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Einsam online: Ausländische Studierende in Coronazeiten | BR24

© dpa-Bildfunk/Sebastian Gollnow

Symbolbild: leerer Hörsaal

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    Einsam online: Ausländische Studierende in Coronazeiten

    Nach der Weihnachtspause haben am Donnerstag wieder die Vorlesungen an den Universitäten begonnen. Das Wintersemester findet zum größten Teil online statt. Vor allem ausländische Studierende leiden unter den Kontaktbeschränkungen.

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    Von
    • Anna Giordano

    Natesh Anand kommt aus Indien. Seit Beginn des Wintersemesters belegt er an der Technischen Hochschule in München den Masterstudiengang "Politics and Technology". Allerdings wohnt er momentan noch in Neu Delhi. Weil die Kurse alle online stattfinden, kann er sie auch von dort aus belegen. Er habe sich nicht wohlgefühlt bei dem Gedanken daran, in ein fremdes Land zu ziehen und dort ganz alleine loszulegen, sagt er. Denn selbst das Kommunizieren mit den Menschen dort wäre eine Herausforderung gewesen.

    "Daher habe ich entschieden, erstmal in Indien zu bleiben. Denn hier kann ich mich wenigstens mit Freunden treffen und meine Familie sehen." Natesh Anand

    Einsamkeit belastet Studierende

    Einsamkeit: Das ist gerade ein Problem für viele ausländische Studierende in ganz Deutschland. Die 21- jährige Bela aus Indonesien studiert seit drei Jahren Biomedizinische Technik an der Technischen Hochschule Mittelhessen in Gießen. Sie fühlt sich wohl, hat viele Freunde an der Uni gefunden. Seit der Pandemie sieht sie die aber kaum noch:

    "Jetzt erfolgt alles online. Man ist immer zu Hause und sitzt am Computer. Wenn eine Pause ist, dann geht man vielleicht in die Küche. Und dann wieder zurück an den Computer. Der ganze Tag erfolgt so. Und die Zeit vergeht sehr schnell." Bela

    Studentenwohnheime sind verwaist

    Sonst hat Bela in einsamen Momenten aus dem Fenster geschaut. Weil neben ihrem Studentenwohnheim die Mensa liegt. Irgendjemand hat auf der Straße immer geredet oder gelacht. Aber jetzt hat die Mensa geschlossen. Auch in der Küche des Studentenwohnheims ist kaum noch was los. Belastend fand sie die Situation besonders in den Weihnachtsferien:

    "Wir sind eigentlich zu fünfzehnt hier in einem Flur zusammen. Aber die Leute, die ihre Familie hier in Deutschland haben, die gehen alle heim. Und es bleiben nur die ausländischen Studierenden. Wir sind jetzt nur zu dritt hier im Wohnheim." Bela

    Bela telefoniert häufig mit ihrer Familie in Indonesien. An Silvester hat sie sogar im Videochat mit ihnen angestoßen. Aber wegen der Zeitverschiebung war es da in Deutschland erst 19 Uhr. Und dann saß sie alleine in ihrem Studentenzimmer:

    "Ich habe abends an Silvester Instantnudeln gekocht und gegessen. Und dann habe ich gewartet bis 12 Uhr. Ob es eigentlich etwas geben würde. Aber nein, ich sehe nur die Polizei, die rumfährt und sagt, die Leute sollen zu Hause bleiben. Und kein Feuerwerk. Naja, das neues Jahr 2021 war sehr, sehr traurig für mich." Bela

    Studentenwerke versuchen zu helfen

    Die Studentenwerke in Deutschland wissen, dass die Situation für ausländische Studierende gerade schwierig ist. Sie versuchen daher, soziale Aktivitäten anzubieten. Allerdings: Nicht gerade an Silvester. Und coronabedingt finden solche Aktivitäten, zum Beispiel Gesellschaftsspiele, gerade auch nur online statt. Das ist für die jungen Leute, die ohnehin den ganzen Tag am PC studieren, nicht so attraktiv.

    Der Inder Natesh hat sich zwar an das Online-Studium aus Indien gewöhnt, er vermisst aber den persönlichen Austausch mit den Kommilitonen. Die lebendigen Diskussionen in den Lehrveranstaltungen. Und: er hätte eigentlich gerne einen Deutschkurs belegt:

    "Da konnte ich mich nicht anmelden wegen der Zeitverschiebung. Die Deutschkurse hätten hier in Indien alle nach Mitternacht stattgefunden. Und es wäre einfach zu schwierig gewesen, eine neue Fremdsprache mitten in der Nacht zu lernen. Das ist definitiv ein Nachteil des Online-Studierens." Natesh Anand

    Aber auch ohne Deutschkenntnisse: Spätestens zu Beginn des Sommersemesters möchte Natesh dann doch nach München ziehen. Daher hofft er, dass sich die Corona-Situation bald entspannt. Und auch die 21-jährige Bela aus Gießen freut sich darauf, bald wieder unbeschwert ihre Freunde zu sehen:

    "Und ich hoffe, im weiteren Leben wird es keine Pandemie mehr geben. Also ich hoffe, im nächsten Jahr wird es besser, besser!" Bela

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