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Bundeskanzlerin Angela Merkel
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Jasper Ruppert
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Bundeskanzlerin Angela Merkel

Nach 18 Jahren hat Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre letzte Rede als Parteichefin der CDU gehalten. "In der Stunde des Abschieds", wie Merkel sagte, bedankte sie sich zunächst bei langjährigen Wegbegleitern, um anschließend einen Rückblick auf ihre Zeit an der Spitze der Partei zu geben.

Spendenaffäre als größte Herausforderung

Immer wieder bezog sie sich auf den Parteitag, als sie zum ersten Mal zur Parteichefin gewählt wurde – im Jahr 2000 in Essen. Lange sprach Merkel über das Motto dieses Parteitags: "Zur Sache". Selbstironisch fügte sie an: "Typisch Merkel - knochentrocken."

Aber eben jenes Jahr beschrieb Merkel als das schwierigste der Partei. "Die Zeiten heute sind fordernd, ohne jeden Zweifel", sagte Merkel, um zu ergänzen, dass die Bewältigung der Spendenaffäre aber die weitaus größere Herausforderung für die Partei gewesen sei.

Nicht bei allen Themen Applaus

Merkel verteidigte die Bilanz ihrer Zeit als Kanzlerin. Bei der Nennung von Wahlsiegen oder politischen Zielen wie dem ausgeglichenen Staatshaushalt unterbrachen sie die Delegierten immer wieder mit längerem Applaus. Bei der Verteidigung der Bundeswehr-Reform und des Handelns während der Flüchtlingskrise 2015 waren die Reaktionen aber spürbar zurückhaltender in der Hamburger Messehalle.

Probleme innerhalb der Partei benannte Merkel ebenfalls. "Wohin nicht enden wollender Streit führt, das haben CDU und CSU in den letzten Jahren bitterlich erfahren", erklärte die Kanzlerin. Auch sei sie sich bewusst, dass sie die Nerven der Partei "sehr auf die Probe gestellt habe", weil sie auf Attacken auf politische Gegner weitestgehend verzichtet habe.

"…und Kanzlerin bin ich ja auch noch"

Merkel sprach auch über die Zukunft der Partei. Die CDU solle auf diesem Parteitag die Weichen dafür stellen, dass Deutschland über Jahre noch von den Christdemokraten regiert werde. Dass sie trotz Abschieds von der CDU-Spitze noch lange nicht weg ist, machte sie auch klar: "Für meine Verbundenheit mit dieser Partei brauche ich keinen Vorsitz - und Bundeskanzlerin bin ich ja auch noch."

Abgrenzung nach rechts

Zum Ende hin grenzte sie die CDU deutlich von der AfD ab, ohne die Partei um Alexander Gauland beim Namen zu nennen: "Wir Christdemokraten grenzen ab, aber nicht aus […] Wir Christdemokraten machen keine Unterschiede bei der Würde des Menschen". Eine ganze Reihe dieser Statements sorgte für tosenden Applaus im Publikum.

Merkel schloss ihre halbstündige Rede mit einem Dank an die Partei: "Es war mir eine große Freude, es war mir eine Ehre." Es folgten sieben Minuten stehende Ovationen für die Kanzlerin, die ob des Jubels sichtlich gerührt war.