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Ministerpräsident Markus Söder hat rückblickend kritisiert, dass sich nicht jedes Altenheim in der Pandemie optimal aufgestellt habe.

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    Corona in Pflegeheimen: Söder kritisiert Schutzmaßnahmen

    Corona hat die Pflegeheime besonders schwer getroffen: Fast die Hälfte aller Todesfälle passierten bisher dort. Die Schutzmaßnahmen seien nicht immer eingehalten worden, so Ministerpräsident Söder. Die Träger der Heime wollen das nicht gelten lassen.

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    Von
    • Christoph Dicke

    Fast die Hälfte aller Todesfälle mit Corona in Bayern waren bisher Menschen aus Altenheimen. So die Zahlen des Gesundheitsministeriums. Die Landtagsopposition hatte immer wieder kritisiert, dass die Staatsregierung zu wenig zum Schutz der alten Menschen getan habe. Ministerpräsident Markus Söder sieht auch die Heime in der Verantwortung, wie er gerade auf einer Veranstaltung der Christlich Sozialen Arbeitnehmerschaft (CSA) betonte.

    "Eine der Schwächen war auch, dass nicht jedes Alten- und Pflegeheim sich so aufgestellt hat, wie wir uns das eigentlich normalerweise vorstellen." Ministerpräsident Markus Söder (CSU)

    Soll heißen: Die Schutzmaßnahmen gegen Corona waren bei einigen Pflegeheimen nicht immer optimal. Das wollen Heimträger und Verband der Pflegenden nicht so einfach stehen lassen. Die Mitarbeiter würden durch immer neue, oft sehr kurzfristig verkündete Vorgaben gestresst - bei oftmals dünner Personaldecke, bedingt durch Quarantänemaßnahmen.

    Neue Corona-Maßnahmen oft personalintensiv

    Doris Schneider, zuständig für 27 Caritas-Pflegeheime in Oberbayern, nennt als Beispiel die Einführung der verpflichtenden Antigen-Schnelltests Anfang Dezember. Die durften zu diesem Zeitpunkt nur von medizinisch geschultem Personal durchgeführt werden.

    "Wir haben dann als Träger von Montag an die Zeit gehabt, bis Mittwoch das Personal zu finden, das die Tests durchführen soll. Das ist nicht möglich - was dazu führt, dass man eigenes Personal schult, dass dann in der Pflege fehlt." Doris Schneider, Caritasverband Erzdiözese München-Freising.

    Und dann würden leider auch Fehler passieren, sagt Schneider. Das Heimpersonal muss zudem alle Besucher kontrollieren, ob sie ihren Coronatest und die FFP2-Maske dabeihaben – und ob sie die nötigen Abstände einhalten.

    Angekündigte Verstärkungen zu spät

    Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek sieht den gestiegenen Stress für das Personal sehr wohl. Es seien aber dann auch externe Kräfte angefordert worden – zum Beispiel von der Bundeswehr. Doch das zusätzliche Personal kam erst Wochen nach der Schnelltests-Einführung, beklagt Doris Schneider.

    Pflichttests früher einführen?

    Im Herbst war die Zahl der Corona-Ausbrüche in Pflegeheimen erneut angestiegen. Wäre es nicht sinnvoll gewesen, schon damals Pflichttests für Besucher und Personal einzuführen? Der Antigen-Schnelltest war zwar in Deutschland noch nicht zugelassen – aber Reihentests in den PCR-Teststationen der Großstädte und Landkreise waren möglich. Der Verband der Pflegenden in Bayern hielt das aber für unrealistisch, weil das Personal für die - in kurzen Abständen nötigen - Tests oftmals große Umwege zur Arbeit hätte fahren müssen.

    Örtlichen Behörden fehlt zuweilen Augenmaß

    Kontrollieren sollen die Schutzmaßnahmen in den Heimen die örtlichen Behörden. Doch hier hätte sich Caritas-Geschäftsführerin Doris Schneider zum Teil mehr Fingerspitzengefühl erwartet. Zum Beispiel bei der Vorgabe, Isolierstationen einzurichten, auf denen Covid-Patienten unterzubringen sind. Dazu seien viele Häuser allein schon baulich nicht in der Lage.

    Ein Problem, dass der Staatsregierung bekannt ist. Und so schwächte Gesundheitsminister Klaus Holetschek die pauschale Kritik Söders im BR etwas ab:

    "Dank (…) an die Pflegekräfte: Die sind über sich hinausgewachsen. (…) Kritik kann man immer üben. Man kann an der Hygiene weiterarbeiten. Man muss da einfach für die Zukunft Konzepte entwickeln – bauliche Fragen zum Beispiel: Wo ist Isolation möglich, ohne dass man alles dann schließen muss?" Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU)

    Infektionen in Heimen nie ganz auszuschließen

    Ganz ausschließen könne man bei hohen Infektionszahlen einen Eintrag des Virus in Pflegeheime ohnehin nicht, hatte Markus Söder unlängst selbst betont. Denn eines wollte man bei der zweiten Welle in diesem Winter auf keinen Fall: Die Heime für Besucher komplett abriegeln wie im Frühjahr. Die Menschenwürde gehe hier vor, sagt auch Doris Schneider von der Caritas.

    Nach Impfung der Heime: Lockerungen gefordert

    Unterdessen dürfte die Corona-Impfung in den Heimen bald abgeschlossen sein. Derzeit seien "81 Prozent der Bewohner schon mit der Erstimpfung versorgt", erläutert Holetschek. Daher fordert nicht nur die Caritas die Staatsregierung auf, die Besuchsbeschränkungen zu lockern und die Pflichttests fürs Personal zu reduzieren. Damit wieder mehr Zeit für die Pflege bleibt, nachdem die Heimbewohner vor Corona geschützt sind.

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