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Ein Kind des Kalten Krieges: Radio Free Europe wird 70

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    Ein Kind des Kalten Krieges: Radio Free Europe wird 70

    Nach dem "heißen" Zweiten Weltkrieg begann nach 1945 der "Kalte" Krieg. Eines seiner Mittel war die Informierung der Bevölkerung in den sowjetischen Staaten. Zu diesem Zweck gründeten die USA zum 4. Juli 1950 den Sender Radio Free Europe in München.

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    Von
    • Ulrich Trebbin

    Flugzeuge werfen in Kriegen nicht nur Bomben hinter der Front ab, sondern auch Flugblätter, die die dortige Bevölkerung informieren oder desinformieren sollen. Statt Flugblättern schickte der Sender "Radio Free Europe" seit dem Juli 1950 Wortsendungen in den Äther über den Ländern des damaligen Ostblocks. Das Informationsmonopol der Sowjetunion sollte gebrochen werden.

    Erstes Funkhaus in München

    Zunächst waren es Testsendungen, dann begann ab dem 1. Mai 1951 der reguläre Betrieb, des bis 1971 vom US-amerikanischen CIA finanzierten Senders. Das Funkhaus stand in der Oettingenstraße in München. Sprecher und Autoren waren meist Exilanten der Zielländer - oft Intellektuelle wie Professoren, Künstler oder Schriftsteller. Neben Nachrichten waren kulturelle und Musiksendungen bei den Hörern beliebt.

    Wichtig für antisowjetischen Widerstand

    In den ersten Jahren sendete Radio Free Europe (RFE) vor allem für die Tschechoslowakei, Polen, Ungarn, Rumänien und Bugarien in der jeweiligen Landessprache. 1976 wurde RFE mit dem ebenfalls in München ansässigen Sender Radio Liberty (RL) vereinigt, der in die Sowjetunion sendete.

    Teilweise wird RFE/RL eine herausragende Bedeutung für den Niedergang des Kommunismus in Europa und der Sowjetunion zugeschrieben. So werden Protagonisten des antisowjetischen Widerstandes wie Václav Havel und Lech Waᴌesa zitiert, die die Wichtigkeit der Sender für ihre politische Entwicklung hervorhoben.

    Störsender und Anschläge

    Die Sowjetunion erkannte diese Bedeutung offenbar auch und behinderte die Ausstrahlung denn auch mit Störsendern - vor allem in den Ballungsräumen. RFE und RL verstärkten daraufhin immer wieder die Sendeleistung und wiederholten wichtige Beiträge.

    Außerdem gab es immer wieder Anschläge auf Mitarbeiter von RFE/RL. 1954 wurde etwa der weißrussische Autor Leonid Karas tot in der Isar gefunden oder 1978 der Bulgare Georgi Ivanow Markow mithilfe eines vergifteten Regenschirms getötet. Andere Mitarbeiter versuchten die Geheimdienste zu entführen.

    Am 21. Februar 1981 ließ der rumänische Geheimdienst Securitate dann einen Bombenanschlag auf die Münchner Redaktionsräume von RFE und RL verüben. Später gab der KGB seine Beteiligung daran zu. Von den etwa 40 anwesenden Mitarbeitern wurden mehrere verletzt. Der betroffene Gebäudeteil musste aufgrund der Beschädigungen abgerissen werden.

    Kritik an Radio Free Europe

    Während des Ungarnaufstandes 1956 spielte RFE eine zweifelhafte Rolle. Die Journalisten an den Mikrofonen riefen die Ungarn zum bewaffneten Kampf auf und suggerierten, dass der Westen militärische Hilfe schicken würde. Da dem allerdings nicht so war, kostete das viele Menschen das Leben.

    Darüber hinaus wurde im Zusammenhang mit RFE immer wieder der Vorwurf der Propaganda laut. Unklar blieb auch, wieviele Autoren von der CIA vereinnahmt worden waren.

    Sendungen in 27 Sprachen für 23 Länder

    Nach Ende des Kalten Krieges zog der Sender 1995 nach Prag um. Heute sendet RFE/RL nach eigenen Angaben in 27 Sprachen und für 23 Länder, hat pro Woche 38 Millionen Hörer und über 500 Millionen Internet-Zugriffe. Ziel ist nach eigenen Angaben, den Hörern und Usern demokratische Werte und unzensierte Information zu vermitteln. Finanziert werden die Sender bis heute vom Amerikanischen Kongress.

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