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Studie: Eltern unterschätzen Zuckergehalt in Lebensmitteln | BR24

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    Studie: Eltern unterschätzen Zuckergehalt in Lebensmitteln

    Auch vermeintlich gesunde Lebensmittel enthalten jede Menge Zucker - viele Verbraucher wissen das nicht. Eine neue Studie zeigt: Auch Eltern sind häufig in Unkenntnis - und riskieren damit unbewusst die Gesundheit ihrer Kinder. Von Yvonne Maier

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    Pommes mit Ketchup – mag jedes Kind. Und auch viele Erwachsene. Gesund ist das nicht, fettig die Pommes, viel Zucker im Ketchup. Das wissen auch die meisten Eltern. Doch es gibt viele andere Nahrungsmittel, bei denen Mütter und Väter unterschätzen, wie ungesund sie sind, sagt Gesundheitspsychologin Mattea Dallacker vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. Sie nennt als Bespiel den Fruchtjoghurt (250 Gramm), der fast genauso viel Zucker enthält wie ein Glas Cola.

    Gesundes Image, hohe Zuckerwerte

    305 Elternteile hat Mattea Dallacker schätzen lassen, wie viel Zucker spezielle Kindernahrungsmittel enthalten. Alle Versuchsteilnehmer hatten mindestens ein Kind zwischen sechs und 12 Jahren und waren zuhause für die Mahlzeiten zuständig. Abgefragt hat Mattea Dallacker: Orangensaft, Cola, Fertigpizza, Fruchtjoghurt, Müsliriegel und Ketchup. Das Ergebnis: Die Eltern unterschätzten den Zuckergehalt häufig, zum Teil massiv. 80 Prozent der Eltern hätten zum Beispiel die Zuckermengen von Fruchtjoghurt oder Orangensaft im Durchschnitt um sieben Zuckerwürfel, so Dallacker. Das sei bereits die Hälfte an Zucker, die ein normaler Erwachsener an einem Tag höchstens essen soll. Die Gesundheitspsychologin und ihre Kollegen haben eigener Aussage nach mit dem Ergebnis gerechnet, "weil die Zuckermengen in vielen Lebensmitteln auf den ersten Blick nicht erkenntlich sind".

    Probleme der Kennzeichnung

    Das liegt unter anderem daran, wie Zucker auf verarbeiteten Lebensmitteln ausgezeichnet ist. Das bestätigt auch die Ernährungswissenschaftlerin Eva-Maria Gokel vom Kern, dem Kompetenzzentrum für Ernährung in Freising: "Zucker hat viele Namen", erklärt Gokel, "er kann zum Beispiel als Saccharose, Dextrose, Raffinose, Glukosesirup deklariert werden, und das alles zusammen gibt dann die Gesamtmenge an Zucker."

    Fast unmöglich, da noch durchzublicken. Die Ernährungswissenschaftlerin empfiehlt, sich die Zutatenliste genau anzuschauen – wenn Zucker sehr weit oben in der Liste genannt wird, dann ist davon im Verhältnis zu den anderen Zutaten auch viel drin. Doch eine bessere Auszeichnung muss nicht unbedingt dazu führen, dass wir uns alle gesünder ernähren, warnt sie.

    Gewohnheit, Preis und Kinder bei Produktwahl oft wichtig

    Denn es gibt viele Gründe, warum ein bestimmtes Lebensmittel im Einkaufswagen landet. Da sei zum einen der Preis, sagt Gokel. Zum anderen das gewohnte Produkt, nach dem man greift. Und dann gebe es vielleicht auch Kinder oder andere Familienmitglieder, die nur dieses eine Produkt wollen.

    Was die Studie von Matthea Dallacker erstmals gezeigt hat: die Eltern, die die Zuckergehalte der Nahrungsmittel am deutlichsten unterschätzt haben, hatten auch die dicksten Kinder. Damit sich das nicht weiter fortsetzt, sind wohl noch viel Psychologie, Weiterbildung und Einflussnahme auf die Lebensmittelindustrie nötig. Eine große Verantwortung dabei haben die Eltern – sie bestimmen, was auf den Tisch kommt. Sie brauchen Geduld, denn richtig Essen muss ein Kind erst lernen. Es gehe darum, Kindern gesunde Lebensmittel immer wieder anzubieten.