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Ende des Ramadan: Wie lief das Fasten in Corona-Zeiten? | BR24

© picture alliance/Geisler-Fotopress

In Corona-Zeiten beten Muslime während des Ramadan alleine, um die Ausbreitung des Virus zu vermeiden. Foto aus der Penzberger Moschee.

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    Ende des Ramadan: Wie lief das Fasten in Corona-Zeiten?

    Am Samstagabend endet für die Muslime in Bayern der Fastenmonat Ramadan. Wegen der Corona-Pandemie konnten kaum Gottesdienste in den Moscheen stattfinden. Eine schwierige Situation, der viele Muslime aber auch etwas Gutes abgewinnen konnten.

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    Das Coronavirus stellte die Muslime in Bayern und auf der ganzen Welt in diesem Jahr vor eine nie dagewesene Situation, die so gar nicht zum Wesen des Fastenmonats passt: Untertags wurde zwar gefastet und damit versucht, sich auf das Wesentliche im Leben zu konzentrieren. Am Abend nach Sonnenuntergang konnte aber das Fastenbrechen nicht in großer Runde begangen werden. Die Gemeinschaft, der zweite wichtige Aspekt des Ramadan, konnte aber nur sehr eingeschränkt gelebt werden.

    Sehr ruhiger Ramadan im engsten Familienkreis

    "Es war ein sehr ruhiger Ramadan", fasst Aykan Inan, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des DITIB-Landesverbands Südbayern, die vergangenen Wochen zusammen. Normalerweise sind Muslime abends in der Moschee und anschließend beim Fastenbrechen zu Gast bei Familie und Freunden. Dieses Jahr fand alles im engsten Familienkreis statt. "Es war intensiv, persönlich und familiär, was das Positive an dieser Situation war", sagt Inan, "aber das Gemeinschaftsgefühl hat schon gefehlt."

    Ähnlich sieht dies auch der Imam der Penzberger Moschee Benjamin Idriz. Einerseits wäre der Ramadan in Corona-Zeiten sehr gut gewesen, da der familiäre Zusammenhalt gestärkt wurde. Andererseits habe die gemeinschaftliche Atmosphäre gefehlt: "Das Online-Angebot ist kein Ersatz dafür, was die Menschen in einer Moschee fühlen oder erleben können."

    Drei Gebete täglich - per Facebook und Youtube

    Trotzdem versuchte der Imam alles, um seinen Gemeindemitgliedern in dieser wichtigen Zeit nahe zu sein. Per Facebook- und Youtube-Livestream wandte er sich dreimal täglich an die Gläubigen. Das erste mal schon um 4 Uhr am Morgen, wenn das Fasten begann. Auch wenn die Penzberger Moschee seit dieser Woche wieder von 16 bis 18 Uhr geöffnet ist, ist der Andrang nicht besonders groß. Gemeinsame Gebete finden noch nicht statt.

    Festgebet in vielen Moscheegemeinden nur online

    Auch das Festgebet zum Ende des Ramadan am Sonntag um 6 Uhr wird in Penzberg nur online stattfinden. "Üblicherweise kommen 500 bis 600 Menschen zum Festgebet", erzählt Idriz. Mit den aktuellen Hygiene-Regeln dürften aber lediglich 50 Gläubige gleichzeitig in der Moschee sein. "Wer darf rein und wer nicht? Das ist eine sehr schwierige Entscheidung. Wir wollen die Menschen nicht selektieren."

    Dieses Problem haben viele Moscheegemeinden, weiß auch Aykan Inan. Sie könnten laut den Vorgaben der bayerischen Staatsregierung nur zehn bis zwölf Personen einen Platz bieten. Beim Angebot eines Festgebets würden aber über 100 kommen. Dort, wo ein Festgebet angeboten wird, "kommt auf die ehrenamtlichen Vorstände viel Arbeit zu", sagt Inan. "Viele Menschen müssen abgewiesen werden, was nicht schön ist. Aber die Gesundheit geht vor."

    Fest des Fastenbrechens beginnt am Samstagabend

    Der Zentralrat der Muslime (ZMD) in Deutschland empfiehlt weiterhin, alle Gemeinschaftsgebete, mindestens aber die Freitagsgebete und Festgebete in der Moscheegemeinschaft bis 31. Mai auszusetzen. "Es ist unsere religiöse Verpflichtung, diese für alle muslimischen Gläubigen schmerzlichen Einschnitte in der Corona-Zeit zum Schutze unserer Mitmenschen auf uns zu nehmen. Wir sehen darin, Gottes Wohlgefallen zu finden", teilte der ZMD-Vorsitzende Aiman A. Mazyek in einer Erklärung mit.

    Das Fest des Fastenbrechens ist einer der höchsten muslimischen Feiertage und beginnt dieses Jahr am Samstagabend. Es ist vergleichbar mit dem christlichen Weihnachtsfest. Normalerweise wird die Zeit des Fastens mit einem großen Familienfest und einem gemeinsamen Essen beendet. Ob dies in diesem Jahr auch so ist, ist sich Imam Idriz nicht ganz so sicher: "Die Menschen sind sehr vorsichtig und gehen sehr vernünftig damit um." Deshalb werden sich die meisten Muslime wohl wieder nur im Familienkreis treffen - zu Hause und nicht in der Moschee.

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