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Eichmanns Komplize: Nazi-Schreibtischmörder diente dem BND | BR24

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Bildrechte: Nationalarchiv Slowenien

Vor 60 Jahren spürten israelische Agenten den NS-Verbrecher Adolf Eichmann auf. Eichmann leitete die Verfolgung und Deportationen von Juden - er bekam die Todesstrafe. Andere SS-Schergen konnten normal weiterleben. Eine Enthüllung von report München.

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Eichmanns Komplize: Nazi-Schreibtischmörder diente dem BND

Der Münchner SS-General Franz Josef Huber, der für den Tod zehntausender Menschen verantwortlich ist, arbeitete nach dem Zweiten Weltkrieg für den Bundesnachrichtendienst. Dies zeigen Dokumente, die report München ausgewertet hat.

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Von
  • Stefan Meining

Das ARD-Politmagazin report München hat hunderte Seiten bisher unbekannter Unterlagen aus dem Archiv des Bundesnachrichtendienstes (BND) ausgewertet. Die vom BND deklassifizierten Unterlagen zeigen, dass der ehemalige Münchner SS-General Franz Josef Huber dem BND bzw. dessen Vorläuferorganisation von 1955 bis zu seiner Verrentung 1967 zu Diensten war.

Die von report München ausgewerteten Dokumente belegen zudem: Der deutsche Auslandsnachrichtendienst warb Huber im Dezember 1955 an, obwohl der Behörde die NS-Vergangenheit Hubers in allen Einzelheiten bekannt war. So stellt auch ein interner Bericht des BNDs vom 13. Januar 1964 fest, Huber sei "insbesondere verantwortlich für die Unrechtsmaßnahmen, die im Bereich seiner Dienststellen […] aus rassischen oder anderen Gründen […] getroffen wurden."

Was sagt der BND dazu?

Auf Anfrage sagte der Chefhistoriker des BNDs, Bodo Hechelhammer, gegenüber report München: "Der Hintergrund ist natürlich, dass man zu dieser Zeit im aufkommenden Kalten Krieg, natürlich vor allen Dingen stramme Antikommunisten gesucht hat und die hat man leider allzu oft auch in früheren Nationalsozialisten gesucht und gefunden."

Schreibtischmörder Franz Josef Huber

Am 11. April 2021 jährt sich der Beginn des Prozesses gegen Adolf Eichmann in Jerusalem zum sechzigsten Mal. Doch zahlreiche Komplizen von Adolf Eichmann entgingen der Gerechtigkeit. Dazu zählt auch der Münchner SS-General Franz Josef Huber, der wie Adolf Eichmann 1938 kurz nach dem sogenannten "Anschluss" Österreichs an Nazi-Deutschland nach Wien abkommandiert wurde und dort Gestapo-Chef wurde. Franz Josef Huber ist für den Tod von zehntausenden Menschen verantwortlich.

Als Leiter der sogenannten "Zentralstelle für jüdische Auswanderung", die von Eichmann in Wien aufgebaut worden war, war Huber, so die Erkenntnis des österreichischen Historikers Thomas Mang auch "verantwortlich für die Massendeportation der jüdischen Bevölkerung Wiens."

Huber diente sich dem US-Geheimdienst an

Nach der Kapitulation Hitler-Deutschlands diente sich Huber mit seinem Expertenwissen dem amerikanischen Geheimdienst an.

Die New York Times greift die Recherche von report München zu Huber auf und treibt sie weiter – sie berichten von einem Memo des CIA 1953, in dem es heißt, dass Huber für die CIA von gutem Nutzen sein könnte. Auch gab es wohl großes Interesse von Seiten des US-Geheimdienstes, auf das Netzwerk des SS-Generals zurückzugreifen. Eigentlich sollte Huber in Österreich als Kriegsverbrecher vor Gericht gestellt werden. Dann verliert sich seine Spur. Nach seiner Entnazifizierung soll Huber dann angeblich als kleiner Angestellter in seiner Heimatstadt München gearbeitet haben.

Doch das war wohl nur eine Art Tarnmanöver des BNDs, wie auch die Recherchen des Münchner Historikers Michael Holzmann zeigen. Er hat eine neue Biographie über den SS-General Franz Josef Huber geschrieben und herausgefunden, dass Huber unbehelligt mit seinem Klarnamen bis zu seinem Tod 1975 in München leben konnte. Für seine Taten musste sich Huber nie vor einem ordentlichen Gericht verantworten.

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