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"Ein großer Sozialdemokrat": Trauer um Hans-Jochen Vogel | BR24

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Er gehörte zu den einflussreichsten Charakteren im Politikbetrieb: Hans-Jochen Vogel. Der ehemalige SPD-Chef und Bundesminister ist heute im Alter von 94 Jahren gestorben. Die Anteilnahme ist groß.

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"Ein großer Sozialdemokrat": Trauer um Hans-Jochen Vogel

Deutschland trauert um Hans-Jochen Vogel - und diese Trauer geht quer durch die ganze politische Landschaft. Denn der ehemalige SPD-Chef hat Menschen im Land unabhängig von ihrer politischen Couleur geprägt.

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Im Lauf seiner Karriere hatte Hans-Jochen Vogel viele Ämter inne: Stadtoberhaupt in München und Berlin, Justizminister, SPD-Chef. Über die Parteigrenzen hinweg genoss er hohes Ansehen. Jetzt ist er mit 94 Jahren gestorben. Die Anteilnahme ist groß.

"Er kämpfte für Toleranz und Respekt"

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erklärte: "Hans-Jochen Vogel hat für Toleranz, Respekt und das friedliche Zusammenleben in unserer Gesellschaft gearbeitet und gekämpft. Seine Disziplin und Geradlinigkeit, sein Pflichtbewusstsein und sein christliches Menschenbild haben ihm über alle Parteigrenzen hinweg größten Respekt eingebracht."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) würdigte Vogel als "eine der prägenden politischen Persönlichkeiten der Nachkriegszeit".

"Sein Wirken war und ist Inspiration und Vorbild für viele Menschen in Deutschland." Kanzlerin Angela Merkel

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) sagte, er habe Vogel als leidenschaftlichen Sozialdemokraten kennengelernt, der Politik stets aus tiefer Überzeugung und aus innerer Verpflichtung gestaltet habe.

Aigner bezeichnet Vogel als "Ehrenmann"

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) schrieb auf Twitter: "Der Tod von Hans-Jochen Vogel berührt mich sehr". Deutschland verliere eine herausragende Persönlichkeit, der über die Parteigrenzen hinweg höchstes Ansehen genoss.

Landtagspräsidentin Ilse Aigner bezeichnete Vogel als "prägende Politikerpersönlichkeit". "Sein Wort hatte Gewicht. Für mich war er immer ein Ehrenmann."

Der ehemalige Finanzminister und frühere CSU-Vorsitzende Theo Waigel sagte, Vogel sei ein harter Gegner gewesen, aber immer im Sinne einer handlungsfähigen Demokratie.

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Sie waren politische Gegner, aber Respekt und Achtung machte sie zu Weggefährten - den nun verstorbenen früheren SPD-Chef Hans-Jochen Vogel und den Ehrenvorsitzenden der CSU, Theo Waigel.

Trauer um Hans-Jochen Vogel in der SPD

Die SPD würdigte ihren verstorbenen früheren Partei- und Fraktionschef als "großen Sozialdemokraten".

"Er war der erste Vorsitzende der wiedervereinigten SPD. Er war ein großer Sozialdemokrat, ein Vorbild, ein Freund. Hans-Jochen Vogel kämpfte sein Leben lang für sozialdemokratische Werte, eine gerechte Welt und für ein einiges Europa. Er wird fehlen." Erklärung des SPD-Parteivorstands

SPD-Parteichefin Saskia Esken schrieb auf Twitter: "Wir trauern und verneigen uns vor diesem großen Sozialdemokraten." Generalsekretär Lars Klingbeil erklärte, Vogel sei ein Politiker, "der dieses Land über Jahrzehnte geprägt hat und dem wir alle viel zu verdanken haben".

Die bayerische SPD-Landesvorsitzende Natascha Kohnen sagte dem BR: "Hans-Jochen Vogel war einer unserer klügsten, leidenschaftlichsten und überzeugendsten Mitstreiter und wir sind unendlich traurig." Vogel habe immer mit "moralischer Integrität für das Gemeinwohl" gekämpft und sei immer "glaubwürdig und geradlinig" gewesen.

Die ehemalige bayerische SPD-Landesvorsitzende Renate Schmidt sagte dem BR: "Für mich ist das eine unheimlich traurige Nachricht. Mir fehlt er jetzt schon."

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Hans-Jochen Vogel habe sozialdemokratische Werte verkörpert. Das sagte die bayerische SPD-Vorsitzende Natascha Kohnen der Rundschau. Er habe für diese Werte gebrannt und diese Haltung an andere Sozialdemokraten weitergegeben.

Oberbürgermeister Reiter: Ohne ihn wäre München nicht dieselbe Stadt

Auch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) findet sehr persönliche Worte für den Tod des ehemaligen SPD-Chefs: "Die Nachricht vom Tod Hans-Jochen Vogels erfüllt mich mit großer Trauer - nicht nur als Oberbürgermeister, sondern auch ganz persönlich. Mit ihm verliert München, verliert Deutschland einen großen Sozialdemokraten, einen scharfen Analytiker und leidenschaftlichen Politiker. Ohne die visionäre Politik von Hans-Jochen Vogel wäre München nicht schon 25 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg zu der weltoffenen, internationalen und liebenswürdigen Stadt, wie wir sie kennen, geworden."

Alt-Oberbürgermeister Christian Ude war seinem Vorgänger politisch und persönlich verbunden: "Er war auch noch in den letzten Jahren ein politischer Fels in der Brandung, der Orientierung gegeben hat und Reformen anstieß, wie zum Beispiel beim sozialen Bodenrecht. Aber als Münchner Oberbürgermeister erinnere ich mich vor allem an seine Verdienste um die Olympischen Spiele, um das U-Bahn-System und den Wohnungsbau in seiner Amtszeit. Und er wird mir auch als persönlicher Freund unvergessen bleiben."

"Wir verlieren einen außergewöhnlichen Politiker und einen treuen Freund"

Und auch die Jüdische Gemeinde München und Oberbayern hat mit Betroffenheit auf den Tod des früheren SPD-Vorsitzenden Hans-Jochen Vogel reagiert. "Der Tod von Hans-Jochen Vogel hinterlässt mich in unendlicher Trauer", sagte Präsidentin Charlotte Knobloch am Sonntag in München. Vogels Geradlinigkeit und Offenheit seien einzigartig gewesen und würden unvergessen bleiben. Auf Twitter schreibt Knobloch: "Er hat unser ganzes Land vor allem aber die Stadt München geprägt wie kein Zweiter. Mit ihm verlieren wir einen außergewöhnlichen Politiker und einen treuen und engen Freund."

Kardinal Reinhard Marx würdigte Vogel als einen Menschen und Politiker, für "dessen Handeln das christliche Menschenbild leitend gewesen" sei und dessen politisches Engagement auch von seiner Glaubensüberzeugung getragen war. Vogel sei in seiner geradlinigen, ruhigen und sachlichen Art ein verantwortungsvoll handelnder Politiker gewesen, der am Wohl des Einzelnen und der Gesellschaft interessiert gewesen sei.

Persönliche Anteilnahme über Parteigrenzen hinweg

FDP-Chef Lindner erklärte: "Mit Hans Jochen Vogel ist eine große Persönlichkeit gestorben. Er war ein echter Sozialdemokrat mit über jeden Zweifel erhabenen Integrität. Die FDP wird besonders sein progressives Wirken als Justizminister der sozialliberalen Koalition nicht vergessen."

Die Grünen-Fraktionschefs Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter würdigten Vogel am Sonntag als "integren und aufrechten Politiker". Sie verwiesen darauf, dass Vogel im Nationalsozialismus aufwuchs und als Frontsoldat im Krieg kämpfte: "Sein Denken und Handeln waren geprägt vom Kriegserlebnis und der Aufarbeitung des Terrorregimes der Nazis."

Die Grünen-Politikerin und zweite Bürgermeisterin von München, Katrin Habenschaden, schreibt: "Mit Hans-Jochen Vogel ist ein großer Politiker von uns gegangen, den ich sehr respektiert habe. Bis zuletzt hat er für eine gerechte Bodenpolitik gekämpft." Daran müsse man anknüpfen, so die Grünen-Politikerin weiter.

Sozialdemokrat durch und durch

In vielen Tweets zitieren User eine Maxime des ehemaligen SPD-Chef Vogel zur sozialen Gerechtigkeit in Deutschland: "Grund und Boden ist keine beliebige Ware, sondern eine Grundvoraussetzung menschlicher Existenz. Boden ist unvermehrbar und unverzichtbar. Er darf daher nicht dem unübersehbaren Spiel der Marktkräfte und dem Belieben des Einzelnen überlassen werden."

Hans-Jochen Vogel war von 1960 bis 1972 Oberbürgermeister von München. 1983 übernahm er den Vorsitz der SPD-Bundestagsfraktion von Herbert Wehner, 1987 dann zusätzlich den Parteivorsitz von Willy Brandt. 1991 gab er beide Posten ab und zog sich aus der aktiven Politik zurück.

Geboren wurde Vogel 1926 in Göttingen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, in dem er noch als Soldat gekämpft hatte, studierte er Jura. Mit 24 Jahren trat er in die SPD ein. Zehn Jahre später wurde er Oberbürgermeister in München - als jüngstes Oberhaupt einer deutschen Großstadt. Die 4.444 Amtstage an der Isar prägten ihn stärker als spätere Stationen. Vogel trug auch dazu bei, die Olympischen Spiele 1972 nach München zu holen.

Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er in einem Seniorenheim in München. Am Sonntag ist er im Alter von 94 Jahren gestorben.

ARD-alpha zeigt heute, Montag um 22.15 Uhr ein Gespräch mit Hans-Jochen Vogel aus dem Jahr 2019 zum Thema Demokratie. Moderation: Andreas Bönte

Eins zu Eins. Der Talk auf Bayern 2 wiederholt heute, Montag um 16.05 Uhr und 22.05 Uhr anlässlich des Todes von Hans Jochen Vogel den Talk mit ihm und Achim Bogdahn vom 25. September 2019.

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