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Ein Jahr Missbrauchsstudie: Was hat die Kirche seither getan? | BR24

© picture alliance/chromorange

Priesterfigur vor Spielfiguren: Symbolbild Missbrauch

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    Ein Jahr Missbrauchsstudie: Was hat die Kirche seither getan?

    Vor einem Jahr wurde die Missbrauchsstudie der katholischen Kirche veröffentlicht. Ein Novum: Noch nie zuvor hatte es eine solche Studie gegeben. Das Ergebnis war auch für die Kirche erschreckend. Doch was ist seitdem geschehen?

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    Die deutschen katholischen Bischöfe treffen sich bis Donnerstag in Fulda zu ihrer traditionellen Herbstvollversammlung. Am Dienstag steht die Missbrauchsstudie, die genau vor einem Jahr veröffentlicht wurde, auf der Tagesordnung: Damals war die Studie ein Novum. Noch nie zuvor hatte es so etwas gegeben.

    Mindestens 3.677 Opfer sexueller Gewalt

    Auch das Ergebnis war für die katholische Kirche erschreckend: Mindestens 3.677 Opfer sexueller Gewalt in der deutschen katholischen Kirche konnten die Forscher belegen. Im Zeitraum von 1946 bis 2014 wurden 1.670 Geistliche als Beschuldigte aktenkundig. Doch was hat sich seit Veröffentlichung der sogenannten MHG-Studie getan?

    300.000 Euro Entschädigung pro Missbrauchsopfer hat der Opferverband "Eckiger Tisch" bereits im Sommer von der katholischen Kirche gefordert. Jetzt zu Beginn der Vollversammlung der Bischofskonferenz hat Matthias Katsch vom "Eckigen Tisch" die Forderung noch einmal bekräftigt.

    Lob von Missbrauchsbeauftragtem der Bundesregierung

    Die materielle Anerkennung erlittenen Leids - wie die katholischen Bischöfe die Entschädigungszahlungen bezeichnen - sollen in Fulda bei der Herbsttagung neu geordnet und Betroffene gehört werden, kündigte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, bei der Auftaktpressekonferenz an.

    Lob kommt von Johannes Wilhelm Rörig, dem unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung für Fragen sexuellen Kindesmissbrauchs. Rörig beobachtet seit Bekanntwerden der Studie viel Bewegung innerhalb der katholischen Kirche. Mit dem Missbrauchsbeauftragten der katholischen Kirche, dem Trierer Bischof Stephan Ackermann, und einer Gruppe von Betroffenen hat er intensiv an einem gemeinsamen Eckpunkte-Papier zur unabhängigen Aufarbeitung von Missbrauch gearbeitet, das verbindliche Strukturen für alle Diözesen schaffen und bis Ende des Jahres fertig sein soll.

    "Wir wollen kein neues Konkordat schreiben, sondern Verbindlichkeit und Selbstverpflichtung der 27 Ortsbischöfe erreichen für die Sicherstellung der Aufarbeitung." Johannes Wilhelm Rörig

    Kampf gegen Missbrauch als Daueraufgabe

    Rörig ist wichtig, dass die Kirchen den Kampf gegen Missbrauch als Daueraufgabe sehen. Sie sollen mit den Bundesländern zusammenarbeiten und auch - gemäß ihrem eigenen Auftrag - Kinder unterstützen, die Missbrauch in den Familien erleben.

    Die Missbrauchsstudie habe viele Fragen aufgeworfen. Diesen wolle er nachgehen, betonte Kardinal Marx gestern erneut. Dazu gehörten Fragen zur priesterlichen Lebensform, Fragen der Sexualität und Fragen der Macht.

    "Sie war von uns verstanden worden als Auftrag. Aber uns war nicht klar, wie wir damit umgehen." Kardinal Reinhard Marx zur Missbrauchsstudie

    Derzeit versucht die katholische Kirche in Deutschland, diesem Auftrag gerecht zu werden. Gemeinsam mit den Gläubigen wollen die Bischöfe anstehende Reformen mit der Reformdebatte "synodaler Weg" anstoßen.