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Eine Woche nach den Urteilen: Wann kommt Katalonien zur Ruhe? | BR24

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Bei den Protesten in Katalonien sind bis zum Sonntag 565 Menschen verletzt worden, darunter 288 Polizisten. 194 Menschen wurden festgenommen, 18 kamen in Untersuchungshaft.

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Eine Woche nach den Urteilen: Wann kommt Katalonien zur Ruhe?

Auch am Wochenende sind die Proteste der Unabhängigkeitsbefürworter in Katalonien weitergegangen. 565 Menschen sind dabei bis Sonntag verletzt worden, darunter 288 Polizisten. 194 Menschen wurden festgenommen, 18 kamen in Untersuchungshaft.

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Es war eine ruhige Nacht auf Montag in Barcelona. Am Sonntagabend hatten sich geschätzte 2.000 Menschen zu einer Demonstration vor dem Polizeipräsidium versammelt. Eine kleine Menge, es blieb weitgehend friedlich. Anders als in den Nächten zuvor.

Polizei: Nicht mit diesem Ausmaß der Gewalt gerechnet

Aufnahmen aus einem Einsatzwagen vom Freitagabend, auf dem Weg zum Polizeipräsidium: der Brennpunkt der Proteste. Der Wagen wird die ganze Zeit mit Steinen beworfen. Die Kollegen, die ihm in einem anderen Fahrzeug folgen, können nicht weiterfahren. Die Aufnahmen wurden dem spanischen Fernsehen zugespielt. Der Sender hat auch Stimmen von Polizisten gesammelt:

"Es gibt viele Verletzte. Manche sind ohne Bewusstsein, sie haben die Hand oder den Arm gebrochen. Das ist ein verdammter Irrsinn. Es ist die Hölle, Mann." Polizist in Barcelona

Dass es nach der Urteilsverkündung Proteste geben würde, hatten alle erwartet. Auch, dass es zu Ausschreitungen kommen würde. Aber mit diesem Ausmaß der Gewalt hat keiner gerechnet, so Toni Castejón von der katalanischen Polizeigewerkschaft:

"Die gehen direkt auf dich los. Normalerweise wirft einer einen Stein und wenn die Polizei kommt, hauen sie ab. Dieses Mal ist es andersrum: Sie warten darauf, dass du aus dem Wagen aussteigst." Toni Castejón, katalanische Polizeigewerkschaft

Großteil der Gewalt geht von jungen Demonstranten aus

In den sozialen Netzwerken machen allerdings Videos von Polizisten die Runde, die offenbar ohne Grund auf Demonstranten einschlagen. Auch Journalisten bekommen Schläge von Polizisten ab. Die Separatisten nennen das Vorgehen der Polizei skandalös. Doch der Großteil der Gewalt geht dieser Tage eindeutig von jungen Demonstranten aus. Einem harten Kern, den Spaniens Innenminister Grande-Marlaska auf rund 500 beziffert.

"Das sind Leute, die darauf vorbereitet sind, Gewalt auszuüben. Sie sind organisiert, gehen strategisch vor, sie wissen, was geschehen wird." Fernando Grande-Malaska, Spaniens Innenminister

Viele der Radikalen sind deutlich unter 20, manche sogar noch minderjährig. Sie kommen bestens ausgerüstet: Mit Skibrillen, Stahlkugeln, Steinen und entzündlichen Materialien. In den vergangenen Tagen haben sie mehr als 800 Müllcontainer angezündet, Fensterscheiben eingeworfen und etwa Mobiliar von Straßencafés verwüstet. Eine Mammutaufgabe für die Polizei.

Fronten sind weiter verhärtet

Als der katalanische Regionalpräsident Quim Torra am Samstag bei Spaniens Ministerpräsidenten Pedro Sánchez anruft, um ihn zum Gespräch zu bitten, bleibt Sánchez hart. Er fordert Torra auf, die Gewalt klar zu verurteilen, erst dann sei er zu einem Gespräch bereit. Die Fronten bleiben verhärtet.

Die, die an erster Front in diesem Konflikt stehen, sind die Polizisten. Dutzende Bürger kommen am Samstag zum Polizeipräsidium, um sich mit Blumen, Kuchen und spanischem Schinken bei den Beamten zu bedanken – immer wieder brandet vor dem Gebäude Applaus auf. Sehr zum Ärger mancher Unabhängigkeitsanhänger: Vor dem Gebäude geraten sie mit ihren Gegnern immer wieder in lautstarke Auseinandersetzungen. Die Atmosphäre in der Stadt ist angespannt.

Seit Samstag flauen die gewalttätigen Proteste ab: Die Polizei geht entschlossener gegen gewalttätige Demonstranten vor. Und pazifistische Demonstranten stellen sich mittlerweile zwischen Polizei und die Krawallmacher, um Gewaltexzesse zu verhindern.