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Ende der Wartezeit: Wasserstoff-Strategie kommt | BR24

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Vor den Kabinetts-Beratungen hat Bundesumweltministerin Schulze für den Ausbau der Wasserstoffproduktion geworben. Deutschland verfüge über die Technik. Industrie und Arbeitsmarkt könnten davon profitieren, sagte Schulze in der ARD.

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Ende der Wartezeit: Wasserstoff-Strategie kommt

Wasserstoff ist für das Erreichen der Klimaziele als Energieträger unverzichtbar. Eigentlich hatte die Bundesregierung ihre Wasserstoff-Strategie bereits Ende 2019 verabschieden wollen - doch sie ständig verschoben. Nun soll es jedoch soweit sein.

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"Erdöl von morgen" oder auch "Retter der Energiewende" – Lobeshymnen auf den Wasserstoff singt sie Bundesregierung schon eine ganze Weile. Doch um sich auf eine gemeinsame Strategie für den "Energieträger der Zukunft" zu einigen, war erstmal eine echte politische Energieleistung erforderlich:

"Wir haben uns auf die Eckpunkte der Wasserstoffstrategie geeinigt. Das hat schon viel Gesprächsbedarf gefordert. Das ist jetzt geschehen" verkündete Kanzlerin Merkel bei der Vorstellung des Konjunkturpakets vergangene Woche. Kritiker hatten zuvor bereits gewarnt: Wenn sich die Regierung nicht beeile, werde es angesichts einer nicht untätigen Konkurrenz schwierig, dieses von Wirtschaftsminister Altmeier bereits im Herbst 2019 verkündete Ziel zu erreichen.

"Wir wollen, dass Deutschland bei den Wasserstofftechnologien die Nummer 1 in der Welt wird." Peter Altmeier (CDU), Wirtschaftsminister

"Wasserstoff-Weltmeister" – ein ehrgeiziges Ziel

Doch schon bald soll der Energielieferant in großem Stil auch in Deutschland vor allem der Industrie helfen - etwa bei der Stahlherstellung. Wasserstoff soll die Verkehrswende ermöglichen, vor allem Schwerlaster, Schiffe, Flugzeuge antreiben. Und das möglichst sauber: "Der grüne Wasserstoff ist für mich das zentrale Thema im Energiebereich und zur Vermeidung von CO2-Emissionen", unterstreicht die Ministerin für Bildung und Forschung, Anja Karliczek (CDU).

"Die Farbe" des Wasserstoffs

Ob der Wasserstoff nämlich blau, grau oder aber grün ist, das ist viel mehr als eine Frage des farblichen Geschmacks: Um den Energieträger zu erzeugen, - sprich: Wasser (H2O) in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff aufzuspalten - muss zunächst jede Menge Energie eingesetzt werden. Geschieht dies gänzlich mit Strom aus Wind- oder Sonnenkraft, spricht man von "grünem" Wasserstoff.

Wo kommt die Erzeugungsenergie für Wasserstoff her?

"Die Bundesregierung setzt mit großem Tamtam auf Wasserstoff, ohne zu erklären, wo der erneuerbare Strom herkommen soll, den man braucht, damit Wasserstoff klimafreundlich wird." Ingrid Nestle, Grünen-Sprecherin für Energiewirtschaft

Kritisiert die Sprecherin für Energiewirtschaft der Grünen-Bundestagsfraktion, Ingrid Nestle, im Interview mit dem ARD-Hauptstadtstudio. In der Tat heißt es in dem Strategie-Papier, auf das sich die Ministerien nach zähem Ringen geeinigt haben, dass "nur Wasserstoff, der auf Basis erneuerbarer Energien hergestellt wurde ("grüner“ Wasserstoff), auf Dauer nachhaltig" sei. Doch zwei Dinge sind klar: Noch ist CO2-freier Wasserstoff überhaupt nicht wirtschaftlich. Und: Beim derzeitigen Ausbautempo von Wind- oder Sonnenenergie wird noch im Jahr 2030 der Löwenanteil des erzeugten "grünen" Wasserstoffs nicht aus Deutschland kommen, sondern wird importiert werden müssen.

Wasserstoff ist kein "nationales" Thema

"Letztlich werden wir es europäisch denken müssen. Wir werden alleine als Wasserstoffproduzent national nicht weiterkommen", mahnt der SPD-Bundestagsabgeordnete Matthias Miersch, der dabei an die Erschließung erneuerbarer Energiequellen etwa in Südeuropa denkt. Und auf die EU hofft. Vielleicht ist ja hilfreich, dass Deutschland schon in drei Wochen die EU-Ratspräsidentschaft übernimmt.

Doch auch wenn es nun immerhin eine Wasserstoff-Strategie der Bundesregierung gibt – deren Umsetzung dürfte die eigentliche Herausforderung werden. Und der angestrebte Wasserstoff-Weltmeister-Titel ist noch fern.

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