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Bildrechte: dpa Andrew Medichini

Wer in Venedig vor dem Dogenpalast stand und aufs Wasser blickte, sah vor der Corona-Pandemie öfters ein Riesenschiff vorbeiziehen. Doch jetzt verkündete der italienische Kulturminister Franceschini eine historische Entscheidung.

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Einfahrt für Kreuzfahrtschiffe in Venedig bald verboten

Wer in Venedig vor dem Dogenpalast stand und aufs Wasser blickte, sah vor der Corona-Pandemie öfters ein Riesenschiff vorbeiziehen. Doch jetzt verkündete der italienische Kulturminister Franceschini eine historische Entscheidung.

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Von
  • Elisabeth Pongratz

Mehrstöckige Kreuzfahrtschiffe, so der Eindruck, gehören zum Bild der ehrwürdigen Serenissima seit Jahren dazu, jedenfalls bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie. Doch damit soll schon bald Schluss sein.

"Nach Jahren des Wartens in der ganzen Welt werden ab dem 1. August keine großen Schiffe mehr vor San Marco und im Giudecca – Kanal fahren." Italienischer Kulturminister Dario Franceschini

Die UNESCO, die Kulturorganisation der Vereinten Nationen, hatte den Druck zuvor erheblich erhöht. Sollte sich angesichts der riesigen Kreuzfahrtschiffe nichts verändern, werde man Venedig auf die Negativ-Liste für gefährdetes Weltkulturerbe setzen – so die Drohung. Seit Jahren schon protestieren Aktivisten und Bürgerinitiativen gegen die Einfahrt der Kolosse ins historische Zentrum. Stefano Micheletti vom Komitee "Gegen die großen Schiffe" wirkt etwas erleichtert, aber richtig freuen kann er sich nicht. Das Problem sei damit nicht gelöst. Es sei erst dann gelöst, wenn sie ganz aus dem Ökosystem Lagune verdrängt würden, und nicht nur aus der guten Stube der Stadt.

Kritiker wollen ein weitreichendes Verbot

Micheletti verweist zum einen auf das Problem der Luftverschmutzung, da viele Schiffe Kraftstoffe mit einem hohen Schwefelgehalt verwenden. Auch durch Feinstaub und Kohlendioxid wird das Klima erheblich belastet, wie er ausführt. Gerade die Lagune und damit auch Venedig sieht er aus einem weiteren Grund erheblich gefährdet. Schon die Ausgrabungen, die in den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts durchgeführt wurden, hätten gezeigt, dass es eine außergewöhnliche Eruption der zentralen Lagune gegeben habe. Die Verschiebung durch diese großen Schiffe erzeuge eine Erosion des Meeresbodens und damit des Schlamms, aus dem die Lagune besteht.

Aktivisten wollen weiterkämpfen

Ab August, so ein Beschluss der Regierung aus Rom, dürfen nun Schiffe, die länger als 180 Meter sind oder gewisse Abgasnormen überschreiten, nicht mehr ins historische Zentrum fahren. Kleinere Schiffe, die etwa 200 Passagiere transportieren, oder Schiffe, die als nachhaltig gelten, fallen nicht unter das Verbot. Die Kreuzfahrtriesen müssen künftig übergangsweise im bisherigen Containerhafen von Marghera anlegen, der dafür umgebaut wird, so Infrastrukturminister Enrico Giovannini. Man habe 157 Millionen Euro für den Bau der temporären Anlegeplätze in Marghera investiert. Diese sollen später dann noch weiter aufgerüstet werden.

Suche nach Alternativen geht weiter

Unterdessen sucht Venedig nach einer dauerhaften Lösung, mithilfe eines Ideenwettbewerbs soll ein Anlegeplatz außerhalb der Lagune gefunden werden. Bis Mitte Juni 2023 soll ein konkretes Projekt feststehen.

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