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Tierschützer steigen aus | BR24

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Schweine in enger Haltung im Stall

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Tierschützer steigen aus

Erstmals wurden Kriterien zur Schweinehaltung für ein staatliches Tierwohllabel vorgestellt. Größtenteils sollen bestehende Gesetze und EU-Vorschriften zertifiziert werden. Tierschutzorganisationen distanzieren sich nun öffentlich von den Plänen.

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Landwirtschaftsminister Schmidt mit Tierwohllabel

Auf der Grünen Woche im Januar hatte Landwirtschaftsminister Christian Schmidt sein staatliches Label noch mit viel Pomp vorgestellt. Das Logo im Blitzlichtgewitter enthüllt, den Bedarf mit Zahlen untermalt:

"Ein staatliches Tierwohllabel wünschen sich 79 Prozent der Befragten. Das ist auch ein Ausdruck dafür, dass momentan vielen Verbrauchern die Orientierung beim Einkauf zu diesem Thema nicht ausreichend ist, dass sie fehlt." Christian Schmidt, CSU, Bundeslandwirtschaftsminister im Januar 2017

Als es jetzt jedoch darum ging, dem Verbraucher zu erklären, was genau hinter dem staatlichen Tierwohl-Label stecken wird, tat der Minister das von der Öffentlichkeit fast unbemerkt. Keine große Pressekonferenz. Kein Medienrummel. Im Gegenteil: In einer Runde weniger ausgewählter Journalisten - einem sogenannten "Hintergrund" - hat Schmidt die Kriterien zur Schweinehaltung präsentiert.

Neues staatliches Tierwohl-Label: kaum Verbesserungen

Nun sind die Kriterien für die Schweinehaltung also öffentlich und es zeigt sich, was Tierschützer befürchtet und BR Recherche und SZ bereits vor drei Wochen aufgedeckt haben: .

Neben ein wenig mehr Platz pro Tier - der einzig wahren Verbesserung - präsentiert Schmidt tatsächlich die Einhaltung von EU-Richtlinien und Gesetzen als Fortschritt. Etwa das Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration – die ohnehin ab 2019 nicht mehr zulässig sein wird.

Das, was Tierschützer besonders kritisieren, soll auch mit Label weiterhin erlaubt bleiben.

"Entscheidende Missstände wie Ringelschwanzkürzen oder Haltung auf Vollspaltenboden – das ist also Beton ohne Einstreu – werden jetzt als Tierwohl ausgezeichnet. Das ist ein Skandal." Ina Müller-Arnke, Tierschutzstiftung Vier Pfoten

Aus dem Ministerium heißt es in puncto Schwanzkupieren: "Der Kriterienkatalog des Tierwohllabels wird helfen, das Problem zu lösen. Labelbetriebe müssen den Einstieg in den Ausstieg dokumentieren. In der Premiumstufe ist das Kupieren der Schwänze verboten."

Tierschutzorganisationen machen nicht mehr mit

Vier Pfoten hat den Austritt aus der Arbeitsgruppe erklärt, so wie auch die Albert-Schweitzer-Stiftung für unsere Mitwelt, der Bundesverband Tierschutz, der Bund gegen Missbrauch der Tiere und Provieh. Auch der Deutsche Tierschutzbund verurteilt das Vorpreschen des Ministers.