelten würde. Jetzt gibt es die große Hoffnung, dass dieses Format wieder funktioniert", sagt Wadepfuhl im ARD-Gespräch.

Und das Format G7 hat ab heute viel auf dem Zettel stehen. Klimaschutz, multilaterale Ansätze, das Werben für die westliche Demokratieform im Wettstreit mit anderen Systemen, allen voran dem chinesischen. Manches war liegengeblieben und untergegangen in der Trump-Sprachlosigkeit. Anderes neu dazugekommen. Die Pandemie zum Beispiel. Präsident Biden reist deshalb heute wohl mit einem Gastgeschenk der Amerikaner an. 500 Millionen Impfdosen für bis zu 100 ärmere Staaten – allerdings über zwei Jahre verteilt.

G7 muss arme Länder mit Corona-Impfstoff versorgen

Über 40 Prozent der Amerikaner sind bereits jetzt zwei Mal geimpft. 21 Prozent der Europäer. 0,5 Prozent beträgt die traurige Impfquote in Afrika. Entwicklungsminister Müller macht das wütend. Die G7 müssten jetzt handeln, fordert er. Denn zwei Drittel der Menschheit gehe es nicht wie Bürgern aus G7-Staaten.

"Ja, Sie haben richtig gehört: Zwei Drittel leben nicht im Reichtum wie wir. Die leben von zwei oder drei Dollar pro Tag. Und diese Menschen haben derzeit keine Perspektive auf einen bezahlbaren Impfstoff." Auch ein Thema bis Sonntag.

Abschied von Merkel

Die Stimmung, heißt es aus deutschen Regierungskreisen: schon jetzt bestens. Der multilaterale Geist sei zurück, eine umfangreiche Abschlusserklärung bereits in Arbeit. Davor aber viele Sitzungen und wohl auch ein bisschen Abschiednehmen im G7-Kreis von der wandelnden, vertrauensbildenden Maßnahme namens Merkel, die dieses Mal wieder und ein letztes Mal von ihrem Ehemann Joachim Sauer zum Gipfel begleitet wird.

"Fürchtet Euch nicht vor Deutschland!"

Wolfgang Ischinger übrigens hat an die USA, Japan, Kanada, Italien, Großbritannien und Frankreich, die sich möglicherweise fragen, wie es weitergeht mit G7 ohne Merkel, diese Antwort – auch mit Blick auf die kommende Bundestagswahl: "Fürchtet Euch nicht vor Deutschland! Wir bleiben in einer Grundkontinuität. Kleingedrucktes mag sich verändern. Aber die großen Linien werden bleiben. Und das ist doch eine gute Nachricht", findet Wolfgang Ischinger.

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Eine Milliarde Corona-Impfdosen für arme Länder. Das könnte ein Ergebnis des G7-Gipfels sein. Allein die USA hatten schon 500.000 Dosen versprochen - Gastgeber Großbritannien weitere 100 Millionen.