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Ein Jahr Halle: Steinmeier fordert Haltung gegen Antisemitismus | BR24

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Halle in Sachsen-Anhalt vor einem Jahr: Nur um ein Haar entgeht die jüdische Gemeinde der Stadt einer Katastrophe. Ein Angreifer wird nur von einer Holztür gestoppt. Zwei Menschen kommen ums Leben. Zur Stunde wird in einer Gedenkfeier daran erinnert.

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Ein Jahr Halle: Steinmeier fordert Haltung gegen Antisemitismus

Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat am Jahrestag des Synagogen-Anschlags von Halle zu Respekt und Toleranz aufgerufen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier forderte ein Zusammenstehen gegen Antisemitismus.

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Am ersten Jahrestag des Anschlags von Halle hat Bundespräsident Frank Walter Steinmeier dazu aufgerufen, Haltung gegen Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit zu zeigen. Das Grundgesetz sei eine Verpflichtung für jeden Einzelnen, sich einzumischen und aufzustehen, wenn die Menschenwürde anderer missachtet werde, sagte er.

Bundespräsident kritisiert Wiederaufleben von Antisemitismus

Antisemitismus sei ein Seismograph für den Zustand der Demokratie. Je offener er sich äußere, desto stärker seien Werte, Toleranz und Achtung der Menschenwürde angefochten. "Deshalb muss es uns alarmieren, wenn Kritiker der Corona-Maßnahmen alte antisemitische Verschwörungstheorien neu aufleben lassen und sie millionenfach verbreiten", sagte Steinmeier.

Das Staatsoberhaupt sprach den Überlebenden, Opfern und Hinterbliebenen sein Mitgefühl aus. Er empfinde tiefe Trauer. Auch ein Jahr nach dem Anschlag fühle er noch Scham und Zorn darüber, dass es nötig sei, jüdische Gotteshäuser in diesem Land zu schützen und dass antisemitische Taten zunähmen.

Steinmeier verweist auch an andere rechtsextremistische Taten

Der Bundespräsident verwies auch auf weitere rechtsextremistische Gewalttaten. "Heute erinnern wir uns an den Anschlag von Halle. Vor wenigen Wochen sprach ich mit den Angehörigen der Opfer von Hanau, kurz darauf gedachten wir in München der Opfer des Oktoberfestattentats vor 40 Jahren." Steinmeier sprach von einer blutigen Linie, die diese und weitere Taten verbinde. "Rechtsextremismus reicht tief hinein in unsere Gesellschaft und rechtsextremer Terrorismus weit zurück in unserer Geschichte."

Seit den Morgenstunden wurde am Freitag mit zahlreichen Veranstaltungen, Schweigeminuten und Blumen am Jahrestag des Anschlags von Halle der Opfer gedacht.

Schuster ruft zu Respekt und Toleranz auf

Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, rief zu Respekt und Toleranz auf. Bei der Enthüllung einer Gedenktafel an der Synagoge erklärte er, in Erinnerung an das Attentat und an die beiden Todesopfer "werden wir uns noch viel stärker als bisher einsetzen für den Respekt vor den verschiedenen Religionen, einsetzen für Respekt vor unterschiedlicher Herkunft, einsetzen für die Menschenwürde".

An der Synagoge wurde ein Mahnmal für die Opfer des Anschlags eingeweiht. Im Zentrum des Kunstwerks steht die Tür des Gotteshauses, die am 9. Oktober 2019 den Schüssen des Attentäters standhielt. Schuster sagte, das Kunstwerk biete Raum zum Trauern, verweise aber auch in die Zukunft.

Gedenkplatte auch am Imbiss-Laden

Auch an dem Imbiss, in dem ein 20 Jahre alter Mann starb, wurde eine Gedenkplatte enthüllt. Die zwei Getöteten, Jana L. und Kevin S., seien zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen und hätten für den Fanatismus des Attentäters mit ihrem Leben bezahlen müssen, sagte Schuster. Weitere Menschen seien zum Teil schwer verletzt worden, zahllose traumatisiert.

Weiter erklärte der Präsident des Zentralrates der Juden, neben Schmerz und Beklommenheit, neben den unauslöschlich im Kopf eingebrannten Bildern dieses schrecklichen Tages gebe es auch ein Gefühl der Zuversicht. Dabei verwies er auf den Zusammenhalt in der jüdischen Gemeinde in Halle und auf die vielen Solidaritäts-Schreiben.

Präsident des Zentralrats der Juden: "Deutschland ist unser Zuhause"

Die Tür habe standgehalten und sei dennoch ein Zeichen der Zerstörung, sagte der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, bei der Enthüllung am Freitag. Die Juden in der Synagoge hätten Todesangst ausstehen müssen und zwei Menschen hätten die Wut des Täters über sein Scheitern mit dem Leben bezahlt. "Die Einschusslöcher erinnern uns daran: Hätte der Täter bessere Waffen gehabt, wäre es zu einem entsetzlichen Blutbad gekommen."

Schuster sagte, er sei mit gemischten Gefühlen nach Halle gereist. Die Erinnerung an den Tattag löse immer noch Schmerz aus, gleichzeitig freue es ihn, wie sehr die Gemeinde zusammenstehe und wie viele Solidaritätsbekundungen es gegeben habe. "Deutschland ist unser Zuhause", sagte Schuster weiter. Halle sei das Zuhause der hiesigen Gemeinde und der Familien und Freunde der beiden Getöteten. "Und dieses Zuhause lassen wir uns nicht nehmen!"

Prozess gegen den Angeklagten läuft: Täter räumte die Tat ein

Am 9. Oktober 2019 hatte ein schwer bewaffneter Täter Sprengsätze über die Mauer des Synagogengeländes geworfen und versucht, in das Gotteshaus einzudringen. Als das misslang, erschoss er eine 40 Jahre alte Passantin, tötete beim Angriff auf einen nahe gelegenen Dönerimbiss einen 20-Jährigen und verletzte und traumatisierte zahlreiche weitere Menschen, ehe er nach rund eineinhalb Stunden gefasst wurde. Vor dem Oberlandesgericht läuft gerade der Prozess gegen Stephan B., den 28 Jahre alten Angeklagten. Er hat die Tat eingeräumt.

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