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Im Schnitt produziert jeder Deutsche 20 Kilogramm Elektroschrott im Jahr. Auch weil eine Reparatur eines defekten Geräts oft genauso teuer wie ein neues ist. Unsere Reporterin hat getestet, wie schwer es ist, einen Drucker vor dem Müll zu retten.

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Elektroschrott reparieren oder entsorgen - wann lohnt sich was?

Lifecircle-Management, also der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen, rückt zunehmend in den Fokus. Vor allem bei technischen Geräten stellt sich die Frage: Was tun, wenn sie defekt sind - entsorgen oder reparieren? Und wo ist das möglich?

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Von
  • Alexander Dallmus

Qualität hat ihren Preis – das zeigen ganz unterschiedliche Untersuchungen, Erfahrungswerte und auch Tests: Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen Preis und Langlebigkeit. Billige Produkte sind kurzfristig vielleicht gut für den Geldbeutel, auf lange Sicht aber gehen sie dennoch ins Geld und schaden – wenn sie früher Schrott sind – auch der Umwelt.

Und das hängt – wie etwa die Stiftung Warentest in einigen Kategorien stichhaltig belegt hat – unter anderem davon ab, welche Materialien im Einsatz sind, wie sie verbaut werden und ob es langfristig Ersatzteile gibt.

Nicht alles soll auch repariert werden können

Markenqualität und vor allem der Preis sind natürlich keine Garantie für ein langlebiges Produkt, aber No-Name-Firmen, die ihre Elektroartikel verramschen, haben schließlich auch keinen Ruf zu verlieren und verbauen die Materialien oft so, dass ein Austausch von Komponenten gar nicht mehr vorgesehen ist.

Hinzu kommt ein weiterer, psychologischer Aspekt, der von Bedeutung ist: Wenn ein Gerät besonders billig ist, wertschätze ich es auch nicht sonderlich. Die Verbraucher sind also eher geneigt, es weniger pfleglich zu behandeln und schneller zu entsorgen.

Um Smartphone-Akkus zu tauschen, braucht es den Fachmann

Ein allgemeiner Trend, der bei Elektrogeräten für viel Schrott sorgt, lässt sich gerade bei modernen Smartphones ganz gut belegen. Eine der größten Schwachstellen des Mobiltelefons ist der Akku. Sinkt hier die Leistung rapide ab, wächst der Frust beim Nutzer und zugleich der Wunsch nach einem besseren und leistungsfähigeren Gerät. Oftmals schwächelt eigentlich nur der Akku, während der Rest des Smartphones noch ohne Einschränkungen läuft.

Früher haben sich Batterien oder Akkus selbstständig – auch ohne große Technikkenntnisse – austauschen lassen. Die meisten Gehäuse können aber heutzutage ohne Fachkenntnisse oder Spezialwerkzeuge gar nicht mehr geöffnet werden. Der Batteriewechsel geht nur noch im Fachgeschäft, was den Austausch aufwändiger und auch teurer macht. Natürlich liegt das auch an den Anforderungen, etwa dass das Gerät möglichst wasserdicht sein soll usw. – aber indem immer mehr Mikroelektronik in immer kleinere Geräte "gestopft wird", nimmt auch die Anfälligkeit der Produkte zu.

Kunden müssen sich selbst schlau machen

Verbraucher sollten sich also möglichst schon vor dem Kauf erkundigen: Kann das Gerät überhaupt repariert werden oder ist schon am Aufbau erkennbar, dass beispielsweise ein Öffnen des Gehäuses gar nicht möglich ist? Außerdem lässt sich im Fachhandel in Erfahrung bringen, wie lange Ersatzteile vorrätig sind und ob einfache Reparaturen eventuell selbst durchgeführt werden können.

Finanziell lohnt sich eine Reparatur oft nicht

Verschiedene Untersuchungen von Stiftung Warentest der vergangenen Jahre fallen eher ernüchternd aus. Deren Fazit: Fällt ein Defekt außerhalb der gesetzlichen oder zusätzlichen Garantieleistungen, lohnt sich eine Reparatur – zumindest aus finanzieller Sicht – oft kaum.

Am Beispiel Waschmaschine rechnet die Stiftung Warentest vor, dass in der üblichen Nutzungszeit von etwa 15 Jahren, im Schnitt zwei Reparaturen fällig werden. Lässt man die oft teuren Reparaturen vom Kundendienst wieder richten, kommt das nur wenig günstiger, als würde man sich gleich beim ersten Defekt (nach durchschnittlich acht Jahren) gleich eine neue Waschmaschine kaufen.

Je länger die Geräte laufen, desto besser für die Umwelt

Was sich finanziell also kaum auszahlt, wird für die Umwelt zur Katastrophe. Immer neue Geräte, die in Umlauf gebracht werden, weniger lange in Gebrauch sind und dann – im günstigsten Fall – auf dem Wertstoffhof landen. Wer also nachhaltig leben möchte, sollte versuchen, die Geräte möglichst lange am Laufen zu halten – auch wenn es sich für einen selbst, finanziell, nicht auszahlt. "Ein Gerät, das in 15 Jahren viermal repariert wird, spart gegenüber einem Neukauf etwa ein Viertel Energie und andere Ressourcen ein", überschlägt Stiftung Warentest.

Bei Kleingeräten fällt die persönliche Kosten-Nutzen-Bilanz in Sache Reparierbarkeit sogar noch drastischer aus. Bei älteren Staubsaugern, die noch mehr als 1.000 Watt Leistung bringen, lohnt sich eine Reparatur durch einen Fachbetrieb in der Regel kaum. Ein etwas anderes Bild ergibt sich, wenn man kleine Defekte selbst versucht, zu beheben, oder in ein Repair-Café geht. In einer Umfrage stellt Stiftung Warentest fest: "Drei Viertel der Teilnehmer haben ihren Sauger selbst repariert."

Politik könnte Reparierbarkeit von Geräten verbessern

Um Elektroschrott grundsätzlich zu vermeiden und Produkten ein längeres Leben zu ermöglichen, werden derzeit verschiedene Möglichkeiten diskutiert: Eine Variante wäre es, die Vorgabe der EU-Ökodesign-Richtlinie – die sich auf die garantierte Verfügbarkeit von Ersatzteilen bezieht – auf alle Elektro- und Elektronikgeräte auszuweiten. Bislang sind hier nur sehr spezielle Produktgruppen erfasst.

Ebenfalls in der Diskussion: Ein unabhängiges Register für "fachlich kompetente Reparateure" in allen EU-Mitgliedstaaten. Da könnten dann nicht nur die Kundendienste der Hersteller aufgeführt werden, sondern eben auch freie Reparaturbetriebe oder auch qualifizierte Repair-Cafés.

Repair-Cafés und Anleitungen aus dem Netz

Gerade letztere verzeichnen einen ungeheuren Boom in ganz Deutschland. Offene Werkstätten, Repair-Cafés oder auch Reparatur-Initiativen gibt es in vielen Städten und Gemeinden. Hier können Bürger von ehrenamtlichen Experten nicht nur kaputte Geräte wieder zum Laufen bringen lassen, sondern sich auch selbst Kompetenzen aneignen, quasi für’s nächste Mal. Da die Reparaturen selbst gratis angeboten werden – bis auf die Kosten für Ersatzteile – lohnt es sich dann manchmal auch, einen eher günstigen Kaffeevollautomaten instand setzen zu lassen.

Wer es sich zutraut, kann über Anleitungen aus dem Netz auch selbst versuchen, Hand anzulegen. Mittlerweile gibt es über kostenlose Netzwerke wie ifixit.com oft zu Produkt und Typ eine Fehlersuche und entsprechende Videos oder Reparaturtipps.

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Pro Person fallen im Schnitt pro Jahr 22 Kilogramm Elektroschrott an. Doch weniger als die Hälfte davon wird ordnungsgemäß entsorgt. Große Mengen wertvoller Rohstoffe gehen so verloren. Zudem enthalten viele Geräte gefährliche Substanzen. #fragBR24

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