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Podcast von "Fridays for Future": So klingt das Demo-Tape | BR24

© FFF/Youtube

Plastikmüll, Greenwashing und das eigene Konsumverhalten - der Podcast von Fridays for Future will auf die Freitags-Demonstrationen vorbereiten

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Podcast von "Fridays for Future": So klingt das Demo-Tape

Von der Straße sind die Schulstreiks für eine andere Klimapolitik nicht mehr wegzudenken - aber auch im Netz sind die Schülerinnen und Schüler von "Fridays for Future" aktiv - unter anderem mit einem wöchentlichen Podcast. Wir haben ihn uns angehört.

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So viel ist schnell klar: Die Machern des offiziellen Fridays for Future-Podcasts bemühen sich viele Fakten in ihren Podcast unterzubringen. Denn, wie Mike Brinker aus Lübeck erklärt, man wolle "der Öffentlichkeit zeigen, dass wir doch einiges an Wissen bereit haben und tatsächlich auch tief in die Thematik eindringen können". Mike Brinker ist 19 Jahre alt, Mitglied im Podcast-Team und er ist genervt. Davon, dass jungen Menschen unterstellt wird, von komplexen Themen keine Ahnung zu haben.

Zu hören ist das in bisher neun veröffentlichten Podcast-Folgen, die jeweils zwischen acht und vierzig Minuten lang sind. Behandelt werden dabei aktuelle Nachrichten rund um die Klimapolitik, aber auch andere Themen wie Plastikmüll, CO2-Steuer, oder das eigene Konsumverhalten.

Eine Produktion aus Jugendzimmern in ganz Deutschland

Etwa 100 junge Menschen aus ganz Deutschland sind beim Podcast mit an Bord - persönlich getroffen haben sie sich aber noch nicht. "Alle Mitglieder leben überall verstreut", sagt Mike Brinker. "Die Kommunikation findet hauptsächlich über den Messenger Discord statt."

Das ist eine Onlineplattform, die aus dem Gamingbereich bekannt ist. Hier kann man Kanäle und Untergruppen eröffnen. Brinker investiert zwei bis drei Stunden pro Tag. "Ich möchte selber Informationen weitergeben können. Das ist das, was mir persönlich sehr viel Spaß macht", sagt er.

Brinker ist im Feuerwehr-Team des Podcasts. Feuerwehr deswegen, weil er immer dann einspringt, wenn es irgendwo brennt, wenn zum Beispiel Leute fehlen - für die Technik, in der Redaktion oder im Social-Media-Team.

Weg von kurzatmigen Diskussionen

Das Medium Podcast habe sehr viel Potenzial für soziale Bewegungen, sagt der Kommunikationswissenschaftler Christoph Neuberger, Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Vor allem das Potenzial, zu versachlichen - etwa im Vergleich mit Ping-Pong-Diskussionen auf Twitter und Co.: "Gerade bei so einem Thema wie Klimawandel ist die Komplexität natürlich so gewaltig, dass man überhaupt die Formen finden muss, um das überhaupt verständlich machen zu können."

"Nachahmung von Journalismus"

Dass sich Fridays for Future als soziale Bewegung dabei aus dem journalistischen Werkzeugkasten bedient, überrascht Neuberger nicht: "Weil Journalismus gelernt hat, wie man Aufmerksamkeit gewinnen kann und wie man Vertrauen gewinnen kann, wie man glaubwürdig sein kann - deshalb gibt es bei sozialen Bewegungen eine Nachahmung von Journalismus."

Das heißt auch: Die Transkripte der Podcast-Folgen werden mit allen Quellenangaben hochgeladen. Nachrichten von Kommentaren getrennt. Neuberger hält das für unerlässlich, um sich abzugrenzen von "anderen Bewegungen, die stark ideologisch geprägt sind, wo erst mal die Haltung das Wichtige ist, und dann müssen sich die Fakten unterordnen." Und dass dies so professionell ablaufe, mache Fridays for Future womöglich insgesamt glaubwürdiger, sagt er.

Für Fridays for Future zählen Team und Thema

Ein großer Unterschied zwischen dem Fridays for Future-Projekt und vielen anderen Podcasts: Wer gerade spricht, wird fast nie gesagt. Dies hat einen idealistischen Hintergedanken, wie Mike Brinker erzählt - ein Sprecher aus dem großen Fridays for Future-Podcast-Team: "Da geht es eben um die Bewegung als solche, die steht im Vordergrund. Das Klima steht im Vordergrund. Alle sollen gleichberechtigt sein, und deswegen spielen Namen auch keine wesentliche Rolle."