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Ende des Geldregens durch Corona? Bundesliga und Pay-TV-Rechte | BR24

© Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

ARCHIV - 06.12.2015, Sachsen, Leipzig: Eine Fernsehkamera steht hinter einer Sky-Bande

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    Ende des Geldregens durch Corona? Bundesliga und Pay-TV-Rechte

    Es geht längst nicht mehr um Millionen, sondern um Milliarden: Rund 4,8 Mrd. Euro brachte die Vergabe der TV-Rechte der DFL für die vier Spielzeiten von 2017 bis 2021 ein. Für die nächste Runde wurde ein Mega-Deal erwartet – doch dann kam Corona.

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    Knapp 1,2 Milliarden Euro nehmen die 36 Vereine der 1. und 2. Bundesliga derzeit pro Saison ein – fast eine Verdoppelung im Vergleich zu den Jahren davor. Für den kommenden Vierjahreszyklus ab der Saison 2021/22 erwartete die Deutsche Fußball Liga DFL einen "Mega-Deal", am Schluss sollten deutlich über fünf Milliarden Euro in der Kasse klingeln.

    Doch dann kam Corona. Und auch wenn die Liga jetzt wieder mit "Geisterspielen" startet – die Voraussetzungen für den nächsten Rechtepoker haben sich geändert. Dabei geht es bei den Einnahmen für die TV-Übertragungsrechte seit vielen Jahren steil bergauf.

    Wie die Bundesliga zu viel Geld kam

    Rückblick: Es ist genau 20 Jahre her, da gab es den ersten Geldregen für die Liga. Der schillernde Medienunternehmer Leo Kirch kaufte im April 2000 die TV-Rechte für drei Milliarden D-Mark für vier Jahre. Fußball live wanderte damals in Deutschland erstmals ins Pay-TV, der neue Bezahl-Sender hieß Premiere – und Kirch ging zwei Jahre später Pleite, nicht nur, aber auch wegen der teuren Fußballrechte.

    Premiere überlebte, wurde mehrfach übernommen und heißt heute Sky. Sky zahlt den Löwenanteil der TV-Gelder, dafür gab es lange Jahre alle Live-Spiele plus Bundesliga-Konferenz exklusiv.

    Über fünf Millionen Abonnenten hat das dem Sender im Laufe der Zeit eingebracht, wer ein Sky-Abo hat, hat auch Freunde. Die ARD-Sportschau und das ZDF-Sportstudio mussten sich mit der Nachverwertung zufriedengeben.

    Wie das Pay-TV-Monopol von Sky zu bröckeln begann

    2016 traten neue Player auf, bei den Verhandlungen für den jetzigen Vierjahreszeitraum. Das Kartellamt verbot die Vergabe der Pay-TV-Rechte an nur einen Anbieter. Den Zuschlag für einen Teil der Spiele bekam, neben Sky, daher Eurosport, das später an den Streaminganbieter Dazn sublizensierte. Weil die Konkurrenten die Preise in die Höhe trieben, haben sich für die DFL die Einnahmen für die Jahre 2017 bis 2021 noch einmal fast verdoppelt.

    "Dadurch kam es zu zwei gravierenden Veränderungen", sagt Michael Schaffrath, Kommunikationswissenschaftler von der TU München. "Aus Sicht der Fans waren es sogar veritable Verschlechterungen: Zum einen musste man ein zweites Abo abschließen, weil man jetzt Spiele live nicht nur bei Sky gucken konnte, sondern auf Eurosport respektive Dazn ausweichen musste. Und der zweite Nachteil ist die Zersplitterung des Bundesligaspieltages mit mehr Anstoßzeiten, um die Spiele für die Sender refinanzierbar zu machen, aber das hat den Fans natürlich auch nicht geschmeckt."

    Viele Fans haben jetzt in der zwangsweisen Spielpause reagiert und ihre Abos gekündigt. Wobei das bei Dazn einfacher ist, weil man da monatlich aus seinem Vertrag aussteigen kann.

    Wie die Corona-Krise unsichere Geldströme aktiviert

    Als Corona Mitte März den Fußball stoppte, war gerade die vierte Tranche der TV-Gelder für die laufende Bundesliga-Saison fällig. Eine Reihe von Klubs sind darauf offensichtlich angewiesen – sie haben trotz Millioneneinnahmen nicht genügend Rücklagen, um ein paar Wochen zu überbrücken. Sky und die anderen Rechteinhaber ließen sich auf einen Deal ein: Sie haben Vorauszahlungen geleistet – in der Annahme und Hoffnung, dass der Ligabetrieb wiederaufgenommen wird. Der dickste Brocken kam von Sky, angeblich 250 Miollionen Euro, kleinere Summen von ARD und ZDF für audiovisuelle Rechte.

    Nur einer hat sich geweigert: Eurosport – und damit ist auch Sublizenznehmer Dazn aus dem Spiel. Der Sender Eurosport steckt in Schwierigkeiten, denn auch andere Ligen pausieren und die Olympischen Spiele in Japan, an denen er wesentliche Rechte hält, wurden verschoben.

    Der Druck, den Spielbetrieb wieder aufzunehmen, ist also riesig: Denn die Klubs müssten die Abschlagzahlungen von Sky & Co sonst zurückzahlen. Und umgekehrt gilt: Ohne die Ware Fußball haben die Bezahlsender zu wenig zu bieten. Ein wesentlicher Grund, warum in der Politik so viel Druck gemacht wurde, ab Mitte Mai zumindest "Geisterspiele" wieder zuzulassen.

    Wie es mit den Bundesliga-Rechten weitergehen könnte

    Eigentlich sollte in diesen Wochen gezockt werden, hinter verschlossenen Türen in der DFL-Zentrale in Frankfurt. Ein Bieter-Feuerwerk um die Rechtepakete von 2021 bis 2025 war noch vor kurzem erwartet worden, noch mehr Milliarden – doch angesichts der Krise wurde die Auktion erst einmal verschoben, mindestens bis Juni. Und dann dürften die bietenden Firmen vorsichtiger werden. Der Kommunikationswissenschaftler Michael Schaffrath gibt zu bedenken, die Corona-Pandemie könne ja auch in Zyklen verlaufen. Das müsse jeder bei künftigen Rechteverhandlungen einpreisen. "Vielleicht kommen wir jetzt im Mai, Juni ganz gut zurecht und können wieder Fußballspiele veranstalten und ausstrahlen. Aber was machen wir denn, wenn im Oktober, November die Pandemie neu aufflackert? Diesen potentiellen Corona-Rückfall, diese Gefahr muss man zumindest antizipieren, wenn man jetzt vernünftig um Fußballrechte mitbieten will."

    Das würde bedeuten, dass die Traumpreise, die Liga, Vereinen und Spielern vorschwebten, nicht mehr realisierbar sein werden.

    Was die Interessen von Streaminganbietern sind

    Doch für die nächste Runde scharrt schon ein neuer Player mit den Hufen: Amazon. Der US-Konzern hat bereits 2016 ein kleines, unbedeutendes Paket mit Audio-Rechten fürs Internet erworben und damit einen Fuß in der deutschen Fußballszene. Experten erwarten, dass das finanzstarke internationale Unternehmen, ein großer Profiteur der Krise, bei der Bundesliga-Auktion mitbieten wird.

    Durch Amazon könnten Sky und Dazn in Zugzwang geraten und mehr Geld aufrufen, als es die aktuelle Situation eigentlich zulässt. Auch Telekommunikations-Unternehmen wie die Deutsche Telekom oder Vodafone gelten als Fußball-Interessenten für ihre Online-Plattformen. Allerdings hat die DFL ausgeschlossen, dass für die kommende Periode die meisten Rechte an einen Streaminganbieter gehen könnten – dazu ist die Breitband-Internet-Abdeckung in Deutschland einfach noch zu schlecht.

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